In Nieder­sachsen wurden 45 000 Tonnen Futtermais entdeckt, der mit krebs­er­regendem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 belastet ist. Teile des Mais aus Serbien sind bereits von Futtermittel­herstel­lern verarbeitet. Dieses Tierfutter wurde an 3 560 land­wirt­schaftliche Betriebe zur Rinder-, Schweine- und Geflügel­zucht verkauft. Der Groß­teil der Lieferung – rund 35 000 der 45 000 Tonnen – wurde heute in Nieder­sachsen gesperrt. Er gelangte nicht mehr in die Verarbeitung. test.de klärt wichtige Fragen.

Was ist Aflatoxin B1?

Aflatoxin B1 ist ein Schimmelpilzgift. Es zählt zu den am stärksten Krebs auslösenden Substanzen, kann aber auch akut die Leber vergiften. Der Name leitet sich ab vom Schimmelpilz Aspergillus flavus und dem grie­chischen Wort „toxikon“, auf Deutsch Gift. Als zulässige Höchst­menge für Aflatoxin B1 sind 20 Mikrogramm pro Kilogramm Futtermittel fest­gelegt. In der Maislieferung wurde ein Wert von bis zu 204 Mikrogramm pro Kilogramm gemessen – also mehr als das Zehnfache der erlaubten Höchst­menge.

Wie gelangt das Schimmelpilzgift in den Mais?

Die Sporen der Schimmelpilze gelangen über die Luft in Lebens- und Futtermittel. Dort können die Pilze bei Wärme und Feuchtig­keit rasch wachsen und Nester bilden. Getreide wie Futtermais ist dafür besonders anfäl­lig. Aber auch Brot, Nüsse und Trocken­obst werden schnell von Schimmel befallen.

Hat das Folgen für unsere Lebens­mittel?

Aflatoxine gehen in die Milch über, wenn Kühe belastetes Futter fressen. Ein Groß­teil der Schimmelpilzgifte wird im Magen der Wieder­käuer aber zerstört. Eine Höchst­mengen­über­schreitung von Aflatoxinen in Milch ist daher sehr selten. Generell tragen Milch und Milch­produkte in unserer Ernährung nur zu einem sehr kleinen Teil zur Gesamt­belastung durch Aflatoxine bei. Das gilt auch für Rind­fleisch.

Welche Lebens­mittel sind typischer­weise gefährdet?

Gefährdet sind typischer­weise Lebens­mittel mit einer großen Oberfläche, die feucht sind oder sich in feuchter Umge­bung befinden wie Brot, Nüsse oder Feigen. Auch die Stiftung Warentest untersucht möglicher­weise gefähr­dete Lebens­mittel auf Aflatoxine: Im Test Basmati-Reis fanden wir in zwei Produkten mehr Aflatoxin B1 als erlaubt: im Green-Reis und im Macariso von Penny. Beide Produkte hätten nicht verkauft werden dürfen und erhielten die Note mangelhaft.

Besteht durch den Skandal Gefahr für den Menschen?

Das Nieder­sächsische Ministerium für Ernährung, Land­wirt­schaft und Verbraucher­schutz geht davon aus, dass eine Gefähr­dung der Verbraucher durch aflatoxinbelastete Trinkmilch „unwahr­scheinlich“ ist. Im aktuellen Fall wurde das Aflatoxin bei einer Routine­unter­suchung von Hofmilch entdeckt. Die Herstellungs­kette des Tier­futters habe voll­ständig zurück­verfolgt werden können, eine Weiterverbreitung des verseuchten Maises sei gesperrt worden, berichtet das Ministerium. Die belastete Milch sei laut Mitteilung des Ministerium bereits entsorgt. Für alle Milch­erzeuger gilt: Haben Milchkühe in der zurück­liegenden Woche belastetes Futter gefressen, darf deren Milch vor­erst nicht an Molkereien gehen. Die Milch wird jetzt auf Rück­stände von Aflatoxin B1 untersucht. Liegt der Befund ober­halb der Höchst­menge von 0,05 Mikrogramm pro Liter, wird die Milch entsorgt.

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