Ärzte müssen ihre Patienten über gefährliche Nebenwirkungen von Medikamenten gesondert informieren. Die Beschreibung der Risiken in der Packungsbeilage reicht nicht aus. Das hat der Bundesgerichtshof heute entschieden. Danach musste ein Gynakologin ihre Patientin über das für Raucherinnen erhöhte Risiko eines Schlaganfalls bei Einnahme von Cyclosa informieren. Das ist eine so genannte Pille der dritten Generation. Die damals 29-jährige Klägerin hatte das Medikament von Dezember 1994 an genommen. Im Februar 1995 erlitt sie einen Schlaganfall. Ob die Ärztin ihrer Aufklärungspflicht genügt hat, muss jetzt das Oberlandesgericht Schwerin klären.

Packungsbeilage reicht nicht aus

Die Frau hatte sich wegen Menstruationsbeschwerden an die Ärztin gewandt. Diese verschrieb ihr daraufhin ein spezielles Präparat zur Empfängnisverhütung. In der Packungsbeilage wird korrekt beschrieben: Bei Raucherinnen erhöht die Einnahme das Risiko von schwer wiegenden Folgen von Gefäßveränderungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter und Zigarettenkonsum. Über 30 Jahre alte Frauen sollen gar nicht mehr rauchen, wenn sie das Medikament einnehmen.

Ohne Infos keine vernünftige Entscheidung möglich

Argument der Bundesrichter: Bei korrekter Aufklärung durch die Ärztin hätte die Frau die Möglichkeit gehabt, entweder auf die Einnahme des Medikaments zu verzichten oder sich das Rauchen abzugewöhnen. Die Information über das Risiko in der erst nach Kauf des Medikaments zugänglichen Packungsbeilage reicht nicht aus, urteilten sie.

Chance auf Schmerzensgeld

Die heute 40-jährige Klägerin kann jetzt auf Schmerzensgeld und Schadenersatz hoffen. Das Oberlandesgericht Rostock muss jetzt klären, ob die Ärztin ihre Patientin korrekt über die Risiken informiert hat. Falls nicht, haftet die Medizinerin. Meist springt in solchen Fällen die Berufshaftpflichtversicherung ein. Die Haftung für Ärzte ist streng. Die Gericht verlangen eine vollständige und korrekte Information über alle mit der Behandlung verbundenen Risiken. Fehlt eine solche Aufklärung, haftet der Arzt, wenn sich ein aufklärungspflichtiges Risiko realisiert.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 15. März 2005
Aktenzeichen: VI ZR 289/03

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