So eine schlechte Bilanz mussten wir bei Tests von Gesichtscremes noch nie ziehen. Bei der Uschi Glas Hautnah Face Cream brach sogar fast jede vierte Frau den Test vorzeitig ab, weil die Haut juckte, sich rötete oder auch schuppte.

Wenn wir Cremes testen, wissen die Frauen nicht, welche Marke sie gerade ausprobieren. Wäre das anders, hätte Uschi Glas wohl schon vor der Veröffentlichung dieses Hefts einige Fans verloren. Denn 7 von 30 Frauen stiegen aus dem Test der Hautnah Face Cream aus, weil sie über teilweise heftige Symptome wie Rötungen, Pusteln oder Schuppen klagten. Vier weitere Frauen hielten zwar bis zum Testende durch, fanden für die Verträglichkeit dieser Creme aber nur eine Vokabel: „mangelhaft“.

Gekauft haben wir sie via Teleshopping. Da werden in wortreichen Verkaufsshows, die viele teure Fernsehminuten lang laufen, schönste kosmetische Hoffnungen verbreitet. Promis und Nichtpromis vermarkten die entsprechenden Produkte im lockeren Verkaufsgespräch. Dieses Medium nutzen zum Beispiel auch Exfilmstar Christine Kaufmann und die fernsehbekannte Sex-Expertin Erika Berger.

Wir wollten wissen, was solche Produkte taugen, und haben außerdem Cremes eingekauft, die aus Katalogen zu ordern sind. Beispielsweise von Pro Idee. Das Ergebnis kann zu Sorgenfalten führen: Von den neun Cremes für Gesichtspflege oder Faltenreduzierung kam gerade mal jede dritte auf ein „gutes“ test-Qualitätsurteil. Der Rest war „befriedigend“, Cosmence nur „ausreichend“ und die Creme von Uschi Glas sogar „mangelhaft“. Das sind gleich zwei Überraschungen auf einmal: So eine unbefriedigende Bilanz mussten wir bei Gesichtscremes noch nie ziehen. Und so viele massive negative Reaktionen wie bei der Hautnah Face Cream haben wir auch noch nicht gesehen.

Bei jeder Creme können gelegentlich unliebsame Hautreaktionen auftreten. Praktisch jeder Inhaltsstoff kann je nach Empfindlichkeit des Einzelnen Unruhe stiften. Solche Hauterscheinungen kamen im Test auch vor, aber nur vereinzelt. Deshalb konnte den anderen Cremes eine „gute“ oder „sehr gute“ Verträglichkeit attestiert werden. Nur bei der einen fielen die Reaktionen aus dem Rahmen.

Faltenreduzierung: Minimal

Fältchen oder gar Falten zu mildern – das verheißen vier Cremes auf unterschiedliche Weise. Ricarda M. beispielsweise gibt im Internet an, die Faltentiefe verringern zu können. Aber nur dort. Ist die 50-Milliliterdose dann für 31 Euro plus 5,50 Euro Versandgebühr ins Haus gekommen, sucht man auf dem Tiegel vergeblich nach diesem teuer bezahlten Versprechen.

Die Creme führte auch kaum zu einer Faltenreduzierung – in diesem Punkt war sie nur „ausreichend“. Auch Cosmence zeigte keine bessere Wirkung. Obwohl es auf der Dose heißt: „ ... wird die Tiefe der Stirnfalten um 12 % reduziert“. Eine „ausreichende“ Faltenreduzierung bedeutet: Es wurden nur minimale Effekte erzielt. Die kommen aber bei weitem nicht an das heran, was die Vergleichscreme leistete, die extra für solche Prüfungen hergestellt wird. Die trugen die Frauen auf die Augenfältchen der einen Seite auf. Auf die andere kam die jeweilige Creme im Test.

Mimikfalten: Bleiben

Hoher Preis hin, aufwendige Werbung her: Auch die beiden anderen Antifaltencremes, Jerome Alexander und Uli Breiter, waren bei der Faltenreduzierung nichts Besonderes, sondern „befriedigend“.

Es ist ohnehin ratsam, die Hoffnungen bei solchen Produkten nicht zu hoch zu hängen. Selbst ein „gutes“ Ergebnis heißt nur: Der Antifalteneffekt ist zwar messbar, aber ohne Mikroskop kaum sichtbar. Auch die beste Creme kann allenfalls die feinen, oberflächlichen Linien auf der Haut mildern. An den Mimikfalten um Augen, Mund und an der Stirn konnte in unseren Tests jedenfalls noch keine Creme wirkungsvoll etwas ändern.

Pflege: Begrenzt

Wichtigster Indikator für die Pflegewirkung ist die Feuchtigkeitsanreicherung: Bei unseren Prüfungen wird nach vier Wochen Anwendung gemessen, wie gut die Cremes die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Von den fünf, bei denen die Pflegewirkung im Vordergrund steht, schafften das nur zwei „gut“. Die einzige „sehr gute“ Note dafür erzielte das Jerome Alexander Skin Deep Wrinkle Gel, das aber mit einer Antifaltenwirkung wirbt.

Ein anderes Kapitel sind die Rezepturen der Cremes. Sie sorgten bei unseren Experten gelegentlich für Stirnrunzeln. pO2 Visage, laut Pro Idee die „Kult-Creme berühmter Hollywoodstars“, wirbt mit Aktiv-Sauerstoff. Der Sauerstoff kommt aus rund 1 Prozent Wasserstoffperoxid. Auf jeden Fall hat Peroxid eine konservierende Nebenwirkung, auch wenn es offiziell nicht als Konservierungsstoff gilt. Die entfärbende Wirkung von Wasserstoffperoxid ist von Blondierungsmitteln bekannt. Ob sie auch bei diesen Minimengen auftritt, wissen wir nicht. Jedenfalls wird auf der Packung vor dem Kontakt mit Haaren und Brauen gewarnt, weil die Creme „leichte Farbveränderungen bewirken“ kann.

Uli Breiter gibt für seine Antifaltencre­me den Lichtschutzfaktor 5 an: Für die Creme wird ein Konservierungsstoff verwendet (Methyldibromoglutaronitril), der bei Lichteinwirkungen zu unliebsamen Hautreaktionen führen kann. In Hautcremes wird er in einem Jahr nicht mehr zulässig sein.

Parfüm und Konservierung: Reichlich

Überhaupt, die Konservierungsstoffe. Sie können Empfindlichen zu schaffen machen. Heutzutage sind schon Rezepturen auch ohne solche Zutaten machbar. Für die Cremes im Test gilt: Ob sie nun viel Natur und sanfte Pflege suggerieren oder nicht – auf die eine oder andere Weise sind sie konserviert. Und das offenbar auch nicht zu knapp. Darauf deutet die mikrobiologische Prüfung hin, bei der alle die offiziellen EU-Anforderungen übertrafen. Nur pO2 Visage und die Berger-Creme enthalten keine Stoffe, die als Konservierungsmittel zugelassen sind. Es stecken aber andere Inhaltsstoffe drin, die eine konservierende Nebenwirkung haben. Bei Erika Berger ist das Alkohol. Die Konservierungsstoffe finden Sie in den Tabellen (Fußnote) aufgeführt.

Bis auf das Jerome Alexander Gel sind – laut Anbieterangaben – auch alle Cremes beduftet. Parfümstoffe können bei empfindlicher Haut ebenfalls Verursacher von Unverträglichkeiten sein, ebenso wie Farbstoffe. Wir fanden aber nur bei der leicht grünlichen Phytoaktiv Creme einen Farbstoff in der Deklaration aufgeführt.

Hohe Preise und Schreibfehler

Die Preise sind meist hoch. Selbst die billigste Testcreme war mit umgerechnet 3 Euro pro 10 Milliliter teurer als eine „gute“ Antifaltencreme aus der Drogerie für 2,20 Euro (test 12/03). Nicht zu vergessen die Versandkosten (meist 5,50 Euro). Wer Kosmetik im Laden kauft, kann gleich sehen, wenn Inhaltsangaben winzig sind (Breiter/Jerome Alexander) oder ob Schreibfehler vorkommen wie „Emulagtor“, „intensif“ oder „das Gebrauch“ (ausgerechnet bei den teuersten Cremes von Berger und pO2). Das Berger-Produkt ist eine Müllpackung, sechs Tiegel würden im Laden als Mogelpa­ckung gelten.

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