Versand­handel Wenn sper­rige Ware Fehler hat

18.07.2019
Versand­handel - Wenn sper­rige Ware Fehler hat
Party­zelt: Hat eine so große Ware nach der Lieferung Mängel, muss der Händler sie beim Kunden abholen. © plainpicture / Jutta Klee

Müssen Kunden im Versand­handel bestellte Ware zur Reparatur einschi­cken, wenn sie sich als mangelhaft heraus­stellt? Oder muss der Händler sie abholen? Ein Urteil des Europäischen Gerichts­hofs (EuGH) bringt nun etwas Klarheit: Bei besonders schwerer, sper­riger oder zer­brech­licher Ware muss der Händler die Ware zur Mangelbehebung („Nach­erfüllung“) zu Hause abholen. Ist die Ware ohne große Unannehmlich­keiten zu verpacken und zu versenden, muss der Kunde sie einschi­cken (Az. C-52/18).

Der Fall: Mängel am Zelt

Entwickelt hat der EuGH diese Leit­linien im Party­zelt-Fall. Ein Kunde aus Deutsch­land hatte beim Versandhändler Toolport in Norder­stedt ein fünf mal sechs Meter großes Party­zelt geordert. Der Kunde reklamierte nach der Lieferung Mängel am Zelt. Der Händler wies die Reklamation als unbe­gründet zurück. Der Verkäufer holte die Ware nicht ab, der Kunde schickte sie nicht ein und forderte Mangelbehebung bei sich zu Hause. Als nichts passierte, erklärte er den Rück­tritt vom Kauf­vertrag und verlangte vor dem Amts­gericht Norder­stedt den Kauf­preis zurück. Das Amts­gericht legt den Fall dem EuGH vor.

Händler oder Käufer – wer ist am Zug?

Nach Ansicht des Europäischen Gerichts­hofs ist beim „Verbrauchs­güterkauf“ der Erfüllungs­ort für die Mangelbehebung von Fall zu Fall zu bestimmen. Wendet man die EuGH-Kriterien an, dürfte Folgendes gelten: Eine defekte Wasch­maschine (schwer), einen großen Schrank (sper­rig) oder einen Spiegel (zer­brech­lich) muss der Händler abholen. Den Rück­versand von Ware, die leicht zu verpacken und zurück­zuschi­cken ist, muss dagegen der Kunde organisieren.

Verkäufer muss Versand­kosten tragen

Auch wenn Kunden den Versand erledigen müssen, trägt der Händler das Porto (Paragraf 439 Absatz 2 Bürgerliches Gesetz­buch). Der Kunde kann sogar Vorschuss fürs Porto verlangen (Paragraf 475 Absatz 6 Bürgerliches Gesetz­buch).

18.07.2019
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