Versand­handel Meldung

Ab Juni gelten neue Regeln für Online­shopping und klassischen Versand­handel. Kunden können ihre Bestellung nach Erhalt der Ware zwar immer noch 14 Tage lang widerrufen. Aber nun dürfen die Händler ihnen immer die Kosten für die Rück­sendung aufbrummen. Bislang galt das nur für Ware bis zum Preis von 40 Euro und beim Kauf auf Rechnung. Zeitungs­leser können sich dagegen freuen.

Widerrufs­frist bleibt bestehen

Versand­handel Meldung

Die test.de-Grafik zeigt, was Shopper am häufigsten online kaufen.

Werden wir nun alle Experten für Portokosten? Ab dem 13. Juni 2014 ändert sich das Recht für Einkäufe in Online­shops und traditionellen Versandhäusern. Kunden können ihre Bestellung nach Erhalt der Ware zwar immer noch 14 Tage lang widerrufen. Aber nun dürfen die Händler ihnen immer die Kosten für die Rück­sendung aufbrummen. Bislang galt das nur für Ware bis zum Preis von 40 Euro und beim Kauf auf Rechnung. Eine kleine Verbesserung bringt die Reform aber auch: Kunden können nun Zeitungs­abos immer widerrufen, unabhängig vom Kauf­preis und auch dann, wenn sie das Abo telefo­nisch abge­schlossen haben.

Große Händler wollen auch künftig kostenfreie Retouren anbieten

Die neue Regelung zwingt die Händler nicht, Rück­porto von den Käufern zu nehmen, sie gibt ihnen aber das Recht dazu. Viele wollen davon Gebrauch machen. Eine Umfrage im Herbst 2012 durch das Forschungs­institut Ibi Research an der Universität Regens­burg ergab: Drei Viertel der befragten Online­shops planen, das Rück­porto dem Verbraucher aufzuerlegen. Bei den meisten großen Händ­lern bleibt alles beim Alten. Nur 12 Prozent von ihnen wollen die Retour­kosten abwälzen. Auf eine Anfrage der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen erklärten 2013 zum Beispiel diverse Shops des Otto-Konzerns, C&A, Planet Sports und Zalando, auch künftig kostenfreien Rück­versand anzu­bieten.

Vertrags­bedingungen genau anschauen

In Zukunft wird es für Kunden also wichtig, vor der Online­bestellung auf der Internetseite nach den Vertrags­bedingungen zu schauen. Wer das Porto trägt, steht in der Regel dort unter „Folgen des Widerrufs“. Bestellt ein Verbraucher sper­rige Ware wie eine Wasch­maschine oder Möbel, kann der Rück­trans­port besonders teuer kommen. Daher müssen Händler in solchen Fällen ihre Kunden künftig noch vor der verbindlichen Bestellung informieren, wie hoch die Rück­trans­port­kosten nach einem Widerruf sind. Kann der Verkäufer das nicht genau beziffern, reicht eine Schät­zung der maximalen Rück­sende­kosten.

Kunden bekommen Zuschlag für Spezial­versand nicht ersetzt

Beim Porto für den Versand der Ware zum Kunden bleibt dagegen vieles beim Alten. Hat der Verkäufer zum Zeit­punkt des Widerrufs Kauf­preis und Versand­kosten vom Konto des Kunden schon abge­bucht, muss er beides erstatten. Neu ist aber: Der Händler muss nur das Porto für die güns­tigste Versand­art in seinem Shop ersetzen. Ist die Ware auf Wunsch des Kunden teuer per Express verschickt worden, trägt dieser die Mehr­kosten.

Beispiel: Ein Kunde bestellt ein Handy. Der Stan­dard­versand kostet 3,99 Euro. Weil es schnell gehen soll, wünscht der Kunde einen Express­versand, für den der Händler 15,99 Euro berechnet. Widerruft der Käufer den Kauf, bekommt er nur 3,99 Euro zurück.

Erst die Ware zurück, dann das Geld

Die Erstattung geschieht – wie gehabt – auf demselben Weg wie die Zahlung. Wer übers Giro­konto bezahlt hat, bekommt Kauf­preis und Porto dorthin zurück­über­wiesen. Ein Gutschein als Erstattung für den Kauf­preis ist nur erlaubt, wenn der Kunde auch mit Gutschein bezahlt hat. Zuerst muss der Käufer die Ware zurück­schi­cken, dann bekommt er sein Geld zurück. Wenn der Händler die Ware wieder erhalten hat, muss er Kauf­preis und Versand­kosten erstatten. Der Kunde kann die Rück­zahlung beschleunigen, indem er dem Händler die Quittung über die Einlieferung des Pakets bei der Post per Mail oder Fax schickt. Dann muss der Verkäufer das Geld inner­halb von 14 Tagen zurück­über­weisen.

Post­beleg gut aufheben

Geht die Ware auf dem Weg zum Händler verloren oder kaputt, hat der Verkäufer den Schaden. Die Kunden müssen aber die Einlieferung bei der Post nach­weisen können. Deshalb sollten sie den Beleg gut aufheben.

Zurück­schi­cken ohne Kommentar reicht nicht mehr

Künftig müssen Käufer den Widerruf eindeutig erklären. Ausreichend ist eine mit den eigenen Adress­daten ergänzte Formulierung wie „Hier­mit widerrufe ich den Kauf der am [Datum] bestellten Ware [Kauf­gegen­stand]“. Den Widerruf begründen müssen Verbraucher wie bisher nicht. Den Zettel mit der Widerrufs­erklärung legen Käufer beim Zurück­senden der Ware bei. Hat der Händler ein Rück­sendeformular mitgeschickt, sollten sie dieses verwenden. Zur Sicherheit widerrufen Kunden zusätzlich immer auch per E-Mail und bitten den Händler um eine Eingangs­bestätigung.

Ewiges Widerrufs­recht nach Händ­lerfehler abge­schafft

Die reguläre Widerrufs­frist ändert sich nicht: Kunden haben ab Erhalt der Ware 14 Tage Zeit, einen Kauf zu widerrufen. Doch das „ewige Widerrufs­recht“ entfällt, das es bisher gab, wenn der Händler den Käufer falsch über sein Widerrufs­recht belehrt hat. Ein Kunde konnte etwa den Onlinekauf eines Autos noch Jahre später widerrufen, wenn der Händler ihn nicht korrekt belehrt hatte. Nun erlischt das Widerrufs­recht bei falschen Belehrungen spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Erhalt der Ware.

Widerrufs­recht gilt nicht für alle Waren

Käufer können nicht jede Bestellung inner­halb von 14 Tagen widerrufen. Das gilt nach neuem genauso wie nach altem Recht:

  • Verderb­liche Ware. Ausgeschlossen ist der Widerruf zum Beispiel bei Lebens­mitteln wie Obst oder Wurst. Auch Schnitt­blumen dürfen Kunden nicht zurück­geben.
  • Spezial­anfertigung. Ist die Ware speziell für den Kunden gefertigt, kann er den Kauf nicht widerrufen. Das gilt laut Gesetzes­begründung zum neuen Verbraucherrecht zum Beispiel für maßgefertigte Vorhänge.

Aber nicht jede individuelle Leistung schließt den Widerruf aus. Hat ein Kunde sich online einen Computer aus verschiedenen Komponenten zusammen­gestellt, ist der Widerruf möglich, wenn der Händler die Anfertigung leicht wieder rück­gängig machen kann oder der Baukasten-PC schnell einen anderen Käufer finden würde. Auch der Kauf eines Sofas ist nicht schon deshalb vom Widerruf ausgeschlossen, weil der Kunde aus drei verfügbaren Farben eine ausgewählt hat. Faust­regel: Je spezieller und seltener der Kunden­wunsch, desto eher ist der Widerruf ausgeschlossen.

  • Medien. Bekommen Kunden CDs, DVDs oder Software versiegelt geliefert, können sie diese nicht mehr zurück­gegeben, sobald sie die Versiegelung geöffnet haben.
  • Zeitungen. Einzel­bestel­lungen von Zeit­schriften und Zeitungen können nicht widerrufen werden, neuerdings aber stets Abonnements. Die Widerrufs­frist läuft ab Lieferung der ersten Ausgabe.
  • Downloads. Wer online Lieder oder Filme zum Anschauen (Streaming) kauft, hat zwar ein Widerrufs­recht. Dieses Recht erlischt aber in dem Moment, in dem er den Song herunter­lädt oder beginnt, sich den Film anzu­schauen. Über diese Folge muss der Verkäufer den Kunden vorher informieren. Sonst erlischt das Widerrufs­recht nicht.

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