Versandapotheken: Gute Noten für DocMorris und Co.

Apotheken gibts hierzulande nahezu an jeder Ecke. Trotzdem gibt ein Drittel der Internetnutzer an, schon einmal Pillen in einer Versandapotheke bestellt zu haben. Billig, bequem und schnell sollen sie sein. Doch bei manchen Anbietern bleibt die Beratung auf der Strecke. Die ist laut Gesetz aber Pflicht. Stiftung Warentest zeigt gute und schlechte Versandapotheken.

Alles im Blick

Internetseiten sind die Schaufenster einer Versandapotheke. Entweder laden sie zum Einkaufen ein oder sie schrecken ab. Die nutzerfreundlichsten Seiten bieten versandapo.de, sanicare.de und zurrose.de. Diese Seiten sind übersichtlich aufgebaut. Der Nutzer findet seine Medikamente schnell. Und der Bestellvorgang läuft über eine sichere Verbindung mit verschlüsselten Daten.

Unübersichtliche Websites

Deutlich weniger komfortabel sind die exemplarisch mitgetesteten Apothekenportale aponet.de und apotheke.com. Hier können Einzelapotheken Bestellungen entgegennehmen. Die Websites sind alles andere als praktisch: Allgemeine Bestellinformationen finden Nutzer nur mit Mühe. Außerdem gibt es verschiedene Wege zur Bestellung. Das verwirrt. Darüber hinaus lässt aponet.de den Besteller völlig im Dunkeln, wie er die Ware bezahlen soll. Apotheke.com zeigt den zu zahlenden Betrag erst nach Auswahl einer Apotheke an. Urteil für beide Websites: Ausreichend.

Viele falsche Auskünfte

Laut Gesetz müssen Versandapotheken ihre Kunden genauso wie reguläre Apotheken zur Anwendung von Medikamenten beraten. Hier setzen zahlreiche Anbieter ihre Kunden unnötigen Risiken aus. Auf die Frage, ob sich Antibiotikum und Antibabypille vertragen, antwortete ein Berater der shop-apotheke.com: „Können Sie nicht Ihren Arzt fragen? Am besten, Sie lassen die Pille zwei Wochen weg, verhüten einfach anders, und dann nehmen Sie die Pille wieder.“ Ein schlechter Rat, denn das Absetzen der Pille kann zu lästigen Zwischenblutungen führen. Apopack.de versagte in drei von sieben Beratungsfällen. test-Qualitätsurteil: „Mangelhaft“.

Meist schneller Lieferservice

Der Pillenversand funktioniert bei den meisten Versandapotheken problemlos. Besonders schnell waren mycare.de und zurrose.de, die alle Bestellungen innerhalb von zwei Tagen lieferten. Apotal.de schnitt bei den Lieferzeiten dagegen am schlechtesten ab: Ein gängiges Grippemittel kam erst neun Tage nach der Bestellung an. Bei keiner einzigen Bestellung erfüllte apotal.de die gesetzliche Vorgabe, dass Versandapotheken Medikamente spätestens zwei Werktage nach Eingang der Bestellung abschicken müssen.

Nicht in Kinderhände

Medikamentensendungen gehören nicht in Kinderhände. Trotzdem fehlte auf den Päckchen von pharma24.de, zurrose.de, medpex.de, 1-apo.de sowie medikamente-per-klick.de bei allen acht Testbestellungen der Hinweis „Nicht an Kinder aushändigen“. Ein Päckchen eines anderen Anbieters wurde tatsächlich an ein zehnjähriges Kind übergeben. Auch andere Lieferungen erreichten nicht immer direkt den Adressaten: So gaben die Boten etwa jedes vierte Medikamentenpaket beim Nachbarn ab. Bei einigen Anbietern fehlt ein entsprechender Hinweis. In manchen Fällen ignorierte der Zusteller die Warnung. Drei Lieferungen legten sie vor der Wohnungstür ab, eine sogar auf ein Fensterbrett im Treppenhaus.

Preise vergleichen

Neben einfacher Bestellung und Lieferung nach Hause ist ein weiterer Vorteil von Versandapotheken, dass sich Kunden ausführlich und in Ruhe über Arzneimittel informieren und die Preise vergleichen können. Versandapo.de und apo-buy.com zeigen zudem kostengünstige Alternativen mit gleichem Wirkstoff. Zum Teil unterscheiden sich die Preise für rezeptfreie Medikamente in Versandapotheken aber um bis zu 30 Prozent. Beispiel: 20 Aspirin-Tabletten kosteten im Test mal 4,97 Euro, mal 3,48 Euro.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2226 Nutzer finden das hilfreich.