Wer die Fördermöglichkeiten ausschöpft, bekommt nicht nur Geld vom Chef, sondern auch kräftige Unterstützung von Vater Staat bei der Vermögensbildung.

An das erste Sparschwein erinnern sich Erwachsene später gern. Zwar werden auch die Steppkes von heute bei Überreichung von Porzellansau oder anderer Spardose aufgefordert, selbst fleißig zu sparen und das Schweinchen dick und fett werden zu lassen, doch meistens helfen Eltern, Patentanten und Großeltern kräftig mit. Wie schön, dass auch berufstätige Erwachsene bei ihrer Vermögensbildung nicht allein gelassen werden.

Grundstock für die Vermögensbildung ist bei rund 90 Prozent der Arbeitnehmer die vermögenswirksame Leistung (VL), die ihnen vom Arbeitgeber ­ zusätzlich zu Lohn oder Gehalt ­ gezahlt wird. Ob Bäcker oder Banker, meistens zahlt der Chef 52 Mark im Monat, manchmal nur 13, ab und zu sogar 78 Mark. Auf diese Weise kommen, auch ohne Zutun des Arbeitnehmers, bis zu 936 Mark im Jahr zusammen. Das macht das vermögenswirksame Sparen selbst für Sparmuffel interessant.

Um die Zahlungen des Arbeitgebers zu erhalten, müssen Arbeitnehmer lediglich entscheiden, welche Anlageform sie wählen wollen. Auf jeden Fall muss das Geld für einen Zeitraum von sieben Jahren angelegt werden ­ nach sechs Jahren Einzahlung noch bis zum Ende des Kalenderjahres. Banken und Sparkassen bieten für VL-Sparer geeignete Sparverträge an, ebenso gut können die monatlichen Zahlungen als Beiträge für eine Lebensversicherung genutzt werden.

Staatliche Förderung am höchsten für Aktienfonds

Vermögenswirksame Leistungen Meldung

Damit seine Sparschweine aus allen Fördertöpfen fressen können, muss ein Arbeitnehmer sie mit 2.736 Mark im Jahr füttern. Dann gibt der Staat 354 Mark dazu (in den neuen Bundsländern 394 Mark). Sie setzen sich zusammen aus den Arbeitnehmersparzulagen für den Aktienfondssparplan und den Bausparvertrag und der Wohnungsbauprämie. Verheiratete Paare mit nur einem Arbeitnehmer können noch 100 Mark mehr vom Staat bekommen, wenn sie weitere 1.000 Mark in den Bausparvertrag zahlen.

Die wohl gängigsten und beliebtesten Anlageformen jedoch sind Bausparverträge und die Anlage in Aktienfonds. Denn diese Sparformen werden vom Staat gefördert. Arbeitnehmer können sogar beide Sparformen ausnutzen und dann eine doppelte Förderung kassieren. Und wer neben den vermögenswirksamen Leistungen noch weiteres Geld auf einen Bausparvertrag einzahlt, kann sogar eine dritte staatliche Prämie kassieren.

Die höchste staatliche Zulage können Sparer für die Anlage in Aktienfonds einstreichen: 20 Prozent, in den neuen Bundesländern sogar 25 Prozent. Allerdings zahlt der Staate maximal 160 und in den neuen Ländern 200 Mark pro Jahr. Mit einer monatlichen Sparrate von 67 Mark oder maximal 800 Mark im Jahr wird diese Förderung voll ausgeschöpft.

Anspruch beim Aktienfondssparen haben jedoch nur Arbeitnehmer, deren Jahreseinkommen bestimmte Grenzen nicht überschreitet. So darf das jährlich zu versteuernde Einkommen bei Alleinstehenden 35.000 Mark und bei Ehepaaren 70.000 Mark nicht übersteigen. Unter Berücksichtigung von steuerlichen Frei- und Pauschalbeträgen kann das Jahresbruttoeinkommen bei Alleinstehenden ohne Kind 40.996 Mark betragen. Ein Ehepaar mit zwei Kindern darf sogar bis zu 93.870 Mark als Bruttoeinkommen angeben, wenn nur einer der Partner berufstätig ist.

Bei den förderungsberechtigten Arbeitnehmern hat sich das vermögenswirksame Sparen in Aktienfonds zu einem wahren Renner entwickelt. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) in Frankfurt/Main verwalteten deutsche Fondsgesellschaften Ende März 2000 rund vier Millionen VL-Depots mit einem Volumen von etwa fünf Milliarden Euro. Damit hat sich die Zahl der VL-Aktienfondssparer innerhalb von zwei Jahren verdoppelt.

Für Sparer, die mit VL-Verträgen etwas für ihre Altersvorsorge tun wollen, ergibt sich eine optimistische Modellrechnung: Wer während seines Berufslebens, so die Formel, nacheinander sechs VL-Verträge abschließt, in die jeden Monat 78 Mark fließen, zahlt in 36 Jahren 33.696 Mark. Bringen ihm die Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von 10 Prozent, dann hat er nach 36 Jahren und hoffentlich rechtzeitig zur Pensionierung ­ einen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent unterstellt ­ fast 308.000 Mark. Falls er die gesamte Zeit Arbeitnehmersparzulage kassiert, steigt das Ergebnis sogar auf 315.000 Mark.

Prämie auch für Bausparer, die gar nicht bauen wollen

Zum maximal geförderten Sparbetrag von 936 Mark erhalten Arbeitnehmer, die die genannten Einkommensgrenzen nicht überschreiten, einen staatlichen Zuschuss von 10 Prozent, maximal 94 Mark, wenn sie einen Bauspar-vertrag abgeschlossen haben. Wer also in Aktienfonds und in einen Bausparvertrag einzahlt, kann insgesamt 254 Mark (in den neuen Ländern 294 Mark) jährlich als Sparzulage bekommen.

Wer neben der vermögenswirksamen Leistung weitere 1.000 Mark (Ehepaare 2.000 Mark) im Jahr aufs Bausparkonto einzahlt, kann eine weitere staatliche Prämie, nochmals 10 Prozent Wohnungsbauprämie, kassieren. Die Prämie wird gezahlt, wenn das zu versteuernde Einkommen pro Jahr die 50.000-Mark-Grenze (bei Ehepaaren 100.000 Mark) nicht übersteigt. Bei einem jährlichen Sparbetrag von 2736 Mark (zusammengesetzt aus 800 Mark für einen Aktienfonds und 1.936 Mark für Bausparverträge) zahlt Vater Staat bei einem Alleinstehenden somit 354 Mark hinzu. Dumm, wer sich dieses Zusatzfutter fürs eigene Sparschwein entgehen lässt.

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