Vermögenswirksame Leistungen Test

Klares Ziel: Noch träumt Maria Backofen in einem botanischen Garten von einem Urlaub in der Karibik. Sobald der Sparplan fällig wird, in den ihre vermögenswirksamen Leistungen fließen, geht es los.

Mehr als 23 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen. Sie müssen nur einen Sparvertrag abschließen, dann zahlt der Chef.

Jeden Monat auf ein paar Euro vom Chef verzichten? Das ist keine gute Idee und passiert doch leicht. Längst nicht alle ­fest angestellten Mitarbeiter, die vermögenswirksame Leistungen (VL) vom Arbeitgeber bekommen können, nutzen sie.

Ob eine Firma ihren Arbeitnehmern monatlich VL zahlt, regelt der Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung. Je nach Branche gibt es zwischen 6,45 Euro und 40 Euro im Monat.

Auch Maria Backofen hätte die Chance verpasst, wenn ihre Firma Lochow-Petkus sie nicht darauf hingewiesen hätte.

So erfuhr sie aber gleich zu Beginn ihrer Ausbildung, dass allen fest angestellten Mitarbeitern 18 Euro im Monat VL spendiert werden. „Ich habe überhaupt nicht gewusst, dass es so etwas gibt“, sagt die 21-Jährige. Sie hat erst im August vergangenen Jahres eine Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau begonnen und studiert zusätzlich Betriebswirtschaft.

Sparvertrag in der Firma vorlegen

Um die VL vom Chef zu kassieren, muss der Mitarbeiter einen speziellen VL-Sparplan abschließen und eine Durchschrift davon seinem Arbeitgeber vorlegen. Der Chef überweist dann die monatliche Sparrate direkt in den Sparvertrag.

Erst nach einer sechsjährigen Sparphase und einer höchstens einjährigen Sperrfrist darf der Arbeitnehmer über sein Kapital verfügen. Wer in diesen sieben Jahren die Einkommensgrenzen nicht überschritten hat, erhält zusätzlich noch Geld vom Staat (siehe Tabelle „Sechs Anlagemöglichkeiten zur Auswahl“).

Sparer, die keine staatlichen Zuschüsse erhalten, sind nicht an die siebenjährige Laufzeit gebunden. Viele Verträge sind aber so gestrickt, dass auch für sie kein vorzeitiger Ausstieg möglich ist.

Viele Geldanlagen zur Auswahl

Anleger können zwischen zahlreichen Anlageformen wählen – von Banksparplänen über Investmentfonds bis hin zur betrieblichen Altersvorsorge. Sogar VL-Sparpläne für Genossenschaftsanteile oder Genussscheine sind laut Gesetz zulässig.

Maria Backofen zahlt ihre VL in einen Bausparvertrag ein und liegt damit im Trend. Er ist neben den Aktienfonds die beliebteste Sparform, weil es für diese beiden Anlageprodukte eine staatliche Förderung gibt.

„Für mich war wichtig, dass es eine sichere Anlage ist und dass ich weiß, was am Ende rauskommt“, sagt Maria Backofen. Sie hat ihren Vertrag bei der Bausparkasse Alte Leipziger abgeschlossen.

Für sicherheitsorientierte Anleger wie sie käme auch ein Banksparplan infrage. Er hätte jedoch den Nachteil, dass sein Basiszins variabel ist und die Anleger nicht ­genau wissen, wie hoch ihr Auszahlungsbetrag sein wird. Außerdem gibt es für Banksparpläne keine staatliche Förderung.

Baukredit mit VL tilgen

Eigenheimbesitzer, die noch ein Baudarlehen tilgen müssen, sollten ihre VL dafür verwenden. Eine lukrativere Anlage gibt es für sie nicht: Fließen zum Beispiel monatlich 40 Euro zusätzlich auf das Kreditkonto, verringert sich die Restschuld bei einem effektiven Zinssatz von 4,5 Prozent nach zehn Jahren um gut 6 041 Euro.

Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen erhalten auch hierfür eine Arbeitnehmersparzulage.

Bei Bausparkassen ist die Aufstockung der monatlichen Tilgung um die VL-Zahlungen meist kein Problem. Bei Banken und Sparkassen kommt es auf die Regeln im Kreditvertrag an.

Zugabe vom Staat

Für einige VL-Verträge gelten Mindestanlagesummen. Bei vielen Aktienfondssparplänen ist man mit 34 Euro im Monat dabei, bei den untersuchten Bausparverträgen zwischen knapp 14 und 30 Euro. Anleger, die weniger vom Chef erhalten, müssen etwas von ihrem Nettolohn dazuschießen. Maria Backofen erhöht die 18 Euro vom Chef auf 40 Euro.

Das Aufstocken lohnt sich vor allem für Sparer wie sie, die Anspruch auf staatliche Förderung haben. Wer sich geschickt anstellt und unter der Einkommensgrenze liegt, kann sogar dreimal Förderung einstreichen, wenn er genug einzahlt:

  • Der Sparer schließt einen Aktienfondssparplan ab und kassiert für die VL-Einzahlungen eine Arbeitnehmersparzulage. Der Staat legt 18 Prozent auf jährliche Einzahlungen bis zu 400 Euro drauf. Er gibt also bis zu 72 Euro im Jahr dazu.
  • Der Anleger schließt zusätzlich einen Bausparvertrag ab und sichert sich so eine weitere Arbeitnehmersparzulage. Er erhält 9 Prozent Zulage auf jährliche Einzahlungen bis zu 470 Euro. Der Staat zahlt in diesem Fall bis zu 43 Euro Zulage pro Jahr.
  • Überweist der Sparer weitere 512 Euro (Ehepaare das Doppelte) in seinen Bausparvertrag, erhält er auch noch eine Wohnungsbauprämie. Bis zu 8,8 Prozent der jährlichen Einzahlungen – höchstens aber 45,06 Euro (Ehepaare 90,11 Euro) – gewährt der Staat pro Jahr.

Und wie kommen Sparer nun an ihre staatliche Förderung? Die Arbeitnehmersparzulage müssen sie jedes Jahr mit der Steuererklärung beantragen. Dazu bekommen sie von ihrem Anlageinstitut eine Bescheinigung, die sie der Anlage N ihrer Steuererklärung beifügen. Die Wohnungsbauprämie beantragen sie über ihre Bausparkasse. Für beide gilt: Die Fördersumme zahlt das Finanzamt erst am Ende der siebenjährigen Sperrfrist in den Sparvertrag ein. Maria erhält Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie. Am Ende ihres VL-Sparvertrags kann sie sich über etwa 4 100 Euro freuen. Rund 1 300 Euro davon hat der Chef und 335 Euro der Staat spendiert.

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