Vermögenswirksame Leistungen Meldung

Immer mehr Aktienfonds buhlen jetzt auch um Kleinsparer mit vermögenswirksamen Leistungen. Die ersten locken sogar schon mit Rabatten auf den Ausgabeaufschlag.

Dass auch Kleinvieh Mist macht, merken nun auch die Fondsgesellschaften. Bisher ließen sie sich kaum dazu herab, vermögenswirksame Leistungen von Kleinsparern anzunehmen. Die geringen Beträge verursachten zu viel Arbeit. Doch in der Börsenflaute leiden Fonds unter schwindenden Geldzuflüssen. Da sind neue Kunden hochwillkommen.

Knapp 150 VL-Fonds führt der Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften BVI auf seiner nicht ganz vollständigen Liste: www.bvi.de (Eingabe des Suchbegriffs: VL-Liste). „Das Angebot hat deutlich zugenommen“, berichtet BVI-Pressereferent Frank Bock. Die Nachfrage auch: Rund vier Milliarden Euro vermögenswirksame Leistungen liegen mittlerweile in Aktienfonds. Die Zahl der Sparer, die ihr Geld dort anlegen, hat sich in vier Jahren auf mehr als 5,2 Millionen verdoppelt. Bei so viel Kundschaft dürfte das VL-Angebot ruhig noch größer sein.

Ärgerlich ist vor allem, dass viele Fonds, die im Finanztest-Vergleich Spitzenplätze belegen, nicht für VL-Sparer geöffnet sind. Zum Beispiel der DekaSpezial der Sparkassen-Tochter Deka-Bank. In den letzten fünf Jahren legte er jährlich beachtliche 11,4 Prozent zu. Doch er bleibt für Anleger reserviert, die höhere Sparraten oder Einmalbeträge einzahlen. VL-Sparer können nur unter 4 von etwa 70 Deka-Aktienfonds wählen.

Marktführer DWS bietet VL-Sparern nur 7 von etwa 60 möglichen Aktienfonds aktiv an. Doch immerhin können sie auf Anfrage auch die anderen DWS-Fonds bekommen. Sie müssen dazu direkt bei der Fondsgesellschaft anfragen oder bei der Deutschen Bank 24.

Ausländische Anbieter halten sich aus dem VL-Geschäft ganz heraus oder überlassen es deutschen Partnern. Beispiel ACM: Wer den renditestarken Global Growth Trends möchte, muss sich an den „Allgemeinen Fonds Service“ im thüringischen Oberdorla wenden – und happige 6,25 Prozent Ausgabeaufschlag zahlen. Unsere Tabelle gibt deshalb nur solche VL-Fonds an, die die Fondsgesellschaft selbst anbietet.

Nicht nur bei der Auswahl, auch beim Ausgabeaufschlag sitzen VL-Sparer in der zweiten Reihe. Während Einmalanleger Rabatte bekommen, besonders wenn sie über Direktbanken ordern, wird auf vermögenswirksame Leistungen der volle Aufschlag fällig, meist 5 Prozent. Von 40 Euro Sparrate fließen dann nur 38,10 Euro in den Fonds. Doch die Front bröckelt: Als Erste bietet die Direktanlagebank Rabatte von meist 50 Prozent – allerdings nur bei konzerneigenen Activest-Fonds.

Der Ausgabeaufschlag knabbert erheblich am Gewinn. Schafft ein Fonds, der 5 Prozent Aufschlag kostet, beispielsweise 10 Prozent Rendite pro Jahr, bleiben über sieben Jahre nur 8,63 Prozent jährliche Rendite übrig.

Eine Alternative sind so genannte No-Load-Fonds, die überhaupt keinen Ausgabeaufschlag nehmen. Bei ihnen sind die internen laufenden Managementgebühren höher, was sich aber erst nach vielen Jahren bemerkbar macht. Für einen VL-Sparplan über sieben Jahre würden sich solche Fonds lohnen – doch unter den Top-Angeboten in unserer Tabelle ist kein No-Load-Fonds vertreten.

Attraktiv trotz Börsenkrise

Die derzeit katastrophale Lage an den Börsen braucht VL-Sparer nicht zu schrecken. Denn langfristig werfen Aktienfonds-Sparpläne in der Regel mehr ab als Konkurrenzangebote von Banken, Bausparkassen oder Lebensversicherungen: im Durchschnitt 8,96 Prozent, errechnete der BVI. Zugrunde gelegt hat er 34 Sparpläne mit 7-Jahres-Perioden ab 1962. Mit Arbeitnehmersparzulage kamen sogar 11,82 Prozent heraus.

Sparplan-Anleger profitieren dabei vom Cost-Average-Effekt: Sinken die Kurse an den Börsen, erhalten sie für ihren stets gleichen monatlichen Sparbeitrag mehr Fondsanteile, denn die gibt es dann ja gewissermaßen im Sonderangebot. Umgekehrt kaufen sie bei einem Börsenhoch weniger der dann teuren An-teile und vermeiden so überhöhte Einsätze bei einer Börsenblase.

Doch völlige Sicherheit bedeutet das nicht. Denn auch dieser Durchschnittskosteneffekt schützt nicht vor Verlusten. Schließlich ist es durchaus denkbar, dass die Börsenkurse über einen großen Teil des Sparzeitraums nach unten zeigen. So weist die BVI-Statistik für zwei Perioden Verluste aus: Wer 1967 einstieg, machte über sieben Jahre 0,42 Prozent Miese, wer 1968 einstieg 2,21 Prozent. Doch das Risiko kann begrenzt werden.

Erstens: Zeit mitbringen. Wer das Geld nicht sofort am Laufzeitende benötigt, sondern ein paar Jahre warten kann, verbessert seine Chancen erheblich. Bei einem Anlagehorizont von 21 Jahren – da ließen sich drei VL-Sparpläne hintereinander hängen – ist das Verlustrisiko statistisch kaum wahrnehmbar. Dagegen liegt die Wahrscheinlichkeit von 6 Prozent jährlicher Durchschnittsrendite dann bei gut 80 Prozent, die Chance von 10 Prozent Rendite bei gut 50 Prozent.

Zweitens: Wer fürs Alter spart, sollte etwa fünf Jahre vor Rentenbeginn die Kursentwicklung beobachten und einen guten Zeitpunkt für den Ausstieg abpassen. Sind die Kurse günstig, schichtet er das Geld, das in fertig besparten VL-Aktienfonds liegt, in risikoärmere Sparformen um, beispielsweise in Rentenfonds.

Drittens: Aktienfonds mit breitem Anlagespektrum wählen, also keine Branchen- oder Länderfonds, sondern europa- oder weltweit anlegende. Da können die Fondsmanager in unsicheren Börsenzeiten aus kriselnden Branchen oder Regionen aussteigen und sich auf andere Gebiete konzentrieren, in denen es gut läuft. Bei reinen Deutschland- oder Großbritannienfonds sind solche Ausweichmanöver nicht drin. Unsere Tabelle zeigt daher weltweit anlegende Fonds.

Viertens: Einige Fonds zeigen deutlich geringere Wertschwankungen als andere. Wen das ständige Auf und Ab an den Börsen nervös macht, der kann seine Nerven schonen, indem er ein Angebot mit geringem Schwankungsfaktor wählt.

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