Vermögens­wirk­same Leistungen Test

Der Chef zahlt, der Spar­vertrag bringt mehr als 3 Prozent Zinsen und manchmal legt der Staat noch etwas drauf. Gute VL-Verträge sind unschlagbar.

Als die Stiftung Warentest im April 1966 ihr erstes test-Heft heraus­gab, schrieb sie, was heute noch aktuell ist: „Viele kennen gar nicht alle Vergüns­tigungen, die ihnen das Gesetz bietet.“ Die Rede war und ist von den vermögens­wirk­samen Leistungen (VL), damals noch als 312-Mark-Gesetz bekannt.

Über 13 Millionen Verträge laufen derzeit. Doch nicht jeder, der Anspruch auf solche Leistungen vom Arbeit­geber hat, nutzt sie auch. Dabei ist die Sache einfach: Der Arbeitnehmer schließt einen VL-Vertrag ab. Er gibt eine Bestätigung in der Personal­stelle ab. Dann zahlt der Arbeit­geber in den VL-Vertrag ein – zusätzlich zum Brutto­lohn.

Pro Monat zahlen Arbeit­geber zwischen 6,65 Euro und 40 Euro. Davon profitieren neben voll- und teil­zeit­beschäftigten Arbeitnehmern auch Auszubildende, Beamte und Soldaten.

Das Extrageld gibt es nur, wenn Arbeitnehmer einen passenden Vertrag vorlegen. Sie können damit sogar Spitzenzinsen erzielen, wie unser Test zeigt: 3,39 Prozent und mehr sind leicht drin, zum Beispiel mit dem VL-Bank­sparplan der Degussa Bank.

Einen Wermuts­tropfen gibt es allerdings: Arbeitnehmer müssen für die Leistung vom Chef Steuern und Sozial­abgaben zahlen. Die Arbeit­geber­leistung fließt voll in den VL-Vertrag. Die Abgaben werden dem Arbeitnehmer vom Gehalt abge­zogen.

In den VL-Vertrag muss der Arbeitnehmer nichts selbst einzahlen, er kann das aber tun. Einge­zahlt wird sechs Jahre, und nach einem Jahr Ruhe­zeit kann der Anleger an das Geld heran. In der Ruhe­zeit kann bereits der nächste Vertrag beginnen. Nur beim Bausparen wird sieben Jahre einge­zahlt.

Wer Geld vom Chef bekommt und in welcher Höhe, hängt vom Tarif­vertrag oder der Betriebs­ver­einbarung ab. Die Beträge unterscheiden sich je nach Branche und Region.

So bekommen Bank­mit­arbeiter im ganzen Land monatlich 40 Euro. Im Einzel­handel in Nord­rhein-West­falen und in Ostdeutsch­land zahlt der Arbeit­geber jedem Beschäftigten 13,29 Euro im Monat. Nur 6,65 Euro erhalten Beamte und Angestellte im öffent­lichen Dienst.

Arbeitnehmer, die einen VL-Vertrag abschließen wollen, müssen das für sich passende Produkt finden. Für Immobilien­besitzer bietet sich die Tilgung eines Kredits oder ein Bauspar­vertrag an, sicher­heits­bewusste Sparer punkten mit einem Bank­sparplan und risi­koor­ientierte Anleger werden sich eher für einen Aktienfonds entscheiden.

Sonderfall Alters­vorsorge

Keine Wahl haben Arbeitnehmer in der Metal- und Elektro­industrie. Für sie ist tarif­vertraglich geregelt, dass die Extrazah­lungen vom Chef alters­vorsorgewirk­same Leistungen (AVWL) sein müssen. Sie dürfen nur in einen Riester-Vertrag oder in die betriebliche Alters­vorsorge fließen.

Auch Arbeitnehmer anderer Branchen können vermögens­wirk­same Leistungen für ihre Betriebs­rente verwenden. Das hat den Vorteil, dass der Arbeitnehmer für die Beiträge keine Steuern und Sozial­abgaben zahlen muss. Statt­dessen muss er die Auszahlung im Renten­alter versteuern.

Bei anderen VL-Verträgen hingegen werden die Einzahlungen versteuert und die Zinsen unterliegen der Abgeltung­steuer. Der Rest der Auszahlung ist steuerfrei.

Staatliche Förderung oben­drauf

Einen zusätzlichen Vorteil beim VL-Sparen haben Arbeitnehmer, die wenig verdienen. Liegt ihr Jahres­einkommen nach Abzug von steuerlichen Posten wie Pend­lerpauschale und anderen Werbungs­kosten bei 17 900 Euro oder darunter (Ehepaare 35 800 Euro), gibt es vom Staat die Arbeitnehmer­spar­zulage für Bauspar­verträge oder für die Tilgung eines Baukredits. Bei Fonds­sparplänen beträgt die Fördergrenze 20 000 Euro, für Paare das Doppelte.

Die Zulage fürs Bausparen oder die Tilgung eines Kredits beträgt bis zu 43 Euro im Jahr, für einen Aktienfonds­sparplan bis zu 80 Euro jähr­lich. Der Staat fördert aber nicht alle Verträge. Bank­sparpläne und betriebliche Alters­vorsorge bleiben außen vor.

Etwas mehr verdienen dürfen VL-Sparer, wenn sie für einen Bauspar­vertrag die staatliche Wohnungsbauprämie beantragen. Die Einkommens­grenze liegt hier bei 25 600 Euro (Paare 51 200 Euro). Der maximale Zuschuss beträgt 45 Euro (90 Euro). Die Prämie gibt es aber nur für Einzahlungen, für die Sparer keinen Anspruch auf Arbeitnehmer­spar­zulage haben. Sowohl die Zulage als auch die Prämie sind steuerfrei.

Sehr beliebt bei VL-Sparern ist das Bausparen mit rund zehn  Millionen Verträgen. Ein Bauspar­vertrag ist eine gute Idee für Sparer, die ein Haus bauen, eine Wohnung kaufen oder sanieren wollen. Sie erhalten für die Einzahlungen wenig Zinsen, sichern sich dafür aber bereits heute einen güns­tigen festen Zins für ein späteres Darlehen.

Die Rechnung geht auf, wenn die Kreditzinsen steigen, bis sie das Darlehen abrufen. Bleiben die Hypothekenzinsen hingegen lang­fristig so gering wie derzeit, fahren Anleger besser, wenn sie das Geld zu guten Sparzinsen angelegt haben.

Gute und sichere Zinsen

Wie Bauspar­verträge bieten auch Bank­sparpläne Sicherheit. Der Sparer weiß, wie viel Geld er nach sieben Jahren erhalten wird. Der Sparplan der Degussa Bank mit 3,39 Prozent Zins ist bundes­weit ohne Bedingungen zu haben Gute Zinsen.

Auch Bau-und Wohnungs­genossenschaften kommen für VL-Sparer infrage, wenn sie dort Mitglied sind oder es werden. Allerdings gibt es nur wenige und nur regionale Angebote. Zum einen gibt es Spar­verträge, zum anderen erlauben vereinzelte Genossenschaften den Erwerb von Anteilen über diese Sparform.

Einige Versicherungs­unternehmen bieten ihren Kunden eine Kapital­lebens­versicherung für ihre VL-Beträge an. Davon raten wir ab. Die Verträge leiden wie andere Produkte auch unter den schlechten Zins­erträgen und haben zusätzlich hohe Kosten.

Aktienfonds für Nerven­starke

Die höchst­mögliche Rendite können Arbeitnehmer mit einem Aktienfonds­sparplan erzielen. Ein Plus von 5 bis 10 Prozent jähr­lich ist auf längere Sicht möglich – die Betonung liegt auf „längere Sicht“ und auf „möglich“.

Fonds sind nur etwas für Sparer, die auch Verluste aushalten können. Denn sollten die Kurse auf dem Aktienmarkt über längere Zeit auf Talfahrt gehen, kann am Ende der Lauf­zeit des Vertrags auch ein Minus bei der Rendite stehen. Wer dann das Geld für eine Anschaffung braucht, hat Pech.

Erst­mals im Test haben wir Sparpläne mit Aktienfonds, die Indizes wie den deutschen Aktien­index Dax nach­bilden. Sie heißen ETF für Exchange Traded Funds, also börsen­gehandelte Fonds. Wir haben aus 67 VL-Fonds­sparplänen zehn ausgewählt, die sich auf einen geeigneten Aktienmarkt beziehen und diesen möglichst breit abbilden Aktienfondssparplan.

Schlechte Verträge nicht kündigen

Wer bereits einen VL-Vertrag hat und fest­stellt, dass er nicht das beste Produkt gewählt hat, sollte den Vertrag nicht direkt kündigen. Wenn der Anleger Anspruch auf staatliche Förderung hat, verliert er diese in den meisten Fällen durch eine vorzeitige Kündigung. Auch der Bonus eines Bank­sparplans ginge verloren. Gerade dieser Bonus macht viele Angebote erst attraktiv. Sparer sollten in der Regel ihren Vertrag durch­halten und sich dann für die nächsten sieben Jahre ein besseres Angebot suchen.

So gilt für VL-Sparer heute, was 1966 für 312-Mark-Sparer galt. Diese „sollten genau rechnen und ihre Chancen nutzen“, empfahl die Stiftung Warentest damals. Heute helfen unsere Test­ergeb­nisse auf den folgenden Seiten dabei.

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