Vermögenswirksame Leistungen Test

Mit staatlicher Förderung wird Arbeitnehmern das Sparen versüßt. Je nach Geschmack dürfen sie aus mehreren (Förder-)Stückchen auswählen.

Geld von Arbeitgeber und Staat: Das klingt gut in ­Arbeitnehmerohren. Die Anlage in Aktienfonds verspricht die ­beste Rendite. Doch diese Option birgt auch Risiken.

Alles, sagt der Volksmund, wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ob dieser Spruch auch für das Menü des Koalitionsvertrags gilt, das die rot-grüne Bundesregierung zusammengestellt hat, bleibt abzuwarten. Heiß diskutiert wird zum Beispiel, ob die geplante Spekulationssteuer auch für vermögenswirksame Leistungen (VL) gelten soll. Denn eigentlich sollen Anleger, die langfristig in Fonds investieren, davon ohne Abzug profitieren.

Egal wie der Streit ausgeht, VL-Sparen lohnt sich. Abhängig von den jeweiligen Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen zahlen Arbeitgeber für Arbeitnehmer zwischen 6,65 und 40 Euro VL pro Monat in einen Sparvertrag – sei es ein Aktienfonds, ein Bausparvertrag, ein Banksparplan oder eine Lebensversicherung. Bekommen Arbeitnehmer keine oder nur wenig VL, können sie den Betrag auch aus dem eigenen Geldbeutel aufstocken und sich so die zusätzliche Förderung vom Staat sichern.

Der aktuelle Finanztest-Vergleich zeigt, dass je nach Art der Anlage die Unterschiede der zu erwartenden Rendite beträchtlich sind. Aktienfonds sind mit einer Renditeerwartung von 9,5 Prozent die Erfolg versprechendste VL-Anlage. Die meisten Bausparverträge bringen knapp 5 Prozent Rendite. Bei diesen beiden Anlageformen können Prämien und Zulagen den Ertrag aber noch verbessern. Sparer mit VL-Banksparplänen können derzeit mit 3 bis knapp 6 Prozent rechnen, und bei den Lebensversicherungen werden 5,5 bis 6 Prozent Rendite in Aussicht gestellt.

Um VL zu bekommen, müssen sich Arbeitnehmer für ein Angebot entscheiden und den Arbeitgeber per Antrag veranlassen, das Geld dorthin zu überweisen. So will es das Gesetz. Eine VL-Anlage in Aktienfonds oder Banksparplänen läuft zum Beispiel sechs Jahre. Nach Zahlung der letzten Rate kommt eine Wartefrist bis zum Jahresende hinzu. Beginnt der Vertrag im November, kann der Sparer also nach sechs Jahren und zwei Monaten an sein Geld.

Von der Sparzulage profitieren

Richtig attraktiv wird die Anlage in VL, wenn der Staat zusätzlich etwas springen lässt: Die Arbeitnehmersparzulage in Höhe von 10 bis 25 Prozent der eingezahlten Beträge gibt es vor allem für VL-Anlagen in Aktienfonds und Bausparverträgen. Eine weitere Möglichkeit, die Sparzulage zu bekommen, bieten zum Beispiel Aufwendungen zur Entschuldung von Wohneigentum.

Allerdings darf der Sparer bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen. So wird zum Beispiel ein verheirateter Arbeitnehmer mit zwei Kindern mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4 375 Euro die Einkommensgrenzen in aller Regel nicht überschreiten.

Die Sparzulage muss jedes Jahr mit der Steuererklärung beantragt werden – mit einer Bescheinigung des Anbieters über die Höhe der Anlagen und das Ende der Sperrfrist. Das Finanzamt setzt die Zulage fest und überweist sie nach der Sperrfrist auf das Konto des Sparers.

Mehrfach kassieren

Seit 1999 können Arbeitnehmer die Förderung doppelt oder sogar dreifach einstreichen: Einmal kassieren sie eine Prämie von 20 Prozent auf bis zu 408 Euro jährlich eingezahlter VL, wenn sie dieses Geld in Produktivvermögen, etwa in Aktienfonds, anlegen. Arbeitnehmer in den neuen Ländern erhalten bis zum Jahr 2004 sogar eine Zulage von 25 Prozent. Zudem können die Sparer bis zu 480 Euro VL pro Jahr in Bauspar­verträge oder zur Entschuldung von Wohneigentum investieren und erhalten dafür weitere 10 Prozent Sparzulage.

Insgesamt werden bis zu 888 Euro VL jährlich per Sparzulage gefördert: Im Höchstfall beträgt die Förderung 130 Euro für Arbeitnehmer mit Wohnsitz in den alten Bundesländern und 150 Euro für diejenigen, die in den neuen Ländern wohnen. Für viele lohnt es sich, den Betrag bis zur Förderhöchstgrenze selbst aufzustocken. Denn nur so bekommt man die Höchstprämie.

Wer weitere 512 Euro auf einen Bausparvertrag überweist, kann die maximale staatliche Förderung herausholen: Dann kassiert er neben der Sparzulage auch noch 10 Prozent Wohnungsbauprämie. Das wären dann zusätzlich maximal 102,40 Euro pro Jahr.

Die gängigste Form, um in den Genuss doppelter oder dreifacher Förderung zu kommen, ist die Kombination eines Bausparvertrags mit einem Aktienfondssparplan. Mit Zulagen und Prämien kommen Bausparer derzeit auf eine Rendite bis zu knapp 7 Prozent; ohne Förderung liegt sie unter 5 Prozent.

Einige Bausparkassen bieten Kombi­produkte an, die eine VL-Anlage sowohl per Bausparvertrag als auch in Fonds bieten. Das ist bequem. Doch es lohnt, die renditestärksten Produkte selbst herauszusuchen. Alles Wissenswerte zu Bausparverträgen sowie die attraktivsten Angebote der Bausparkassen finden Sie unter dem Thema Bausparen (Finanztest 12/2002).

Sparen mit Aktienfonds

Aktienfonds bieten die besten Renditeaussichten von allen VL-Anlagen, aber auch das höchste Risiko. Unser Rechenbeispiel zeigt, dass die Durchschnittsrendite von Aktienfondssparplänen nach sieben Jahren theoretisch bei 9,5 Prozent liegt.

Doch es ist nicht sicher, was nach dem Laufzeitende für den Sparer herausspringt. Aktienfonds unterliegen erheblichen Wertschwankungen. Deshalb kommt eine Anlage in Fonds nur für Sparer infrage, die langfristig planen und ihren Vertrag nicht zu einem festen Zeitpunkt auflösen müssen. So können sie die Fondsanteile behalten, wenn nach dem Auslaufen des VL-Vertrags die Kurse im Keller sind.

Die fünf besten internationalen Aktienfonds für VL-Sparpläne finden Sie in der Tabelle „Fünf Top-Fonds“. Weitere Fonds, die für die Vermögensbildung mit VL geeignet sind, finden Sie unter dem Thema Sparpläne (Finanztest 12/2002).

Wenn Sparer mit der Rendite ihres Fonds nicht zufrieden sind, können sie ihn während der Ansparphase wechseln, sofern sie keine Sparzulage bekommen. Dazu kündigen sie einfach den alten Fonds, suchen sich einen neuen und informieren ihren Arbeitgeber.

Verzinsliche Banksparpläne

Eine sichere Anlage sind verzinsliche Banksparpläne. Diese werden nicht mit der Arbeitnehmersparzulage gefördert. So lohnen sie sich nur für Sparer, die mit ihrem Einkommen über den Fördergrenzen liegen und den Arbeitgeberanteil an den VL mitnehmen wollen.

Die Basisverzinsung von VL-Sparverträgen beträgt derzeit zwischen 0,75 und 3,5 Prozent. Dieser Basiszins ist variabel: Steigt der Marktzins, könnte sich die Rendite also ein wenig verbessern. Es kann aber auch in die andere Richtung gehen. Zum Ende der Sperrfrist packen die Banken meist eine Bonuszahlung obendrauf, die in der Regel zwischen 10 und 15 Prozent der geleisteten Einzahlungen ausmacht.

Die Renditen der einzelnen VL-Sparpläne variieren derzeit zwischen 3 und knapp 6 Prozent. Von den bundesweit gültigen Offerten hat in unserer Stichprobe die Hanseatic Bank das beste Angebot: Das Institut lässt nach sieben Jahren eine Rendite von insgesamt 5,24 Prozent erwarten – bei einer Grundverzinsung von 2 und einem Bonus von 15 Prozent. Die PSD Bank Berlin-Brandenburg kommt als regionaler Anbieter sogar auf eine Rendite von 5,93 Prozent. Eine VL-Anlage in Banksparplänen kann sich trotz einer niedrigen Grundverzinsung also durchaus lohnen. Allerdings sollte der Sparer sicher sein, dass er sein Geld erst nach der vollen Laufzeit benötigt, da der Bonus bei einem vorzeitigen Vertragsende meist entfällt.

Lange Laufzeit bei Versicherungen

Mit einer längeren Laufzeit müssen VL-Anleger kalkulieren, die eine Lebensversicherung abschließen: Erträge aus diesen Policen sind nur dann steuerfrei, wenn der Vertrag zwölf Jahre läuft und mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt worden sind. Ein frühzeitiges Vertragsende ist problematisch: Steigt man nach kurzer Zeit wieder aus, können die Abschlusskosten zu Vertragsbeginn die Rendite erheblich drücken.

Auch der Versicherungsschutz ist kein Argument für eine VL-Lebensversicherung, da sie für eine Absicherung von Hinterbliebenen nicht ausreicht.

Da es für sie keine staatliche Förderung gibt, eignen sie sich höchstens für Sparer, deren Einkommen über den Fördergrenzen liegen. Bei einer Einzahlung von 40 Euro pro Monat stellen die Versicherer einem 30-jährigen Arbeitnehmer eine Auszahlung von rund 8 000 Euro nach dem Ende der zwölfjährigen Laufzeit in Aussicht. Das entspricht einer Rendite auf die eingezahlten Beträge zwischen 5,5 und 6 Prozent. Bei Frauen liegt die Sparrendite geringfügig höher.

Doch die Rendite hängt vom zukünftigen Geschäftserfolg ab und ist nicht garantiert. Die garantierte Versicherungssumme dagegen ist mit gut 6 000 Euro oder 2,8 Prozent weit niedriger als der prognostizierte Ausschüttungsbetrag.

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