Vermögenswirksame Leistungen Meldung

VL-Sparer, die während der Laufzeit neue Wege beschreiten, können sich Nachteile einhandeln.

Lohnt es sich, einen Vertrag über vermögenswirksame ­Leistungen zu wechseln, wenn man ein besseres Angebot findet? Manchmal, doch meist ist es besser durchzuhalten.

Wolfgang H.* aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz ist unzufrieden mit seinem Aktienfonds. Seit drei Jahren legt er einen Teil seiner vermögenswirksamen Leistungen (VL) in den dit-Allianz Aktien Deutschland (DE 000 847 143 4) an. Monatlich zahlt sein Arbeitgeber 34,26 Euro für ihn in den Sparplan ein. „Als ich den Fonds ausgesucht habe, lag er in der Finanztest-Tabelle deutlich über dem Vergleichsindex. Jetzt ist er abgerutscht und gehört nur noch zu den durchschnittlichen Fonds“, ärgert er sich.

Wolfgang H. möchte am liebsten den Fonds wechseln. Doch so einfach wie ein normaler Fondssparer kann er nicht umsatteln. Denn der Wechsel eines VL-Sparplans ist nur für Anleger leicht, die keine staatliche Förderung erhalten. Sie können ihren Sparvertrag kündigen.

Wolfgang H. hat aber für seinen Sparplan Jahr für Jahr als Förderung vom Staat die Arbeitnehmersparzulage beantragt. Darauf hat er Anspruch, weil sein zu versteuerndes Einkommen unter der dafür geltenden Grenze liegt.

Der Staat fördert vermögenswirksame Leistungen aber nur, wenn der Sparvertrag sechs Jahre läuft und je nach Anlageprodukt bis zu einem Jahr ruht. So schreibt es das 5. Vermögensbildungsgesetz vor. Wer seinen Vertrag vorher kündigt, erhält keine Arbeitnehmersparzulage. Kündigt Wolfgang H. seinen VL-Aktienfondssparplan, müsste er auf die 306 Euro Arbeitnehmersparzulage für die vergangenen drei Jahre verzichten. Das gilt aber nur bei einer Kündigung. Würde er seinen Fondssparplan bis zum Ende der Sperrfrist im Jahr 2007 ruhen lassen und in diesen nicht weiter einzahlen, wäre die Arbeitnehmersparzulage gerettet. Und er könnte einen neuen VL-Vertrag abschließen.

Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt von der Preispolitik der Fondsgesellschaft ab. Das VL-Depot von Wolfgang H. kostet rund 29 Euro für die gesamte Laufzeit des VL-Vertrags. Auch wenn er das Depot bis zum Ende der Sperrfrist ruhen lässt, wird diese Summe fällig.

Ein Argument gegen einen Fondswechsel ist eine Gebühr von rund 29 Euro nicht. Einzig der Aufwand oder das Wagnis, nicht genau zu wissen, ob sich der neue Fonds tatsächlich besser entwickelt, können einen Fondswechsel unattraktiv machen. Anleger, die keine hohen Gebühren für das VL-Depot zahlen, können einen Wechsel prüfen.

Doch vorher fragen sie besser ihre Fondsgesellschaft noch mal nach den Kosten. Andere Gesellschaften sind teurer: Bei der DWS kostet ein VL-Depot mindestens 56 Euro und bei Oppenheim Prumerica einmalig 69,60 Euro.

Bausparen und Banksparen

Wolfgang H. hat auch noch einen VL-Bausparvertrag. So sichert er sich die maximale Förderung. Für den Bausparvertrag erhält er eine zweite Zulage und zudem eine Wohnungsbauprämie. In den Bausparvertrag zahlt nicht nur sein Arbeitgeber Beiträge ein, sondern auch Wolfgang H. von seinem Nettogehalt.

Seinen Bausparvertrag sollte Wolfgang H. nicht wechseln, auch wenn ihm mal ein besseres Angebot begegnet. Denn für den neuen Vertrag wäre wieder eine Abschlussgebühr fällig. Außerdem richtet sich die Höhe der Bonuszinsen bei einigen Anbietern, wie etwa bei der Huk-Coburg, nach den Zinsen, die bis zum Laufzeitende angefallen sind. Wer weniger eingezahlt hat, erhält somit auch weniger Bonuszinsen. Das Gleiche gilt für viele VL-Banksparpläne. Auch bei ihnen kann ein vorzeitiger Ausstieg zulasten der Bonuszinsen gehen. Bei manchen Verträgen, wie etwa bei der Commerzbank oder der Hanse­atic Bank, sind gar keine vorzeitigen Kündigungen möglich.

Für Wolfgang H. ist klar: Er möchte den Fonds wechseln – auch wenn es ein wenig Mühe macht.

*Name ist der Redaktion bekannt

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