Vermögens­wirk­same Leistungen Test

Sechs Jahre sparen und ein Jahr warten, dann dürfen Anleger das Gesparte ausgeben. Das Geld gibts vom Chef, die Anlagetipps von uns.

So ganz zu verstehen ist es nicht. Nur rund 15 Prozent aller deutschen Haushalte nehmen vermögens­wirk­same Leistungen (VL) in Anspruch. Dies ergab die Verbrauchs- und Medien­analyse 2011, eine repräsentative Umfrage im Auftrag von ARD, Radio Marketing Service und ZDF.

Erstaunlich ist dies, weil die vermögens­wirk­samen Leistungen eine Finanz­spritze vom Chef sind, auf die viele fest­angestellte Mitarbeiter einen Anspruch haben. Wer sie nicht nutzt, verschenkt Geld.

Wie viel VL einem Berufs­tätigen zusteht, regelt der Tarif- oder Arbeits­vertrag. Banken zahlen ihren Mitarbeitern beispiels­weise 40 Euro jeden Monat. Beschäftigte in der Eisen- und Stahl­industrie und im Kfz-Gewerbe West erhalten 26,59 Euro monatlich, Beamte hingegen nur 6,65 Euro.

Die Mitarbeiter bekommen dieses Geld nicht ausgezahlt, sondern es muss in einen Spar­vertrag fließen. Der Spar­vertrag läuft normaler­weise sechs Jahre. Nach der letzten Rate folgt eine Warte­frist bis zum Jahres­ende. Spätestens nach sieben Jahren kann der VL-Sparer also sein Geld ausgeben.

In der Warte­zeit des ersten Vertrags hat der VL-Sparer im Ideal­fall schon den nächsten Sparplan abge­schlossen. Dann können die Zahlungen des Arbeit­gebers nahtlos auf den neuen Vertrag übergehen.

Der Anleger sucht aus

Den Spar­vertrag muss der Arbeitnehmer aussuchen und auch abschließen. Er gibt eine Durch­schrift des Vertrags bei seinem Arbeit­geber ab. Dieser über­weist dann die VL direkt in den Spar­vertrag. So will es das Vermögens­bildungs­gesetz.

Doch nicht nur der Arbeit­geber zahlt. Als besonderes Bonbon gibt es Zulagen vom Staat für Sparer, die unter bestimmten Einkommens­grenzen bleiben (siehe Tabelle „In drei Schritten zur VL-Anlage“). Bauspar­verträge werden mit der Wohnungs­bauprämie von bis zu 45 Euro im Jahr und einer Arbeitnehmer­spar­zulage von bis zu 43 Euro im Jahr gefördert. Eine besonders hohe Arbeitnehmer­spar­zulage gibt es mit bis zu 80 Euro im Jahr für Aktienfonds­sparer. Die Höchst­förderung bekommt aber nur, wer genug einzahlt (siehe „Dreimal von der Zulage profitieren, unterster Absatz auf dieser Seite).

Sparer, die keine staatlichen Zuschüsse bekommen, sind nicht an die siebenjäh­rige Lauf­zeit von VL-Verträgen gebunden. Viele Verträge sind aber so gestrickt, dass kein vorzeitiger Ausstieg möglich ist.

Fonds und Zins­angebote im Test

Egal, ob ein Anleger sicher anlegen möchte oder die Risiken der Börse nicht scheut: Es gibt für jeden das passende VL-Produkt. Finanztest hat Bank­sparpläne, Bauspar­verträge und Aktienfonds­sparpläne untersucht.

Für Bank­sparpläne gibt es keine Förderung. Doch sie sind für sicher­heits­orientierte Anleger, die ohnehin über den Einkommens­grenzen liegen, erste Wahl. Die Rendi­teerwartung der Testsieger waren höher als die der besten Bausparkasse (siehe Tabellen „Banksparpläne für VL-Anleger“ und „Bausparen mit VL“). Wer sicher anlegen will und Anspruch auf eine Arbeitnehmer­spar­zulage oder eine Wohnungs­bauprämie hat, sollte dagegen einen Bauspar­vertrag abschließen.

Aktienfonds sind für alle VL-Sparer interes­sant, die bereit sind, für höhere Chancen Kurs­risiken einzugehen. Wir haben geprüft, welche guten Fonds aus unserem Dauer­test es günstig über Fonds­vermittler im Internet gibt (siehe Tabelle „Die besten VL-Aktienfonds aus unserem Dauertest“)

Mit VL den Baukredit tilgen

Arbeitnehmer können vermögens­wirk­same Leistungen auch für die Tilgung eines Baukredits nutzen. Eine lukrati­vere Anlage gibt es dafür nicht.

Fließen zum Beispiel monatlich 40 Euro zusätzlich auf das Kredit­konto, verringert sich die Rest­schuld bei einem effektiven Zins­satz von 4,5 Prozent nach zehn Jahren um 6 019 Euro.

Bei Bausparkassen ist die Aufstockung der monatlichen Tilgung um die VL-Zahlungen meist kein Problem. Bei Banken und Sparkassen kommt es auf die Rege­lungen im Kredit­vertrag an. Nach­fragen lohnt sich.

Kreditnehmer können aber auch den Darlehens­vertrag beim Arbeit­geber vorlegen und sich die VL direkt auszahlen lassen.

Falls sie Anspruch auf eine Arbeitnehmer­spar­zulage haben, erhalten sie diese auch für die vermögens­wirk­samen Leistungen, die sie in ihren Baukredit einzahlen. Sie müssen aber bei bereits laufenden Kredit­verträgen klären, ob sie für ihre VL eine Bestätigung für das Finanz­amt erhalten. Die brauchen sie, um die staatliche Förderung mit der Steuererklärung zu beantragen.

Weniger Fonds- und Bauspar­verträge

Zahlen aus der Fonds- und Bausparbranche zeigen: Immer weniger Deutsche schließen einen klassischen VL-Spar­vertrag ab.

Eine Auswertung des Bundes­verbands Investment und Asset Management (BVI) belegt, dass die Zahl der Fonds­verträge von VL-Sparern seit dem Jahr 2008 um rund 10 Prozent gesunken ist.

Die Gesamt­zahl der Bauspar­verträge, in die VL einge­zahlt wurden, liegt nach Angaben des Bundes­verbands der privaten Bausparkassen zwar noch bei rund 10 Millionen Verträgen. Es werden aber immer weniger neue Verträge abge­schlossen. 2008 waren es noch 790 000 neue Verträge. Im Jahr 2010 aber schon rund 16 Prozent weniger.

Ein wichtiger Grund liegt darin, dass immer mehr Tarif­verträge die Verwendung der VL für die betriebliche Alters­vorsorge vorgeben. Vorreiter war die Metall­branche. Sie wandelte im Jahr 2006 die vermögens­wirk­samen Leistungen in alters­vorsorgewirk­same Leistungen (AVWL) von rund 319 Euro jähr­lich um. Das Geld erhält nur, wer es für die betriebliche Alters­vorsorge nutzt.

Das hat Vorteile: Die Sparer müssen auf dieses Geld keine Steuern und Sozial­abgaben zahlen und nicht alle sechs Jahre einen neuen Vertrag abschließen. An ihr Geld kommen sie jedoch erst als Rentner heran.

Dreimal von der Zulage profitieren

Besonders attraktiv wird VL-Sparen, wenn der Anleger mit seinem zu versteuernden Einkommen unter den Fördergrenzen (siehe Tabelle „In drei Schritten zur VL-Anlage“) liegt. Das zu versteuernde Einkommen ist weit nied­riger als das Brutto­einkommen, weil vom ihm alle steuerlich anerkannten Kosten, Frei­beträge und Pausch­beträge abge­zogen sind.

Wer sich geschickt anstellt, erhält die Förderung dreimal. Er muss einen Aktienfonds­sparplan und einen Bauspar­vertrag abschließen und als Unver­heirateter 1 382 Euro jähr­lich sparen.

Nur mit den vermögens­wirk­samen Leistungen wird niemand so hohe Sparraten für die beiden Verträge aufbringen. Es ist deswegen sinn­voll, die Sparraten aufzusto­cken. Und so muss das Geld verteilt werden:

  • Arbeitnehmer­spar­zulage für Fonds: Der Arbeitnehmer schließt einen Aktienfonds­sparplan ab. Die Arbeitnehmer­spar­zulage von 80 Euro pro Jahr erhält er, wenn er mindestens 400 Euro im Jahr einzahlt.
  • Arbeitnehmer­spar­zulage für Bauspar­verträge: Der Anleger schließt zusätzlich einen Bauspar­vertrag ab und sichert sich eine weitere Arbeitnehmer­spar­zulage. Er erhält 43 Euro im Jahr, wenn er jähr­lich 470 Euro in den Vertrag einzahlt.
  • Wohnungs­bauprämie: Über­weist der Sparer weitere 512 Euro pro Jahr in seinen Bauspar­vertrag (Ehepaare das Doppelte), erhält er auch eine Wohnungs­bauprämie. Der Staat fördert den Vertrag mit jähr­lich 45,06 Euro. Diese Prämie gibt es nur, wenn die Einzahlungen aus eigenem Geld stammen.

Sparer, die alle Förderchancen nutzen, sorgen dafür, dass die VL zusammen mit ihrem eigenen Geld wirk­lich „vermögens­wirk­sam“ werden.

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