Vermögensverwaltung mit Fonds Special

In unserer Leserumfrage kamen nur wenige Vermögensverwaltungen einigermaßen gut weg.

Mit Vermögensverwaltungen wollen Banken dem Anleger auch über schwierige Kapitalmärkte hinweghelfen. Doch viele machen mehr Verluste als der Markt.

Martin Kohler* ist wütend, sehr wütend sogar. Sein Zorn richtet sich gegen die Dresdner Bank, bei der er einen Vertrag über eine Vermögensverwaltung abgeschlossen hat. Besonders ärgert ihn, „dass der Kunde auch noch dafür bezahlen muss, dass sein eigentlich für die Altersvorsorge bestimmtes Geld vernichtet wird“.

So wie Martin Kohler denken viele Anleger, die in den vergangenen Jahren einen Auftrag für eine fondsgestützte Vermögensverwaltung erteilt haben. Sie haben ihr Geld der Bank anvertraut, damit sie es in Fonds anlegt. Jetzt sind sie auf die Experten nicht gut zu sprechen.

Leserdepots analysiert

Finanztest hat seine Leser im Sommer vergangenen Jahres gebeten, ihre Unterlagen zu schicken. Der Begriff Vermögensverwaltung ist für viele der Depots etwas hochtrabend. Meist sind es standardisierte Bankprodukte.

Verluste haben die Anleger mit allen Vermögensverwaltungen in unserer Tabelle ('So werden die Vermögen ... verwaltet') erlitten. Doch daran sind die Anleger nicht ganz unschuldig.

Vielen war anscheinend nicht bewusst, dass sie die wichtigste Entscheidung bereits beim Ausfüllen des Antrags getroffen haben. Wer sein Kreuzchen bei einer aggressiven Anlagestrategie macht, entscheidet sich für einen hohen Aktienanteil. Er darf sich nicht wundern, wenn sein Depot in schlechten Börsenzeiten stark an Wert verliert.

Leider haben die meisten ihren Vertrag ausgerechnet während des Aktienbooms abgeschlossen. Viele Anleger ließen sich von der Euphorie anstecken und entschlossen sich allzu wagemutig für die aggressive Variante.

Man muss den Anlageberatern zugute halten, dass es in dieser Zeit sehr schwer war, Anleger von einer Risikostreuung zu überzeugen.

Vorgaben der Anleger umsetzen

Wie die Bankprofis ihre Anleger beraten haben, können wir nicht mehr prüfen. Aber wir können sehen, was sie aus deren Vorgaben gemacht haben.

Mit der Entscheidung für einen bestimmten Depottyp legt sich der Anleger auf eine Aktienquote fest. Wie genau die Quote definiert wird, hängt vom Angebot ab.

Einige Banken legen für ihre Vermö­gensverwaltungen Spannen fest, zum Beispiel 25 bis 50 Prozent Aktien für ein ausgewogenes Depot. Andere legen eine Minimal- oder Maximalangabe für den Aktienanteil fest.

Entscheidend ist nun, wie erfolgreich die Vermögensverwaltung das Depot nach dieser Vorgabe mit Fonds füllt.

Oft schlechter als der Index

Wir haben die Wertentwicklung der verwalteten Depots an der Entwicklung der internationalen Aktienmärkte und des deutschen Rentenmarktes gemessen. Wie das geht, zeigt die Tabelle ('Die Renditen...'). Damit können Anleger selbst vergleichen, ob ihr eigenes Depot über- oder unterdurchschnittlich gelaufen ist.

Wenn eine Vermögensverwaltung den Index knapp verfehlt, ist das gerade noch zu verstehen. Irgendwo müssen die Verwaltungskosten schließlich bleiben. Doch einzelne Anbieter waren viel schlechter.

Für das Chance-Depot der Deka Swiss war eine Aktienquote von 70 Prozent vorgesehen. Das nennt die Deka für diesen Depottyp „neutral“. Sie konnte also die restlichen 30 Prozent in sichere Anlagen stecken.

Mit dieser Vorgabe machte Deka Swiss im Jahr 2001 ein Minus von 16,9 Prozent. Eine entsprechende Mischung aus dem internationalen Aktien- und dem deutschen Rentenindex hätte im Jahr 2001 nur 8,8 Prozent verloren.

Im Jahr 2002 verlor das Chance-Depot sogar 28,9 Prozent an Wert. Die Indexmischung büßte im selben Zeitaum nur 23,9 Prozent ein.

Ein auffällig schlechtes Ergebnis lieferte auch die Deutsche Bank mit ihrem „TopInvest Wachstum“. Ein Blick auf die Fonds, die im Depot liegen, erklärt das schlechte Abschneiden teilweise. Denn dort finden sich nicht etwa Top-Fonds der konzerneigenen Fondsgesellschaft DWS wie der Vermögensbildungsfonds I, der Intervest oder der Akkumula, sondern andere DWS-Fonds.

Im Depot liegen unter anderem Branchenfonds aus dem Technologie- und Telekomsektor. Dabei ist und war es kein Geheimnis, dass die meisten Branchenfonds ziemlich schwankungsanfällig und als Basisinvestment für ein Depot ungeeignet sind.

Es ist ohnehin nicht gut, wenn ein Anbieter wie die Deutsche Bank starr an hauseigenen Fonds festhält. Schließlich zeigt unser monatlicher Fondstest, dass kaum eine Fondsgesellschaft in allen Märkten gleich gut abschneidet. Sinnvoll wäre es also, sich aus dem gesamten Markt das passende Angebot herauszupicken.

Das Depot Fonxx Select ausgewogen der Weberbank zeigt, dass es besser geht. Es ist das einzige Leserdepot, das im Jahr 2001 mit einem Minus von 6,1 Prozent gerade noch im Bereich der vergleichbaren Indexmischungen liegt.

Die Vorgabe für das Depot war ein maximaler Aktienfondsanteil von 50 Prozent. Eine Indexmischung mit 50 Prozent Aktien hätte genau 6,1 Prozent Verlust gemacht.

Im Jahre 2002 sah es insgesamt etwas besser aus. Über die Hälfte der Verwaltungen blieb im Rahmen der durch die Indexmischung gesetzten Erwartungen.

Zwei Jahre sind allerdings zu kurz, um ein endgültiges Urteil über die Güte einer Vermögensverwaltung zu fällen. Anleger, die selbst einen Vertrag über eine Verwaltung abgeschlossen haben, sind deshalb gut beraten, die Ergebnisse über eine längere Zeitspanne zu analysieren. Die unten stehende Tabelle wird ihnen dabei helfen.

Undurchsichtige Kosten

Für ihre Mühe verlangen die Anbieter Geld. Wie viel, ist gar nicht so leicht zu durchschauen. Mitunter sind noch nicht einmal die Endpreise angegeben – wie bei der Deutschen Bank, deren ­Preise keine Umsatzsteuer enthalten.­ Finanztest hält das für eine Zumutung. Ein Vergleich verschiedener Anbieter ist kaum möglich.

Der größte Posten sind die laufenden Kosten. Sie richten sich nach der Höhe des Anlagebetrags und liegen meist zwischen 1,5 und 2 Prozent der Anlage. Anleger sollten prüfen, ob darin zumindest die Depotgebühren enthalten sind. Manch ein Anbieter berechnet sie extra.

Einige Vermögensverwaltungen verlangen zusätzlich eine einmalige Aufnahmegebühr. Die sollte dann zumindest die Kosten für spätere Fondstransaktionen abdecken.

Heikel sind aus unserer Sicht erfolgsabhängige Gebühren. Die verlangen manche Anbieter, wenn ihre Vermögensverwaltung einen Vergleichsindex übertrifft. Wenn aber schon Erfolge honoriert werden, dann sollten die Anbieter auch für Misserfolge gerade- stehen. Es wäre nur fair, wenn bei Verlusten im Vergleich zum Index Gebühren erstattet würden.

Bequem für den Anbieter

Für den Preis, den Anleger zahlen müssen, sollten die Anbieter etwas leisten. Doch manche tun nicht viel dafür.

Deka Swiss verlangt eine Gebühr von 1,60 Prozent des Anlagebetrags. Das scheint zunächst moderat. Doch ein Blick in die aktuelle Zusammensetzung des Depots zeigt, dass die Zahl der Fonds seit Ende 2000 von 17 auf nur noch 6 Fonds zurückgefahren wurde.

Drei Viertel des Anlagekapitals stecken nun in dem gemischten Fonds ­DekaLuxMix SC. Dafür müssen Anleger nun wirklich keine Finanzfachleute bezahlen. Das können sie selbst.

* Name von der Redaktion geändert.

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