Vermögensverwaltung mit Fonds Meldung

Frank Christ ist unzufrieden mit seiner Vermögensverwaltung. Seit Vertragsabschluss im Jahr 2000 hat sie ihm hohe Verluste gebracht.

Vermögensverwaltung mit Fonds – das klingt nach indi­vi­du­eller Betreuung und großen Gewinnchancen. Doch in der Vergangenheit erhielten Anleger oft ein teures Produkt von der Stange und sitzen nun auf hohen Verlusten.

„Mehr Leistung für Ihr Geld“, verspricht die Hamburger Sparkasse (Haspa) in der Werbung für ihre fondsgestützte Vermögensverwaltung. Und weiter: „Bereits ab einem Anlagebetrag von 25 000 Euro können Sie sich beruhigt zurücklehnen.“

Das hat der 60-jährige Haspa-Kunde Frank Christ zunächst auch getan, nachdem er sich im Frühjahr 2000 für die Portfolio-Variante Select Wachstum entschieden hatte. Die Geldanlage hatte ihm seine Bank vorgeschlagen. Sie sei für die Altersvorsorge geeignet.

Doch inzwischen ist Christs Ruhe dahin. Seine Vermögensverwaltung, vor allem deren schlechte Wertentwicklung, bringt ihn in Rage.

Frank Christ steht mit seinem Ärger nicht allein. Bei Finanztest häufen sich Briefe und Anrufe enttäuschter Anleger, die von ihrer Vermögensverwaltung endlich einmal wieder schwarze Zahlen sehen wollen. Anleger Christ hat seit dem Frühjahr 2000 rund 18 Prozent verloren, bei anderen Anlegern stehen noch weit höhere Verluste zu Buche.

Enttäuschende Wertentwicklung

Schuld daran ist vor allem die verheerende Börsenkrise, die zwischen März 2000 und März 2003 unvorstellbare Summen vernichtete. Vermögensverwalter, die teilweise oder vorwiegend in Aktienfonds investieren, konnten sich diesem Strudel nicht entziehen. So verlor auch das Depot von Frank Christ in diesem Zeitraum stark an Wert.

Christs Depot enthält ausschließlich Fonds der Sparkassen-Gesellschaft Deka. Neben seinem Depottyp vertreibt die Haspa noch drei weitere Portfolio-Select-Varianten.

Anleger können kaum abschätzen, ob das von ihnen beauftragte Vermögensmanagement gut oder schlecht gewirtschaftet hat. Wer weiß schon, welcher Index der richtige Maßstab ist? Die Anbieter verzichten in aller Regel darauf, eine Messlatte zu nennen. Aus gutem Grund, denn die meisten würden dabei ziemlich alt aussehen.

Finanztest hat berechnet, welche Renditen verschiedene Depots in jedem der vergangenen zehn Jahre mindestens hätten bringen müssen. Grundlage waren Mischungen aus internationalen Aktien und Euro-Anleihen.

Aus der Tabelle „Überprüfen Sie...“ können Anleger ablesen, wie hoch der Wertzuwachs für die Depotmischungen war. Als Maßstab haben wir den Weltaktienindex der Investmentbank Morgan Stanley, den MSCI Welt, und den deutschen Rentenindex Rex herangezogen. Sicher sehen die Ergebnisse anders aus, wenn stattdessen konkrete Aktien- und Rentenfonds im Depot liegen. Aber als objektive Messlatte sind die breit gestreuten Indizes gerade richtig.

Wenn eine Vermögensverwaltung „nur“ die Indizes erreicht, ist das allerdings nicht genug, denn der Anleger fragt sich dann zu Recht, wofür er eigentlich Gebühren zahlen soll. Das Ziel ist es schließlich, die Indizes zu übertreffen. Viele Verwaltungen liegen aber sogar deutlich schlechter als die vergleichbare Indexmischung und führen sich damit ad absurdum.

Wie Finanztest bei einer Leserbefragung im vergangenen Jahr herausfand (siehe Vertrauen verspielt), gab es kaum Verwaltungen, die dem Markt ein Schnippchen schlagen und sich gegen den Trend behaupten konnten.

Top-Fonds fehlen im Depot

Warum auch die Vermögensverwaltungen großer Banken oft so schlecht sind, ist nicht zu verstehen. Selbst wenn sie sich darauf beschränken, nur Fonds der hauseigenen Gesellschaften zu mischen, bleibt ihnen genügend Spielraum für überdurchschnittliche Renditen.

Jede große Gesellschaft hat gute und bewährte Aktien- und Rentenfonds, die teilweise weit vor ihren Vergleichsindizes liegen. Das zeigt unser Fondstest Monat für Monat. Warum suchen wir aber gerade diese Top-Fonds in vielen Vermögensverwaltungen vergebens?

Das fragt sich auch Frank Christ, der mit der Zusammensetzung seines Wachstumsdepots höchst unzufrieden ist. Darin liegen nicht nur Branchen- und Schwellenländerfonds, sondern auch Fonds, die erst vor wenigen Jahren gegründet wurden und für die folglich noch keine Erfahrungswerte vorliegen.

Für den Diplom-Kaufmann Christ ist das „mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns“, der sich die Haspa ausdrücklich im Vertrag verpflichtet hat, nicht vereinbar. Christ kritisiert außerdem, dass seine Vermögensverwaltung zu lange eine zu hohe Aktienfondsquote gehalten und damit seine Ersparnisse aufs Spiel gesetzt habe.

Zwar erklärt die Haspa in einem Schreiben an ihre Anleger, sie habe auf das schlechte Börsenklima mit einer „deutlichen Herabsetzung der Aktienfondsquoten auf das minimale Niveau“ reagiert, doch das spiegelt sich zumindest in der Depotzusammensetzung zum Jahresende nicht wider. Dort lag die Quote zwischen 2000 und 2003 gemäß den Jahresberichten nie unter 33 Prozent und nicht bei den laut Vertrag möglichen 20 Prozent.

Missverständnisse beim Risiko

Für alle Vermögensverwaltungen, also auch für solche mit Fonds, gelten recht strenge gesetzliche Vorschriften. Dazu gehört auch eine umfassende Aufklärung des Anlegers über die Risiken seines Investments.

Leider verstehen Anbieter und Kunden unter Risiko nicht immer dasselbe. Jedem Anlageprofi ist klar, dass schon eine 20- bis 30-prozentige Aktienfondsquote bei einem Börsencrash herbe Verluste fürs Gesamtdepot bringt. Viele Anleger, die sich nie mit dem Aktienmarkt beschäftigt haben, kennen Geldanlage dagegen nur als Mittel zur Geldvermehrung mit unterschiedlich hohen Renditen – mit Verlusten haben sie keinerlei Erfahrungen.

Ob Haspa-Kunde Frank Christ ausreichend über die Risiken aufgeklärt wurde, lässt sich vier Jahre nach dem Beratungsgespräch kaum noch feststellen. Im Verwaltungsvertrag, den Christ unterschrieben hat, heißt es lapidar: „Dem Kunden ist bekannt, dass es sich bei den verwalteten Vermögenswerten um Wertpapiere handelt, deren Preise steigen und fallen können, und es deshalb nicht sichergestellt ist, dass ein angelegter Betrag bei einem späteren Verkauf wiedererlangt wird.“

Nur auf die Kosten ist Verlass

Eine Vermögensverwaltung mit Fonds garantiert keinen Wertzuwachs, aber auf die regelmäßige Abbuchung der Kosten können sich Anleger 100-prozentig verlassen. Zwischen 1,5 und 2 Prozent des angelegten Geldes geht meist jährlich für die Managementgebühren drauf.

Anleger, die das Ergebnis ihrer Verwaltung mit einer Indexmischung vergleichen wollen, müssen in aller Regel von den Renditeangaben im Jahresbericht diese Kosten abziehen. Kaum ein Anbieter ist kundenfreundlich genug, diese für ihn nachteilige Rechnung selbst anzustellen.

Manche kleineren Anbieter fondsgestützter Vermögensverwaltungen arbeiten sogar mit einer erfolgsabhängigen Vergütung – allerdings nur im Falle von Gewinnen. Der Kunde muss also Wertzuwächse mit dem Management teilen, während er auf Verlusten allein sitzen bleibt und dem Verwalter weiterhin das Grundhonorar zahlt. Von solch einseitigen Kostenmodellen sollten Anleger die Finger lassen.

Nicht maßgeschneidert

Einen Einfluss auf die Zusammensetzung seines Depots hat weder der Haspa-Kunde Frank Christ noch irgendein anderer Bankkunde, der einen Vertrag über eine standardisierte Vermögensverwaltung abschließt.

Eine Vermögensverwaltung mit Fonds ist nicht mit einer individuellen Vermögensverwaltung vergleichbar. Ein persönlicher Verwalter trägt – sofern er sein Handwerk versteht – stets dem Alter und den Lebensumständen seines Mandanten Rechnung. So kann es für ihn nach einer langen Börsenrallye sinnvoll sein, Aktienfonds zu verkaufen, um die Wunschrendite des Anlegers frühzeitig zu sichern.

Das ist bei einem Produkt von der Stange nicht möglich. Eine Vermögensverwaltung mit Fonds gewährt dem Anleger gerade so viel Spielraum, dass er sich für ein bestimmtes Risikoprofil entscheiden und dieses gegebenenfalls wechseln kann. Alle Anleger innerhalb eines Risikoprofils erhalten dieselbe Fondsmischung – unabhängig davon, ob sie alt oder jung, gerade erst eingestiegen oder bereits jahrelang dabei sind.

Der Unterschied zwischen Vermögensverwaltungen mit Fonds und Dachfonds, die ihr Geld nach vorgegebenem Schema auf andere Fonds verteilen, ist gering – auch bei den Kosten.

Der Käufer eines Mischfonds mit Aktien und Anleihen hat ebenfalls keinen Nachteil gegenüber Anlegern, die eine standardisierte Vermögensverwaltung abschließen. Im Gegenteil: Mischfonds sind meist kostengünstiger und der Anleger kann sie jederzeit verkaufen. Sie sind also eine gute Alternative.

Auch Frank Christ überlegt, ob er seine Ersparnisse nicht besser in Mischfonds steckt. Seine Vermögensverwaltung hat er jetzt gekündigt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1774 Nutzer finden das hilfreich.