Vermögensverwalter Meldung

Anleger sollten ihre Strategie schon vor dem Gang zum Vermögensverwalter gut planen.

Wenn Anleger ihr Erspartes professionellen Vermögensverwaltern anvertrauen, wollen sie professionelle Geldanlage. Wenn die Verwalter Fehler machen, müssen sie haften.

Commerzbank Berlin, Hauptfiliale, 9.30 Uhr. Ich betrete den repräsentativen Bau, gehe zum Infoschalter und frage, ob die Bank Vermögensverwaltung anbietet. „Ja, Mum.“ Na, das nenn ich Service, bekommen Vermögensverwaltungskunden gleich ein Glas Sekt zur Begrüßung? Doch ich freue mich zu früh. Mum ist bei der Commerzbank nur die Abkürzung für „Money under Management“.

Eloquent stellt mir ein junger Berater den Activ Plan vor, das Vermögensverwaltungskonzept der Commerzbank für Kunden, die mindestens 25 000 Euro schwer sind. Die Bank legt das Geld in Anleihen, Zertifikaten und Fonds an. Das kostet den Kunden beim reinen Rentendepot 1,25 Prozent des Depotwerts pro Jahr, sonst 1,75 Prozent.

Verwaltung für jedermann

Wer auf den Finanzmärkten verdienen will, aber wenig Ahnung hat, der kann einen Profi engagieren. Anbieter gibt es viele, vom privaten exklusiven Vermögensverwalter bis hin zu den großen Banken wie der Commerzbank.

Adressaten sind nicht mehr nur die Superreichen. Die Anlageexperten akzeptieren auch kleinere Summen von 5 000 oder 10 000 Euro. Dafür bieten sie oft eine standardisierte Vermögensverwaltung oder eine mit Fonds.

Doch nicht immer machen die Kunden so Gewinne, manchmal versenken die Profis auch viel Anlegergeld. Machen sie Fehler, haften sie aber.

Die Falken Vermögensverwaltung etwa musste ihrer Kundin Jane M. rund 30 000 Euro ersetzen, die Falken in knapp sechs Monaten verheizt hatte. Laut Vertrag sollte das Depot aus internationalen Aktien bestehen. Gut 50 000 Euro hatte der Verwalter zur Verfügung.

Falken kaufte jedoch für mehr als die Hälfte Aktien einer einzigen US-Firma, die auch noch an der besonders riskanten US-Computerbörse Nasdaq gehandelt wurden. Von den 50 000 Euro waren vor allem deswegen bald nur noch knapp 22 000 Euro übrig.

Jane M. wollte Schadenersatz, weil sie nicht über die besonderen Risiken der Anlage aufgeklärt worden sei. Der Bundesgerichtshof (BGH) gab ihr schließlich Recht (Az. III ZR 237/01).

Zwar gibt es beim Vermögensverwalter keine Gewinngarantie, doch die Profis müssen das Kundengeld zumindest ordnungsgemäß verwalten. Dazu gehört auch, dass der Verwalter den Anleger bei Vertragsschluss über Chancen und Risiken aufklärt.

Dabei drohen leicht Missverständnisse, denn Kunde und Verwalter haben oft unterschiedliche Vorstellungen davon, was Risiko und Erfolg bedeutet (siehe Interview). Der Fall von Jane M. war jedoch nach Meinung des BGH klar. Der Verwalter durfte nicht so viel Geld der Kundin in eine einzige Aktie mit einem besonderen Risiko stecken, ohne diese vorher darüber aufzuklären.

Den Kunden gut kennen

Damit der Vermögensverwalter seinen Kunden anlegergerecht beraten kann, muss er sich vorher über dessen Anlageziele, Risikobereitschaft und Kenntnisse informieren – und darüber auch auf dem Laufenden bleiben.

Der Mitarbeiter der Commerzbank erkundigt sich deswegen auch gleich, ob ich Erfahrung mit Geldanlagen habe, wie lange ich das Geld anlegen möchte, wie viel etwa davon in Aktien und wie verfügbar die Summe sein soll.

Die eigentliche Anlagestrategie vereinbaren Verwalter und Kunde in den Anlagerichtlinien. Sie legen fest, wie das Geld investiert wird, etwa in Aktien, Anleihen, Immobilien oder Fonds.

Häufig verwenden die Profis floskelhafte Kategorien wie „konservativ“, „Ertrag“ oder „dynamisch“. Das ist missverständlich. Denn für den einen Anleger sind 100 Prozent Anleihen im Depot eine konservative Anlage, der andere betrachtet auch noch einen Mix aus Renten und Aktien als konservativ.

Deswegen sollte die Strategie so konkret wie möglich in den Anlagerichtlinien bezeichnet sein. Den Activ Plan der Commerzbank gibt es zum Beispiel mit sechs Strategien, vom reinen Renten-depot bis zum fast 100-prozentigen Aktienportfolio. Für jede Strategie wird eine konkrete Aktienspanne genannt. So hat das konservative Depot beispielsweise mindestens 10 und maximal 30 Prozent Aktienanteil.

Je konkreter die Angaben, desto leichter kann der Kunde einen Verstoß des Vermögensverwalters gegen die Anlagerichtlinien nachweisen. Und dann muss der Verwalter haften, denn die Richtlinien sind für ihn bindend.

Nicht nur auf ein Pferd setzen

Bei der Umsetzung der Strategie muss der Verwalter das Risiko durch breite Streuung möglichst klein halten. Der BGH verlangt, dass er nicht nur auf hochriskante Optionsgeschäfte setzt, sondern auf eine angemessene Mischung aus Aktien oder Anleihen. Spekulieren ist verboten, es sei denn, der Kunde erlaubt es ausdrücklich.

Der Vermögensverwalter muss auch Interessenkonflikte vermeiden. Er darf beispielsweise nicht wild Aktien kaufen und verkaufen, bloß um mehr Provisionen einzustreichen. Bekommt er von der Depotbank eine Extravergütung, weil sie ihn an den Provisionen und Depotgebühren beteiligt, müssen er und die Bank dies dem Kunden sagen.

Versäumen sie es, haften sie, wenn der Anleger unter diesen Bedingungen den Vermögensverwaltungsvertrag nicht abgeschlossen hätte und die Verwaltung Verluste gebracht hat.

Ob der Vermögensverwalter sich an die Spielregeln hält, weiß aber nur, wer ihm auf die Finger schaut. Deswegen muss der Verwalter den Kunden regelmäßig und auch ohne Nachfrage über das Depot informieren. Der Berater der Commerzbank weiß das wohl und empfiehlt mir, in jedem Fall mehrmals im Jahr ein Gespräch mit ihm zu führen.

Der BGH verlangt außerdem eine Warnung an den Kunden, wenn das Depot mehr als 20 Prozent in die Miesen rutscht. Je nach Risikostruktur muss der Verwalter im Einzelfall auch bereits ab 5 oder 10 Prozent warnen. Das Sicherste ist, der Kunde vereinbart mit ihm eine konkrete Warngrenze.

Bevor es soweit ist, vergleicht der Kunde am besten mehrere Angebote, bis er das für ihn beste Konzept findet. Deswegen entscheide ich mich nicht sofort für den Activ Plan, sondern höre mir noch an, was andere bieten.

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