Die Lebensversicherung wird fällig – wohin mit dem Geld? ­Finanztest stellt einige Anlagemöglichkeiten vor.

10 000 Euro, 95 000 Euro, 230 000 Euro – wenn die Lebensversicherung fällig wird, ist die Freude groß. Jedes Jahr werden ungefähr 3,5 Millionen Verträge ausgezahlt. Mit der Überweisung kommen aber auch die Probleme. Wie legen wir das Geld bloß an?, fragen sich die Kunden. Gewinn soll es bringen, natürlich, und dabei möglichst sicher sein, denn meistens dient es zur Altersvorsorge.

Die Finanzbranche weiß um die Probleme der Leute und verspricht Hilfe. Manche Versicherer schreiben ihre Kunden schon ein Jahr im Voraus an und unterbreiten ihnen verschiedene Angebote, angefangen von Rentenversicherungen über Investmentfonds bis hin zu Tagesgeld.

Alle wollen nur das eine

Oft sind auch die Banken frühzeitig im Bilde. Gute Anlageberater wissen Bescheid über die finanziellen Verhältnisse ihrer Kunden. Dazu gehören Geldanlagen genauso wie ein Ratenkredit, Immobilienbesitz oder eben ein Versicherungsvertrag.

Sie möchten das Geld der Kunden ­natürlich nicht bei der Versicherung lassen, sondern ins eigene Haus holen. Sie bieten ihnen bankeigene Produkte wie Festzinsanlagen oder Inhaberschuldverschreibungen an, wollen ein Wertpapierdepot aus Aktien und Anleihen für sie eröffnen oder möchten wo­möglich selbst mit dem Verkauf einer neuen ­Lebensversicherung ins Geschäft kommen.

Hauptsache, die Provision fließt, das sehen Banker nicht anders als Versicherungsvermittler. Deshalb können Kunden auch kaum einschätzen, ob das ihnen angebotene Produkt wirklich das richtige für sie ist.

Finanztest zeigt, welche Produkte für eine solide Geldanlage infrage kommen, und richtet sich dabei vor allem an jene, die noch einige Jahre überbrücken müssen, ehe sie in Rente gehen.

Für Anleger, die sich das Geld gleich in monatlichen Raten auszahlen lassen wollen, ist beispielsweise die sofort beginnende private Rentenversicherung eine Lösung. Außerdem eignen sich Bankauszahlpläne oder Fondsentnahmepläne. Sie gibt es entweder mit Kapitalverzehr, dann endet die Rente irgendwann, oder ohne, quasi als ewige Rente.

Je jünger, umso flexibler

Je jünger die Kunden sind, wenn sie das Geld von der Lebensversicherung bekommen, desto mehr Anlageformen stehen ihnen offen. Wichtig ist, dass sich die neue Geldanlage in die bestehenden einfügt.

Wer das Geld aus seiner Versicherung bereits mit Ende vierzig, Anfang fünfzig bekommt, kann einen Teil ohne weiteres in Aktien oder Aktienfonds anlegen. Wie viel, kommt darauf an, welches Risiko er eingehen möchte und wie viel seines sonstigen Vermögens möglicherweise schon in Aktien oder aktienähnlichen Anlagen steckt.

Wer schon älter ist, sollte den Schwerpunkt mehr auf sichere Zinspapiere legen. Er könnte sich auch überlegen, eine aufgeschobene Rentenversicherung abzuschließen, und das Geld dort einzahlen. Sie heißt „aufgeschoben“, weil die monatlichen Auszahlungen nicht sofort beginnen, sondern erst, wenn der Anleger in Rente geht.

Nicht nur das Alter spielt eine Rolle, auch auf die Höhe der Summe kommt es an. Je mehr Geld die Anleger insgesamt haben, desto höher kann der Anteil riskanter Anlagen sein.

Auch größere Anschaffungen sind möglich. Anleger, die einen mindestens sechsstelligen Betrag erhalten, könnten sich damit eine Immobilie kaufen, in der sie fortan mietfrei wohnen. Wer schon ein Haus hat, kann Immobilien kaufen und vermieten.

Eine Brücke für die Bedenkzeit

Auch wenn die Versicherungsmakler und Bankberater noch so drängen: Anleger sollten ihre Entscheidung in Ruhe fällen und nichts überstürzen. Damit das Geld in dieser Zeit nicht zinslos auf dem Girokonto liegt, empfehlen wir, es kurzfristig anzulegen.

Dafür eignen sich Tagesgeldkonten oder Festzinsanlagen über 30, 90 oder 180 Tage, die jeweils verlängert werden können. Als Parkplatz ebenfalls geeignet sind Geldmarktfonds.

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