Besseres Depot: Goldener Schnitt

Vermögensanalyse Test

Durch den Kehraus wird Patrizia Beringhoffs Depot wesentlich ­solider, bietet aber immer noch ­genügend Renditechancen.

Mit einer cleveren Depotstruktur erhöhen Anleger ihre Chancen deutlich. Das Risiko steigt dabei kaum.

Sicherheit ist etwas Feines, aber auch furchtbar langweilig. Mit dem Gedanken, langfristig keine höheren Renditen als mit Bundesschatzbriefen oder erstklassigen Anleihen zu bekommen, können sich viele Anleger nicht anfreunden.

So ging es auch Ernst Lehberger und ­Patrizia Beringhoff, die ihr Heil in Aktien oder Aktienfonds suchten – und dabei des Spekulativen zu viel taten. Ernst Lehbergers liquides Vermögen landet in der Chance-Risiko-Klasse 8. Er kennt das Risiko und will es weiterhin tragen. Anders denkt Patrizia Beringhoff: Ihr Vermögen liegt zwar gerade noch in Klasse 6, doch das Risiko, im schlimmsten Fall 30 Prozent im Jahr zu verlieren, ist ihr zu hoch. Sie will es sobald wie möglich herabsetzen.

Spielraum nutzen

Vermögensanalyse Test

Anleger können auch ohne Finanzabenteuer leicht höhere Renditen als mit Bundesschatzbriefen erzielen. Erfreulicherweise gibt es Möglichkeiten, die Chancen eines Depots zu steigern, ohne das Risiko deutlich zu erhöhen.

Die Zauberformel lautet 85 zu 15. Wer sein Depot zu 85 Prozent mit sicheren ­Anleihen und zu 15 Prozent mit gut ­gestreuten Aktienfonds bestückt, hebt ­seine Renditeaussichten und muss keine schlaflosen Nächte fürchten.

Finanztest hat für Depots der mittleren Chance-Risiko-Klassen 4 bis 6 – sie sind für die meisten Anleger die vernünftigste Lösung – verschiedene Anlagenmischungen durchgerechnet. Innerhalb ­jeder Klasse gibt es Spielraum, und den haben wir für die jeweils aggressivste Variante mit so viel Aktien wie möglich genutzt.

In der Chance-Risiko-Klasse 4 ist ein Aktienanteil von 15 Prozent möglich, in Klasse 5 ein Aktienanteil von 45 Prozent und in Klasse 6 können es Anleger sogar mit 75 Prozent Aktien versuchen, sofern diese in der Chance-Risiko-Klasse 7 eingruppiert sind.

Vor allem im Depot der Klasse 4 macht sich der Aktienkick bemerkbar. Wie die Tabelle unten zeigt, lassen sich die Chancen im Vergleich zu einer reinen Zinsanlage deutlich verbessern – bei nur marginal höherem Risiko. Kaum ein Depot steht am Ende des Anlagezeitraums im Minus.

Gleichzeitig gibt es zumindest unter optimistischen Annahmen eine realistische Chance auf eine Rendite von 8 Prozent pro Jahr. Dazu müssten die Aktienmärkte im Durchschnitt 10 Prozent pro Jahr zulegen, die Rentenmärkte um durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr steigen. So gewagt dieses Szenario im Augenblick scheinen mag, trifft es im Rückblick doch etwa die tatsächliche Entwicklung.

Für Patrizia Beringhoff bietet es sich an, den 56-prozentigen Anteil an Investments der Chance-Risiko-Klassen 7 bis 10 deutlich herunterzufahren. Sinnvoll wäre es, die Aktien und die Fonds mit Ausnahme der beiden guten Aktienfonds Welt zu ­verkaufen. Den unterdurchschnittlichen UniEuropa (Chance-Risiko-Klasse 7) sollte sie gegen einen besseren Fonds mit ­gleicher Klasse austauschen. Erste Wahl wäre hier der Spitzenreiter unter den ­europäischen Aktienfonds, der Fidelity European Growth.

Das frei gewordene Geld könnte sie auf einen Euro-Rentenfonds und einen defensiven Mischfonds verteilen. Mit den ­Spitzenreitern dieser Fondsgruppen könnte Patrizia Beringhoff die Chance-Risiko-Klasse ihres Depots von 6 auf 5 senken und hätte ein für sie sinnvolles Maß an Sicherheit erreicht.

Reines Aktiendepot nicht sinnvoll

Ebenso wenig wie ein Depot mit 100 Prozent Anleihen ist auch ein Depot, das nur aus Aktien und Aktienfonds besteht, nicht sinnvoll. Das gilt selbst für risikobereite Anleger. Die Risiken im Vergleich zu einer Mischung von 75 Prozent Aktien und 25 Prozent Anleihen nehmen dramatisch zu, ohne dass die Chancen in gleichem Maße steigen.

Nur wer sehr optimistisch für die Aktienmärkte ist, sollte sein Glück vorübergehend mit einem reinen Aktien(fonds)depot versuchen. Eine Börsenrallye könnte ihm die ersehnten Renditen bescheren.

Allerdings ist es dann wichtig, einen günstigen Ausstieg zu finden und zumindest einen Teil der Positionen wieder zu verkaufen. Auf lange Sicht sollte mindestens ein Viertel des Depots aus sicheren Anlagen bestehen.

Unsere Depotvorschläge dienen nur zur groben Orientierung. Es ist unwahrscheinlich und auch nicht unbedingt sinnvoll, die Struktur über viele Jahre hinweg unverändert zu lassen. Je nach Marktlage könnte die Aktienquote vorübergehend deutlich angehoben oder abgesenkt werden.

So war es in der Rückschau nie verkehrt, nach einem jahrelangen Börsenboom Gewinne zu sichern und Aktien in Festverzinsliche umzuschichten. Zudem sollten Aktienquoten stets in Verbindung mit der persönlichen Situation des Anlegers betrachtet werden. Wer einen Teil des Vermögens für die Altersvorsorge braucht, sollte die Aktienquote mit dem Näherrücken des Ruhestandes senken.

Einzelaktien nur für größere Depots

Wie der riskante Teil des Depots im Einzelnen gestaltet wird, hängt vor allem von den finanziellen Möglichkeiten des Anlegers ab. Wer dafür nicht mehr als 1 000 bis 1 500 Euro zur Verfügung hat, sollte sie in Aktienfonds Welt oder Europa oder in Indexzertifikate stecken. Mit mehreren kleinen Depotposten tut sich der Anleger wegen der unverhältnismäßig hohen Kauf- und Verkaufsspesen keinen Gefallen.

Deshalb sollten selbst für eine Mischung verschiedener Aktien-Länderfonds mindestens 3  000 bis 5 000 Euro vorhanden sein. Um die Streuung eines global investierenden Aktienfonds ansatzweise nachzubilden, braucht man mindestens drei verschiedene Fonds.

Wer auf Einzelaktien schwört, sollte mindestens 7 500 Euro investieren. Das reicht für fünf Positionen à 1 500 Euro und damit für eine bescheidene, aber vertretbare Streuung – zumindest bei sorgfältiger Titelauswahl. Die auf Seite 29 genannten Aktien der Chance-Risiko-Klassen 7 und 8 sind dafür am ehesten geeignet.

Schon ein Reinfall tut richtig weh

Allerdings sollten sich Anleger nichts vormachen. Selbst mit noch so soliden Aktien können sie gelegentlich einen Reinfall erleben. Wenn von fünf Positionen eine abstürzt, tut das richtig weh. Aktienfonds Welt oder Indexzertifikate sind vor derlei Einzelrisiken gefeit, da sie die Wertentwicklung Dutzender, manchmal sogar Hunderter Einzelaktien widerspiegeln.

Auch ist es bei Einzelaktien kaum möglich, Dividenden wieder zu investieren. Während die Ausschüttung bei Fonds problemlos ins Fondsvermögen zurückgeführt werden kann – bei so genannten thesaurierenden Fonds sogar automatisch – , gibt es dafür bei Einzelwerten kein Patentrezept. So bleibt kaum eine andere Wahl, als die Erträge anderweitig anzulegen.

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