Vermögen anlegen Test

Die schleichende Entwertung der Erspar­nisse ist in vollem Gange. Da hilft nur eine klug gemischte Geld­anlage.

Die Angst vor Inflation trägt in Deutsch­land irra­tionale Züge. Obwohl heute die allerwenigsten die verheerende Hyper­inflation des Jahres 1923 selbst miterlebt haben, scheint die Erinnerung daran tief im kollektiven Gedächt­nis verankert zu sein.

Viele denken bei Inflation sofort an den Schubkarren voller Geld­scheine, den die Groß- oder Urgroß­eltern beim Brotkauf angeblich vor sich hersch­oben. Sieht so womöglich auch das Finale der aktuellen Finanz­krise aus?

Das ist extrem unwahr­scheinlich. Die Bedrohung ist eine andere: Zurzeit verliert das Ersparte Monat für Monat an Wert, da die Verzinsung in den meisten Fällen unter der Inflations­rate liegt.

Die Inflations­rate soll angeben, wie sich die Kosten für die Lebens­haltung im Alltag verändern. Das Statistische Bundes­amt erhebt monatlich den Verbraucher­preis­index. Seine Veränderung ist der gängige Maßstab für die Inflation.

Zumindest mit sicheren Geld­anlagen lässt sich zurzeit kaum noch genug erwirt­schaften, um den steigenden Preisen beizukommen.

Das gilt schon für die Bruttozins­erträge. Die werden aber noch um die Abgeltung­steuer geschmälert, wenn der Sparerfrei­betrag von 801 Euro pro Jahr (1 602 Euro für Ehepaare) ausgeschöpft ist.

Für Steuer und Solidaritäts­zuschlag gehen rund 26,4 Prozent der Zins­einnahmen drauf. Wer Kirchen­steuer zahlt, muss insgesamt sogar knapp 28 Prozent seiner Erträge gleich wieder abgeben.

Ohne historisches Beispiel

Anleger können den Schaden begrenzen, indem sie sich für möglichst lukrative Zins­anlagen entscheiden. Ob sie damit die Inflation schlagen, zeigt sich allerdings erst hinterher. Die Inflation wird rück­blickend berechnet, während die Zins­zahlungen erst in der Zukunft fließen werden.

Streng betrachtet müsste man die aktuelle Inflations­rate immer mit dem Zins­niveau von vor zwölf Monaten vergleichen, denn dieser Zins stünde aktuell als Inflations­ausgleich zur Verfügung.

Ein möglichst hoher Zins für kurz­fristig verfügbares Geld gibt dennoch ein Stück­chen Sicherheit. Solange die Inflation nicht sprunghaft steigt, können Anleger ungefähr abschätzen, wo sie inflations­bereinigt stehen. Welche Angebote am besten sind, zeigt unser großer Zins­test.

Vermögen anlegen Test

Die Heraus­forderung für Sparer ist einzig­artig. In der Vergangenheit standen hohen Inflations­raten stets deutlich höhere Zinsen gegen­über (siehe Grafik). Das hat sich geändert. Seit einigen Monaten liegt die Inflations­rate sogar höher als die Rendite, die man für Bundes­anleihen mit zehn Jahren Lauf­zeit bekommt. Anleihen mit einem Jahr Rest­lauf­zeit setzen der Inflation sogar schon seit Anfang 2010 zu wenig entgegen.

Werbung mit Halb­wahr­heiten

Einen Ausweg aus der Misere kann gut gesichertes Tages- oder Fest­geld bieten. In Zeiten steigender Inflation sind diese Anlagen sinn­voller denn je.

Der größte Teil des Vermögens wird aber normaler­weise anders investiert. Die stark gestiegenen Preise für Gold und Immobilien sprechen eine klare Sprache. Anleger erwarten sich davon den besten Inflations­schutz.

„Gold behält immer seinen Wert“ und „mit Beton­gold kann man nichts falsch machen“, erzählen tatsäch­liche und selbst­ernannte Fachleute unver­drossen. Doch das ist nur die halbe Wahr­heit.

Der Gold­preis ist äußerst schwankungs­anfäl­lig. Dass er seit einem Jahr­zehnt fast ununterbrochen nach oben strebt, muss für die Zukunft nichts heißen. In den zwei Jahr­zehnten zwischen 1980 und 2000 wurde Gold sogar immer billiger.

Auch die Inflations­sicherheit von Immobilien ist alles andere als bewiesen. Richtig ist, dass ein Haus oder Grund­stück im Falle einer Geld­entwertung nicht wert­los wird.

Doch niemand weiß, in welchem Maße eine Immobilie einen allgemeinen Preis­anstieg mitmacht. Der Markt für Häuser, Wohnungen und Grund­stücke unterliegt so vielen Unwäg­barkeiten, dass in positivem wie negativem Sinne fast alles möglich ist.

Immobilien­preise sind unbe­rechen­bar

Den Käufern, die in ihren eigenen vier Wänden dauer­haft wohnen wollen, kann das egal sein. Sie schlagen mehrere Fliegen mit einer Klappe, indem sie eine solide Anlage kaufen, jeden Monat Miete sparen und sich die zurzeit extrem nied­rigen Zinsen für Immobilien­kredite zunutze machen.

Anders sieht die Sache aus, wenn die Immobilie in ein paar Jahren, zum Beispiel wegen eines Jobwechsels, wieder zum Verkauf stehen wird. Dann setzt sich der Besitzer den Markt­risiken aus.

In dem aktuellen Hype um Häuser und Grund­stücke wird gern vergessen, dass ausgerechnet Immobilienmärkte die immer noch akute Finanz­krise ausgelöst haben – wenn auch nicht der deutsche Markt.

Vor allem in den USA, Groß­britannien und Spanien hatten zu viele Anleger auf immer weiter steigende Immobilien­preise gewettet. Als die Blase platzte, kamen zunächst die Kreditnehmer, dann die Banken und schließ­lich ganze Staaten in Bedräng­nis.

Die Preise für Immobilien steigen nicht immer. Was für den Markt im Allgemeinen gilt, trifft auf das einzelne Haus oder Grund­stück noch viel stärker zu. Selbst in Boomphasen sind manche Immobilien äußerst schwer oder gar nicht verkäuflich, weil sie große Mängel haben.

Wenn junge Leute aus einer Gegend mit schlechter Infrastruktur und hoher Arbeits­losig­keit abwandern, ist auf lange Sicht eher mit einem Preis­verfall als mit einem Anstieg zu rechnen. Und selbst in gefragten Land­strichen ist ein Anwesen, das an einer vielbefahrenen Straße oder in einer Einflug­schneise liegt, kaum eine ideale Geld­anlage.

Nicht zu stark fest­legen

Immobilien haben einen weiteren Nachteil, den sie mit anderen viel empfohlenen Sach­werten wie Kunst­gegen­ständen, Lieb­haber­stücken oder Samm­lungen aller Art teilen: Sie sind nicht jeder­zeit schnell zu Geld zu machen. Viele Anleger interes­siert das nur am Rande – zu Unrecht.

Die Möglich­keit, eine Investition kurz­fristig in Geld umzu­wandeln – in der Fach­sprache Liquidität genannt – gehört zu den drei zentralen Merkmalen einer Geld­anlage. Die anderen heißen Rendite und Sicherheit.

Ein Tages­geld­konto können Anleger jeder­zeit abräumen, einen Aktienfonds sofort über die Börse veräußern, wenn auch vielleicht mit Verlust. Der Verkauf einer Eigentums­wohnung kann sich dagegen selbst dann über Monate oder Jahre hinziehen, wenn der Besitzer mit dem Preis nach­gibt.

Auch ein boomender Immobilienmarkt nutzt dem Eigentümer herz­lich wenig, wenn sich für sein Haus kein Käufer findet. Seine Anlage ist also nicht nur immobil, sondern auch illiquide.

Anleger, die eine Immobilie nur aus Sicher­heits­gründen wollen, sollten sich dieses Problems bewusst sein. Nur wer genügend Geld in der Hinterhand hat, könnte es wegstecken, wenn sein Haus oder seine Wohnung eine Zeit lang unver­käuflich ist.

Alle anderen kommen in die Bredouille und müssen mit dem Preis immer weiter nachgeben. Falls auf der Immobilie auch noch hohe Schulden lasten, droht ihnen sogar eine Zwangs­voll­stre­ckung.

Die Schwerfäl­ligkeit dieser Anlageform zeigt sich zurzeit an offenen Immobilienfonds. Solche Fonds stecken das Geld der Anleger in verschiedene, meist gewerb­liche Immobilien.

Die Fonds galten viele Jahre lang als krisenresistente Anlage­möglich­keit. Inzwischen mussten viele von ihnen einge­froren, einige sogar aufgelöst werden, weil zu viele Anleger kurz­fristig an ihr Geld wollten. Das steht aber erst nach dem lang­wierigen Verkauf von Gebäuden oder Grund­stücken zur Verfügung.

Noch mehr Risiken als mit selbst­genutzten Häusern und Wohnungen gehen Anleger als Vermieter ein. Sie müssen nicht nur auf Lage, Qualität und Preiswürdig­keit der Immobilie achten, sondern brauchen auch noch einen zuver­lässigen Mieter. Die Gefahr, am Ende mit schlechter Rendite dazu­stehen, ist erheblich.

Zur Sicherheit Aktienfonds

Zu Sach­werten, die in Krisen­zeiten eine gewisse Sicherheit verheißen, zählen auch Aktien, denn sie ermöglichen eine direkte Beteiligung an Unternehmen und damit auch an deren Besitz, Produkten und Patenten.

Aus nach­voll­zieh­baren Gründen bringt dennoch kaum jemand Aktien mit Sicherheit in Verbindung. Gerade in wirt­schaftlich unsicheren Zeiten sind starke Kurs­schwankungen an der Tages­ordnung und zwischen­durch extreme Verluste möglich.

Auf lange Sicht sind solide Aktien und gute Aktienfonds aber nach wie vor eine empfehlens­werte Geld­anlage. Wenn es an den Börsen besonders turbulent zugeht, können Anleger billig einsteigen. Wer diese Chance nutzt und nicht ungeduldig wird, kann auf gute Erträge hoffen.

Ob Aktien einen Schutz vor Inflation bieten, lässt sich nicht voraus­sagen. Solange die Wirt­schaft boomt, haben Aktionäre gute Aussichten, dass ihnen ihre Unternehmen höhere Renditen als die Inflations­rate bringen. Wenn die Firmen gut verdienen, schütten sie meist auch groß­zügige Dividenden aus und die Kurse steigen.

Bei schlechter Wirt­schafts­lage, noch dazu in einer desaströsen politischen Situation, die sich durch eine Verschärfung der Euro-Krise ergeben könnte, sind aber auch Aktien alles andere als stabil. Normaler­weise brechen die Kurse der Unter­nehmens­papiere dann auf breiter Front ein.

Der Vorteil solider Aktienfonds liegt nicht im kurz­fristigen Inflations­schutz, sondern in den guten lang­fristigen Aussichten. Die Anlage in Aktien brachte in der Vergangenheit im Durch­schnitt bessere Renditen als alle anderen Anlageformen. Das bedeutet dann doch wieder guten Inflations­schutz.

Einzelne Aktien sind für die meisten Anleger allerdings zu heikel. Wer sich an einer Firma beteiligt, sollte sehr genau über ihre wirt­schaftliche Lage, Markt­stellung und Zukunfts­perspektiven Bescheid wissen. Das erfordert mehr Zeit und Fachkennt­nisse, als der Durch­schnitts­anleger mitbringt.

Aktienfonds oder Aktien

Er nimmt besser von vorn­herein nur Aktienfonds. Damit beteiligt er sich indirekt an einer Vielzahl von Unternehmen und vermeidet das Risiko eines einzelnen Flops. Am einfachsten geht das mit einem Indexfonds (ETF) auf den welt­weiten Aktien­index MSCI Welt, den die US-amerikanische Bank Morgan Stanley errechnet.

Eine breiter streuende Aktien­anlage mit einem einzigen Finanz­produkt gibt es kaum. Der MSCI Welt bildet die Wert­entwick­lung von etwa 1 600 Aktiengesell­schaften aus 20 Ländern ab. Welche ETF dafür infrage kommen, steht im Produktfinder Fonds.

Die Alternative für sehr interes­sierte Anleger sind aktiv gemanagte Aktienfonds. Die besten von ihnen schafften in der Vergangenheit deutlich höhere Renditen als der breite Aktienmarkt.

Allerdings kommen Anleger nicht umhin, die Fonds­entwick­lung regel­mäßig zu kontrollieren. Dabei unser Produktfinder unter www.test.de/fonds.

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