Verluste steuerlich nutzen Aus Minus mach Plus – so gehts

Verluste steuerlich nutzen - Aus Minus mach Plus – so gehts
Mehr ausgegeben als gewonnen? Wer Kapital­verluste mit Gewinnen verrechnet, kann Steuern sparen. © Lisa Rock

Eine finanzielle Einbuße tut weh, kann sich aber steuerlich positiv auswirken. Stiftung Warentest erklärt, welche steuerlichen Sonder­regeln bei Kapital­verlusten gelten.

Inhalt

Verlust­ausgleich vor Verlustab­zug

Auf Jobsuche, verspekuliert oder zu viel investiert? Manchmal läuft es einfach nicht rund. Über­steigen im Jahr die Aufwendungen die Einnahmen, entsteht ein Verlust. Steuerlich spricht man dann von negativen Einkünften. Immerhin: Diese senken die Steuerlast, weil sie sich in der Regel mit positiven Einkünften verrechnen lassen. Geben Steuerzahler Miese in ihrer Steuererklärung an, versucht das Finanz­amt zunächst, das Minus mit Gewinnen des selben Jahres auszugleichen. Bleibt anschließend trotzdem ein Negativ­betrag stehen, geht dieser nicht verloren. Denn der Verlust kann noch mit positiven Einkünften anderer Jahre verrechnet werden: Zum einen mit einem Plus, das im Vorjahr entstanden ist, zum anderen aber auch mit positiven Einkünften der Folge­jahre.

Mit Verlusten Steuern sparen – das bietet unser Special

Tipps und Tricks.
Wir erklären, wie Sie „negative Einkünfte“ beim Finanz­amt geltend machen und wie Sie mit Verlusten aus Investmentfonds, Knock-Out-Zertifikaten, Anleihen und Privatdarlehen umgehen. Sie erfahren anhand von Rechenbei­spielen, wie Sie den optimalen Rück­trag eines Verlusts ins Vorjahr berechnen und welche Formalien und Fristen dabei zu beachten sind.
Hintergrund.
Wir sagen, welchen besonderen Regeln Verluste aus Geld­anlagen folgen, wie die Bank Verluste verrechnet und wann das Finanz­amt aktiv wird.
Heft­artikel.
Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf das PDF zum Artikel aus 12/2019, aktualisiert um Infos aus Finanztest 7/2020.

Sonder­regeln bei Verlusten aus Kapital­vermögen

Doch nicht bei allen Verlusten läuft es so einfach. Miese aus Kapital­vermögen haben eine Sonderstellung. Weil bei ihnen nicht die Einkommensteuer anfällt, sondern Abgeltung­steuer, müssen sie bei der Verlust­verrechnung getrennt von anderen Einkunfts­arten betrachtet werden.

Das macht die Bank

Zunächst beschäftigt sich die Bank damit, ob die Geld­anlagen eines Sparers Erträge abwerfen oder nicht. Verkaufen Anleger ein Wert­papier zu einem geringeren Preis, als sie selbst bei Kauf gezahlt haben, fahren sie einen Verlust ein. Um diese auszugleichen, zieht die Bank alle Depots und Konten zusammen, die der Sparer bei ihr innehat. Dabei unterscheidet sie allerdings, woher die Erträge stammen. In unserem Special erklären wir, welche Regeln dafür gelten und was es mit dem Begriff Verlust­verrechnungs­topf auf sich hat.

Das macht das Finanz­amt

Unterhalten Sparer Konten bei unterschiedlichen Banken und wollen Verluste über­greifend verrechnen, klappt das nur im Rahmen der Steuererklärung. Sie müssen dazu recht­zeitig bei der Bank eine Verlust­bescheinigung anfordern. Darin weist die Bank die Verluste aus und bucht den entsprechenden Betrag aus dem jeweiligen Verlusttopf aus. Anschließend kann der Anleger die Verluste in der Anlage KAP der Steuererklärung mitteilen. Das Finanz­amt gleicht diese dann mit Gewinnen aus, die mit Geld­anlagen bei anderen Banken entstanden sind und korrigiert den Steuer­abzug. In unserem Special erklären wir ausführ­lich, wie das funk­tioniert.

Mehr zum Thema

  • Kinder­betreuung und Steuern So machen Sie steuerlich alles richtig

    - Ob Kita oder Au-pair – Eltern wollen ihren Nach­wuchs in guten Händen wissen. Aufwendungen für die Aufsicht können sie sich teil­weise über die Steuererklärung zurück­holen.

  • Steuererklärung 2019 Diese Posten bringen Ihnen viel Geld zurück

    - Es ist Zeit, sich Geld vom Finanz­amt zurück­zuholen. Am meisten bekommt, wer jetzt alle Ausgaben geschickt abrechnet. Die Steuer­experten der Stiftung Warentest sagen,...

  • Fonds­besteuerung Abrechnungen verstehen, Gewinne ermitteln

    - Seit 2018 gilt neues Recht bei der Besteuerung von Investmentfonds. Viele Anleger verstehen seitdem ihre Abrechnungen nicht mehr. Wir erklären sie Schritt für Schritt.

8 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.03.2021 um 15:17 Uhr
Reihenfolge Verluste aus Kapitaleinnahmen / Sparer

@Shagrath: Werden die Gewinne und Verluste aus der gleichen Einkunftsart erzielt, Wertpapiergeschäfte und Termingeschäfte gehören zu den Reihenfolge bei Verlusten aus Kapitalvermögen / Sparerpauschbetrag, werden zuerst die Gewinne mit den Verlusten verrechnet. Übersteigen die Verluste den Gewinn, kommt der Sparerpauschbetrag nicht mehr zum Ansatz.
Nur wenn Gewinne und Verluste aus unterschiedlichen Einkunftsarten erzielt werden, kommt der Sparerfreibetrag zum Zug. Werden zum Beispiel aus dem Verkauf von Fonds Gewinne erzielt und Verluste aus Vermietung und Verpachtung vorgetragen, zieht das Finanzamt vom Gewinn des Fondsverkaufs den Sparerpauschbetrag ab und verrechnet dann die übrig geblieben Gewinne mit dem Verlustvortrag aus der anderen Einkunftsart. (maa)

Shagrath am 02.03.2021 um 13:17 Uhr
Reihenfolge bei Verlusten aus Kapital­vermögen

Ich habe noch einen größern Verlustvortrag aus Kapitalvermögen (Verluste aus Wert­papier­anlagen und Termin­geschäften.). Dieser wird regelmäßig beansprucht bei allen positiven Erträgen und mein Sparerpauschbetrag verbleibt ungenutzt.
Kann ich über die Verlustbescheinigung wieder meinen Sparerpauschbetrag nutzen und nur dann die Altverluste per Veranlagung in Anspruch nehmen wenn die Erträge den Sparerpauschbetrag übersteigen?
Ich muss wg. eines Freibetrages ohnehin jedes Jahr veranlagen.

MaQn am 22.01.2020 um 17:34 Uhr
Totalverluste sind schon 2020 problematisch

Wenn sich das BMF mit den Erlassen noch sehr viel Zeit lässt, könnte es für von Totalverlusten betroffene Anleger bereits zu spät sein.

Profilbild Stiftung_Warentest am 22.01.2020 um 15:40 Uhr
Termingeschäfte

@MaQn: Vielen Dank für Ihre Hinweise. Wir sind an dem Thema dran und werden unsere Leser auf dem Laufenden halten, sobald es die ersten Erlasse hierzu gibt. (TK)

MaQn am 22.01.2020 um 12:16 Uhr
aus Minus wird noch mehr Minus (2)

Noch schlimmer wird es 2021, wenn die negativ geschlossenen Optionen bei z.B. 400.000€ liegen würden. Das Konto wäre auf 30.000€ geschrumpft und trotzdem wären die Steuern von 92.612 € fällig.
Bereits in 2020 droht dieses Szenario, wenn jemand nach anfänglich erfolgreichen Geschäften einen Totalverlust erleiden sollte. Im schlimmsten Fall könnte er sein gesamtes Konto verlieren und dürfte dann auch noch Abgeltungssteuern zahlen.

Bitte helfen sie dabei, dass so viele Kapitalanleger wie möglich von dieser Gefahr erfahren.
Diese drohende Vernichtung von Kleinvermögen muss mit aller Macht verhindert werden.
Können Sie dazu beitragen?