Verluste steuerlich nutzen Aus Minus mach Plus – so gelingt die Verlust­verrechnung

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Verluste steuerlich nutzen - Aus Minus mach Plus – so gelingt die Verlust­verrechnung
In Schieflage. Mehr ausgegeben als gewonnen? Wer Verluste mit Gewinnen verrechnet, kann Steuern sparen. © Getty Images / Phil Leo / Michael Denora

Finanzielle Einbußen tun weh, können sich aber steuerlich positiv auswirken. Stiftung Warentest erklärt die Verlust­verrechnung und was bei Kapital­verlusten gilt.

Verluste steuerlich nutzen Aus Minus mach Plus – so gelingt die Verlust­verrechnung

Auf Jobsuche, verspekuliert oder zu viel investiert? Manchmal läuft es einfach nicht rund. Über­steigen im Jahr die Aufwendungen die Einnahmen, entsteht ein Verlust. Im Steuer­deutsch spricht man dann von negativen Einkünften. Immerhin: Diese senken die Steuerlast, weil sie sich in der Regel mit positiven Einkünften verrechnen lassen.

Geben Steuerzah­lerinnen und Steuerzahler Miese in ihrer Steuererklärung an, versucht das Finanz­amt zunächst, das Minus mit Gewinnen des selben Jahres auszugleichen. Bleibt anschließend trotzdem ein Negativ­betrag stehen, geht dieser nicht verloren. Denn der Verlust kann noch mit positiven Einkünften anderer Jahre verrechnet werden: Zum einen mit einem Plus, das im Vorjahr entstanden ist, zum anderen aber auch mit positiven Einkünften der Folge­jahre.

Warum sich die Unter­suchung „Verluste verrechnen“ für Sie lohnt

  • Tipps und Tricks. Verluste etwa aus Vermietung, einer Selbst­ständig­keit oder als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer lassen sich verrechnen. Wir erklären, wie Sie „negative Einkünfte“ beim Finanz­amt steuerlich geltend machen.
  • Beispiel­rechnung. Verluste können Sie steuerlich auch ins Vorjahr verschieben. Wir zeigen anhand eines Rechenbei­spiels, wie Sie den optimalen Betrag für einen sogenannten Verlustrück­trag berechnen. Erfahren Sie außerdem, wie sie einen Verlust­vortrag beantragen.
  • Besonderheiten. Wir sagen, welchen besonderen Regeln Verluste aus Geld­anlagen folgen, etwa Aktien­verluste oder solche aus dem Verkauf von Investmentfonds. Lesen Sie, wie die Bank Verluste verrechnet, wann das Finanz­amt aktiv wird und welche Frist Sie dabei beachten müssen.
  • Muster­prozesse. Sie erfahren, wie der Bundes­finanzhof über Verluste aus Knock-Out-Zertifikaten, Anleihen und Privatdarlehen geur­teilt hat.
  • Heft­artikel. Nach dem Frei­schalten erhalten Sie den Heft­artikel aus Finanztest 11/2022 zum Download.

Verluste steuerlich nutzen Aus Minus mach Plus – so gelingt die Verlust­verrechnung

Sonder­regeln bei Verlusten aus Kapital­vermögen

Doch nicht bei allen Verlusten läuft es so einfach. Miese aus Kapital­vermögen haben eine Sonderstellung. Weil bei ihnen nicht die Einkommensteuer anfällt, sondern Abgeltung­steuer, müssen sie bei der Verlust­verrechnung getrennt von anderen Einkunfts­arten betrachtet werden.

Das macht die Bank

Zunächst beschäftigt sich die Bank damit, ob die Geld­anlagen eines Sparers Erträge abwerfen oder nicht. Verkaufen Anleger ein Wert­papier zu einem geringeren Preis, als sie selbst bei Kauf gezahlt haben, fahren sie einen Verlust ein. Um diese auszugleichen, zieht die Bank alle Depots und Konten zusammen, die ein Sparer bei ihr innehat. Dabei unterscheidet sie allerdings, woher die Erträge stammen. In unserem Special erklären wir, welche Regeln dafür gelten und was es mit dem Begriff Verlust­verrechnungs­topf auf sich hat.

Das macht das Finanz­amt

Unterhalten Anle­gerinnen und Anleger Konten bei unterschiedlichen Banken und wollen Verluste über­greifend verrechnen, klappt das nur im Rahmen der Steuererklärung. Dazu müssen sie recht­zeitig bei der Bank eine Verlust­bescheinigung anfordern, die die Verluste ausweist. Anschließend kann die Anlegerin oder der Anleger die Verluste in der Anlage KAP der Steuererklärung geltend machen.

Das Finanz­amt gleicht anschließend die mitgeteilten Verluste mit Gewinnen aus, die mit Geld­anlagen bei anderen Banken entstanden sind und korrigiert den Steuer­abzug. In unserem Special erklären wir ausführ­lich, wie das funk­tioniert.

Verluste aus dem Verkauf von Aktien lassen sich nur mit Gewinnen aus Aktien­verkäufen verrechnen – zum Ärger der Anle­gerinnen und Anleger. Selbst der Bundes­finanzhof hält die sogenannte Verlust­verrechnungs­beschränkung für Aktien­verluste für verfassungs­widrig. Jetzt muss das Bundes­verfassungs­gericht entscheiden (Az. 2 BvL 3/21).

Verluste steuerlich nutzen Aus Minus mach Plus – so gelingt die Verlust­verrechnung

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.11.2022 um 15:30 Uhr
Verluste aus Hebel-ETF verrechnen?

@Brummo: Führen Anleger ein Depot bei einer deutschen Depotbank, verrechnet diese automatisch Verluste aus dem Verkauf swap-basierter ETF mit Gewinnen aus dem Verkauf swap-basierter Fonds. Sind Gewinne und Verluste bei unterschiedlichen Banken entstanden, müssen Anleger die Verlustverrechnung selbst in die Hand nehmen. Dazu beantragen sie bei dem Geldinstitut, bei dem der Verlust im Depot liegt, bis 15. Dezember eine Verlustbescheinigung für das entsprechende Jahr. Mit der Bescheinigung können Anleger ihre Verluste dann in der Anlage KAP geltend machen und verrechnen lassen.

Brummo am 16.11.2022 um 11:24 Uhr
Verluste aus Hebel-ETF verrechnen?

Guten Morgen,
können Sie mir sagen, ob ich Verluste aus dem LU0411075020 (Short-DAX mit 2-fach HEBEL) mit Gewinnen aus dem LU0252634307 (Long-DAX mit 2-fach Hebel) steuerlich verrechnen kann?

Profilbild Stiftung_Warentest am 03.11.2022 um 13:41 Uhr
Mitnahme von Verlusten ins Folgejahr durch Bank

@frere1234: Nein, ihre Bank überträgt nicht verrechnete Verluste fortwährend in den Verlusttopf für das Folgejahr.

frere1234 am 30.10.2022 um 09:43 Uhr
Mitnahme von Verlusten ins Folgejahr durch Bank

Sie schreiben zurecht, dass Kapitalverluste, die bis zum Jahresende nicht ausgeglichen werden konnten, von den Banken automatisch in das Folgejahr mitgenommen werden. Gilt dies - gerade bei höheren Verlusten, für deren Ausgleich man u.U. viele Jahre benötigt -zeitlich unbegrenzt, oder gibt es hierfür ein zeitliches Limit?

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.03.2021 um 15:17 Uhr
Reihenfolge Verluste aus Kapitaleinnahmen / Sparer

@Shagrath: Werden die Gewinne und Verluste aus der gleichen Einkunftsart erzielt, Wertpapiergeschäfte und Termingeschäfte gehören zu den Reihenfolge bei Verlusten aus Kapitalvermögen / Sparerpauschbetrag, werden zuerst die Gewinne mit den Verlusten verrechnet. Übersteigen die Verluste den Gewinn, kommt der Sparerpauschbetrag nicht mehr zum Ansatz.
Nur wenn Gewinne und Verluste aus unterschiedlichen Einkunftsarten erzielt werden, kommt der Sparerfreibetrag zum Zug. Werden zum Beispiel aus dem Verkauf von Fonds Gewinne erzielt und Verluste aus Vermietung und Verpachtung vorgetragen, zieht das Finanzamt vom Gewinn des Fondsverkaufs den Sparerpauschbetrag ab und verrechnet dann die übrig geblieben Gewinne mit dem Verlustvortrag aus der anderen Einkunftsart. (maa)