Verlorene Wert­sachen Special

Verlorenes Portmonee. Im Ernst­fall sollte der Eigentümer sofort seine Kreditkarte und Girocard sperren lassen.

Ein Moment der Unaufmerk­samkeit genügt und Kreditkarte, Ausweis oder Handy sind weg. Gehen die Diebe mit gestohlenen Karten einkaufen oder telefonieren sie mit dem geklauten Handy nach Übersee, kann das für die Betroffenen teuer werden. Hinzu kommt die lästige Lauferei, um verschwundene Dokumente und wichtige Daten wieder­zubeschaffen. Wer ein paar guten Tipps folgt, kann die unangenehme Situation leichter bewältigen.

Betroffenen können hohe Kosten entstehen

Es geschieht sekunden­schnell. Diebe stehlen das Portmonee samt Ausweis aus dem Ruck­sack. Das Handy rutscht aus der Jackentasche. Oder man vergisst seine Karte an der Kasse irgend­eines Ladens. Der Ärger über den Verlust dauert meist umso länger. Gehen die Diebe mit gestohlenen Karten einkaufen oder telefonieren sie mit dem geklauten Handy nach Übersee, können den Betroffenen hohe Kosten entstehen. Hinzu kommt die lästige Lauferei, um verschwundene Dokumente und wichtige Daten wieder­zubeschaffen.

2,8 Millionen Karten­sperrungen im letzten Jahr

Rund 2,8 Millionen Karten­kunden müssen im vergangenen Jahr solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben. So oft jedenfalls wurde der Notruf 116  116 angerufen, über den Bank­kunden ihre Girocard oder Kreditkarte sperren können. Auch bei den Handy­besitzern sind die Verlustquoten hoch. „Im Schnitt lassen bei Vodafone rund 10 000 Kunden pro Monat ihre Handy-Sim-Karte sperren, weil das Telefon geklaut oder verloren ist“, sagt Vodafone-Sprecher Volker Peten­dorf. Bei allem Ärger sollten Verbraucher im Ernst­fall einen kühlen Kopf bewahren. Wer sich an folgenden Notfall­plan hält, kann den Schaden zumindest begrenzen.

Tipp: Manchmal tauchen verloren geglaubte Dinge auch wieder auf. Übers Onlinefundbüro lassen sie sich deutsch­land­weit wieder­finden.

Schnell handeln bei Karten­verlust

Sind Kreditkarte oder die Girocard weg, ist keine Zeit zu verlieren. Grund: Erst nach deren Sperrung steht die Bank und nicht mehr der Kunde für unbe­rechtigte Trans­aktionen gerade. Davor haften Kreditkarten­inhaber in der Regel bis zu einem Betrag von 150 Euro. Dieses Limit gilt aber nur, wenn sie keinerlei Sorgfalts­pflichten verletzt oder nicht grob fahr­lässig gehandelt haben.*) Wer zum Beispiel Pin und Karte zusammen aufbewahrt oder sie unbe­aufsichtigt im Auto liegengelassen hat, kann auch auf höheren Summen sitzenbleiben. Banken und Recht­sprechung sind hier relativ strikt. Wird beispiels­weise gleich nach dem Diebstahl mit Girokarte und Pin an einem Auto­maten Geld abge­hoben, gehen die Gerichte davon aus, dass der Karten­inhaber die Geheimzahl gemein­sam mit der Karte verwahrt haben muss. Kann er nicht das Gegen­teil beweisen, zahlt er den Schaden aus eigener Tasche (BGH, Az. XI ZR 210/03).

Tipp: Um die Girocard sperren zu können, brauchen Sie Bank­leitzahl und Konto­nummer, zur Sperrung der Kreditkarte die Karten­nummer. Bei Diebstählen verlangen einige Institute zudem eine Straf­anzeige.

Zur Polizei bei Ausweis­diebstahl

Sind die Notrufe abge­setzt, sollten Verbraucher beim Verlust ihrer Geldbörse zum Fundbüro gehen. Allein im Zentralen Berliner Fundbüro gaben ehrliche Finder vergangenes Jahr mehr als 3 600 Portmonees ab. „In mehr als der Hälfte der Geldbörsen war kein Geld mehr, aber noch die Ausweis­papiere“, sagt Manfred Schneider, Leiter der Behörde. Viele Diebe nehmen das Geld und werfen die Börse mit den Dokumenten weg. Schneider rät, Personal­ausweis oder Führer­schein frühestens 14 Tage nach Verlust neu zu beantragen. „Viele Finder bringen Geldbörsen nicht zum Fundbüro, sondern zur Polizei“, sagt er. „Es kann Tage dauern, bis die Sachen im Fundbüro eintreffen“. Es informiert auch den Besitzer, wenn seine Adresse zu ermitteln ist. Wurde der Personal­ausweis gestohlen, ist eine Anzeige bei der Polizei Pflicht. Wer sie unterlässt, riskiert bis zu 5 000 Euro Bußgeld. Das gilt auch, wenn der Ausweis wieder auftaucht und es nicht ange­zeigt wird.

Tipp: Ausweise und Pässe sind beim Melde- oder Bürger­amt zu beantragen. Antrag­steller brauchen ein Identitäts­dokument, etwa die Geburts­urkunde, und ein Pass­bild.

Tempo machen bei Handyklau

Auch wenn das Handy weg ist, heißt es: Schnell handeln. Bis die Sim-Karte gesperrt ist, haftet der Kunde für die Telefon­kosten – egal, wer sie verursacht hat. Er muss die Sim-Karte bei dem Anbieter sperren lassen, bei dem er den Vertrag abge­schlossen hat“, sagt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen. Alle Gesell­schaften verlangen die Kunden­nummer oder persönliche Pass- oder Kenn­wörter. Das Sperren der Sim-Karte und Zusenden einer neuen kostet je nach Anbieter schnell 30 Euro oder mehr. Über die 15-stel­lige IMEI-Nummer (Interna­tional Mobile Equipment Identification) lässt sich jedes Gerät identifizieren und, so es wieder auftaucht, dem Besitzer zurück­geben.

Tipp: Kunden sollten die Nummer notieren und sicher verwahren, um sie bei einer Diebstahl­anzeige angeben zu können. Sie erfahren die Nummer über die Tasten­kombination *#06#. Außerdem steht sie auf dem Typenschild unter dem Akku.

Übrigens: Mit einer Sicher­heits-App auf dem Smartphone kann der Nutzer das Gerät über eine Internet­verbindung selbst orten, sperren und die gespeicherten Daten per Mausklick aus der Ferne löschen. Mehr dazu im Test: Sicherheits-Apps für Smartphones - Kein Zugriff für Gauner.

*) Passage korrigiert am 31.03.2014

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