Interview: Behörde auf Trab halten

Tempo- und Rotlichtsünder können sich wehren, wenn Bußgeld, Fahrverbot und Punkte drohen. Oft ist aber die Hilfe eines Anwalts nötig. Immerhin zahlen Rechtsschutzversicherer in Bußgeldsachen meist anstandslos, weiß der Berliner Verkehrsrechtsspezialist Goetz Grunert.

Finanztest: Wann hat der Einspruch ­gegen einen Bußgeldbescheid Chancen?

Grunert: Im Prinzip immer. Doch eine günstige Entscheidung gibt es oft nur, wenn ein Anwalt alle nur denkbaren Einwände vorbringt. Von allein machen die Behörden selten einen Rückzieher und stellen Verfahren auch nach Bagatellen selten wegen Geringfügigkeit ein. So ahnden sie durchaus auch Geschwindigkeitsübertretungen von einem km/h.

Finanztest: Kann man nicht einfach behaupten, es sei falsch gemessen worden?

Grunert: Technische Messfehler gibt es tatsächlich häufig. Aber Chancen hat hier nur, wer konkret benennt, was bei der Messung schief gelaufen sein soll. Wer bereits viele Punkte in Flensburg hat oder gar von einem Fahrverbot bedroht ist, sollte hier aktiv werden.

Finanztest: In vielen Bundesländern darf nicht direkt an Ortseingängen oder nur an Unfallschwerpunkten geblitzt werden. Was, wenn es trotzdem passiert?

Grunert: Auch wenn Polizei und Verwaltung solche Richtlinien nicht einhalten, können Gerichte verurteilen – und tun es in der Regel auch.

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