Verkauf von Immobilienkrediten Meldung

Unter Eigenheimbesitzern geht die Angst um: Sie fürchten, dass Banken, bei denen sie einen Immobilienkredit aufgenommen haben, das Darlehen an ausländische Finanzinvestoren verkaufen. Der VZBV hat jetzt fünf Banken wegen Vertragsklauslen abgemahnt, die ihnen Blankochecks für Kreditverkäufe einräumen. test.de sagt, wie sich Kunden vor Verkäufen schützen können.

Zwangsvollstreckung droht

In letzter Zeit öfter zu beobachten: Viele Banken und einige selbstständige Sparkassen verunsichern Häuslebauer, indem sie die Immobiliendarlehen an ausländische Anleger verkaufen. Vor allem sind es „notleidende“ Kredite, bei denen der Kunde mit den Raten in Verzug geraten ist oder die die Bank gekündigt hat. Viele der neuen Gläubiger wollen mit den Kreditforderungen am liebsten schnell Kasse machen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) warnt sogar vor der Gefahr willkürlichen Zwangsvollstreckungen.

Richter stimmen Verkaufspraxis zu

Der Bundesgerichtshof segnete die Verkaufspraxis der Banken auch weitgehend ab. Die Richter erklärten das Abtreten von Darlehensforderungen ohne Zustimmung des Kreditnehmers für wirksam (Az. XI ZR 195/05). Das gilt sogar dann, wenn Institute damit das Bankgeheimnis verletzen und gegen Datenschutzgesetze verstoßen. In diesem Fall hat der Kunde lediglich die Möglichkeit, Schadenersatz von seiner Bank zu fordern.

Banken geben sich großzügig

Der rücksichtlose Verkauf von Schulden hat zu einem Aufschrei der Eigenheimbesitzer geführt. Da viele Geldhäuser auch weiterhin Immobilienkredite vergeben wollen, betreiben sie nun Schadensbegrenzung. Gut die Hälfte der 89 Banken, Bausparkassen, Versicherer und Vermittlungsgesellschaften, deren Kreditangebote Finanztest in der März-Ausgabe untersucht, verkaufen Darlehen auf Extra-Wunsch des Kunden nicht weiter. Den vertraglichen Ausschluss von Weiterverkäufen gibt es je nach Anbieter zu verschiedensten Konditionen.

TIPP: Ein Abtretungsverbot in Kreditverträgen bieten Ihnen viele Banken ohne Extrakosten an. Einige verlangen aber auch einen Zinsaufschlag.

Garantie ohne Zinsaufschlag

Die Postbank und ihre Bausparkasse BHW bieten etwa Neukunden kostenlos an, eine Verbotsklausel für Weiterverkäufe in den Vertrag zu schreiben. Das gleiche gilt für viele Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Die Mitarbeiter der Sparkasse Köln/Bonn entscheiden im Einzelfall, welche Kunden ein vertragliches Verkaufsverbot ohne Zusatzkosten erhalten.

TIPP: Machen Sie die Wahl Ihres Immobilienkredits nicht allein vom kostenlosen Verkaufsschutz abhängig. Schauen Sie zuerst auf die günstigsten Zinssätze für Ihr eigenes Baudarlehen. Im März-Heft von Finanztest finden Sie die große Immobilienkredit-Untersuchung. Es erscheint am 19. Februar online und einen Tag später am Kiosk.

Commerzbank macht Geschäft

Die Gladbacher Bank, deutschlandweiter Direktanbieter ohne Filialnetz, garantiert Neukunden einen Verkaufsschutz mit einem Aufschlag von 0,05 Prozent auf den Zinssatz. Die Commerzbank läßt sich ein solches Entgegenkommen von Alt- und Neukunden gut bezahlen. Sie bietet den generellen Verkaufsschutz ab April für 0,1 bis 0,2 Prozent der Darlehenssumme an. Im Einzelfall richtet sich der Aufschlag nach der Zahlungswürdigkeit des Kunden. Bisher hatte die zweitgrößte deutsche Bank bereits Immobilienkredite mit Zahlungsverzug im Wert von 300 Millionen veräußert.

Verbraucherzentrale mahnt Banken ab

Viele Banken lassen sich bereits vorab im Kreditvertrag die Zustimmung dafür erteilen, den Kredit samt Sicherheiten an einen Dritten zu übertragen und Kundendaten weiterzugeben. Solche Klauseln sind nach Ansicht des VZBV unzulässig. Er hat die ING DiBa, die Baden-Württembergische Bank, die Westdeutsche Immobilienbank, die DKB und die Volksbank Allgäu-West abgemahnt und aufgefordert, die Klauseln nicht mehr zu verwenden. Der VZBV stützt sich unter anderem auf § 309 Nr. 10 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Danach sind Klauseln unwirksam, die der Bank erlauben den Vertrag an einen ungenannten Dritten zu übertragen und dem Kunden auf diese Art eine neue Vertragspartei aufzunötigen. Die Verbraucherschützer reklamieren auch Verstöße gegen den Datenschutz, das Bankgeheimnis und das Transparenzgebot. Halten die Banken weiter an ihren Klauseln fest, will der VZBV Klage erheben.

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