Verhütungs­methoden So funk­tionieren sie und so sicher sind sie

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Verhütungs­methoden - So funk­tionieren sie und so sicher sind sie
Die Pille ist das meist genutzte Verhütungs­mittel hier­zulande, dicht gefolgt vom Kondom. © Getty Images / Science Photo Library

Die Auswahl an Verhütungs­methoden ist groß: Pille, Minipille, Spirale, Spritze, Implantat, Verhütungs­pflaster, Vaginalring oder hormonfrei mit Kondom. Oder lieber ganz natürlich?

Inhalt

So finden Sie die passende Verhütungs­methode

Ob sich eine Verhütungsmethode eignet, hängt auch von Alter, Vorerkrankungen, Beziehungs­status und Lebens­stil ab: Mache ich gerade meine ersten sexuellen Erfahrungen, befinde ich mich in der Sturm-und-Drang-Phase und habe wechselnde Partner – oder habe ich schon Kinder und meine Familien­planung ist abge­schlossen? Wer die für sich passende Methode finden möchte, sollte sich folgende Fragen stellen:

  • Wie groß ist mein Anspruch an die Verhütungs­sicherheit?
  • Wie groß ist die Bereitschaft, ein gesundheitliches Risiko einzugehen und Neben­wirkungen in Kauf zu nehmen?
  • Wie intensiv möchte ich mich mit Verhütungs­methoden auseinander­setzen und wie gut kenne ich meinen Körper?
  • Ist mein Partner bereit, die Verhütung verläss­lich zu über­nehmen?
  • Wie geregelt oder wechselhaft ist mein Alltags­leben?
  • Ist eine kontinuierliche Verhütung für mich sinn­voll oder habe ich nur selten Geschlechts­verkehr?
  • Sollte ich mich vor sexuell über­trag­baren Krankheiten schützen?

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Pearl-Index: Gibt an, wie sicher eine Verhütungs­methode ist

Wie zuver­lässig eine Methode davor schützt, schwanger zu werden, zeigt der Pearl-Index. Er ist nach dem Biologen Raymond Pearl benannt und stellt eine Art „Versagerquote“ dar: Je kleiner die Zahl, desto sicherer. Lautet der Pearl-Index einer Methode zum Beispiel 2, heißt das: Zwei von hundert Frauen, die ein Jahr damit verhüten, werden schwanger. Liegt er bei 0,1, ist es nur eine von 1 000. In der Literatur weichen die Pearl-Index-Angaben für die einzelnen Methoden allerdings je nach Erhebung voneinander ab. Manche Angaben nennen die theoretische Sicherheit, sie setzen also voraus, dass die Methode ohne jeden Fehler durch­geführt wurde. Andere berück­sichtigen Anwendungs­fehler im Alltag. Die bei den einzelnen Methoden im Folgenden genannten Zahlen­werte umfassen die ganze Spanne der Angaben. Mit ihnen lässt sich die Verhütungs­sicherheit daher nur in etwa eingrenzen.

Rezept­pflichtige Verhütungs­mittel: Pille und Co

Pille

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© Thinkstock

In der Pille sind die Hormone Östrogen und Gestagen kombiniert. Sie hemmen den Eisprung und sorgen dafür, dass Spermien den Schleim am Gebärmutterhals nicht durch­dringen und ein befruchtetes Ei sich nicht einnistet. Es gibt sie als Einphasen-Präparate mit stets gleicher Wirk­stoff­menge oder als Mehr­phasen-Präparate mit unterschiedlicher Dosierung. Die Pille erhöht unter anderem das Thrombose-Risiko, vor allem neuere Präparate. Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest bewerten die Pille unterschiedlich: abhängig von ihrer Zusammenset­zung gibt es geeignete, mit Einschränkung geeignete und wenig geeignete Pillen.

Pearl-Index: 0,1 bis 0,9. Die Pille ist nur sicher, wenn sie verläss­lich einge­nommen wird. Gefährdet ist der Schutz etwa, wenn Frauen eine vergessene Pille nicht inner­halb von zwölf Stunden einnehmen.

Für wen: Gesunde Frauen, die nicht stark rauchen, kein hohes Überge­wicht und keine Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen haben. Außerdem sollten die Frauen keine Probleme mit geregelten Einnahme­zeiten haben.

Minipille

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Sie enthält nur nied­rig dosiertes Gestagen. Die Präparate wirken über­wiegend, indem sie Samen­zellen am Eindringen in die Gebärmutter hindern. Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest bewerten Minipillen mit Levonorgestrel als zur Verhütung geeignet, Präparate mit Desogestrel nur als mit Einschränkung geeignet.

Pearl-Index: 0,3 bis 8. Die Minipille erfordert ganz besondere Disziplin: Beim Wirk­stoff Levon­orgestrel ist der Schutz gefährdet, wenn die Frau ihn mehr als drei Stunden zu spät nimmt, bei Deso­gestrel gilt das ab zwölf Stunden.

Für wen: Frauen, die keine Östrogene vertragen, und sich an die genauen Einnahme­zeiten halten können. Teil­weise auch für Frauen mit Migräne. Außerdem wird die Minipille für Stillende empfohlen, sie beein­flusst die Milch­bildung nicht.

Spirale

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Der Frauen­arzt setzt sie in die Gebärmutter ein, wo sie bis zu fünf Jahre bleibt, aber regel­mäßig ärzt­lich kontrolliert werden muss. Hormonspiralen setzen gleich­mäßig kleinste Mengen Gestagen frei. Kupferspiralen hingegen geben Kupfer-Ionen ab. Beide verändern die Gebärmutter­schleimhaut. So wird verhindert, dass eine Eizelle befruchtet wird oder sich einnistet. Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest bewerten sowohl Hormon- als auch Kupferspiralen als zur Verhütung geeignet.

Pearl-Index: 0,2 für Hormonspiralen. 0,1 bis 1,5 für Kupferspiralen.

Für wen: Alle, die Östrogene nicht vertragen oder lang­fristig verhüten möchten. Spiralen werden vor ­allem Frauen empfohlen, die schon ein Kind geboren haben. Denn es besteht ein erhöhtes Risiko für eine Becken­entzündung, die die Frucht­barkeit beein­flussen kann.

Drei­monats­spritze und Implantat

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Die Spritze ist ein reines Gestagen-Mittel, das alle drei Monate beispiels­weise in den Gesäß­muskel gespritzt wird. Dort bildet es ein Depot, aus dem der Körper das Hormon mindestens drei Monate lang kontinuierlich heraus­löst. Ähnlich wirkt das Implantat, ein in den Ober­arm einge­pflanztes Stäbchen. Es gibt kontinuierlich Gestagen ab und kann mehrere Jahre unter der Haut bleiben. Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest empfehlen die Dreimonatsspritze wegen unerwünschter Wirkungen nicht als Stan­dard­arznei­mittel zur Empfäng­nisverhütung. Sie bewerten es nur als geeignet für die wenigen Frauen, die keine andere Verhütungs­methode vertragen oder sie nicht regelgerecht anwenden können. Das Implantat bewerten sie als wenig geeignet. Es gibt Hinweise, dass es bei Bedarf nicht immer leicht entfernt werden kann.

Pearl-Index: 0,3 bis 3 (Spritze), 0 bis 0,1 (Implantat).

Für wen: Frauen, die keine Östrogene vertragen, häufig Magen-Darm-Erkrankungen haben oder für die regel­mäßige Einnahme­zeiten schwierig sind.

Vaginalring und Verhütungs­pflaster

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Der Ring besteht aus Kunststoff. Die Frau führt ihn in die Scheide ein, wo er 21 Tage bleibt. Dort setzt er gleich­mäßig Östrogen und Gestagen frei und wirkt wie die Pille. Ähnlich wirkt das Verhütungs­pflaster, das über die Haut Hormone abgibt. Es wird drei Wochen getragen, jede Woche erneuert. Es gibt Hinweise darauf, dass das Thrombose-Risiko bei beiden Mitteln höher ist als bei Anti-Baby-Pillen mit geringem oder sehr geringem Östrogen­gehalt. Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest bewerten Vaginalringe und Verhütungspflaster zur Empfäng­nisverhütung als wenig geeignet.

Pearl-Index: 0,4 bis 0,7 (Vaginalring), 0,7 bis 0,9 (Verhütungs­pflaster).

Für wen: Frauen, die nicht täglich an die Einnahme der Pille denken wollen oder bei denen ein unregelmäßiger Lebens­rhythmus die pünkt­liche Einnahme schwierig macht. Verhütungs­ring und -pflaster kommen auch infrage, wenn die Pille vielleicht wegen häufiger Magen-Darm-Leiden nicht zuver­lässig wirkt.

Barriere­methoden: Kondom und Diaphragma

Kondom

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Über den steifen Penis gezogen, fängt es das Sperma auf und verhindert, dass der Penis direkt mit der Scheide in Kontakt kommt. So schützt es auch vor HIV und anderen sexuell über­trag­baren Krankheiten wie Syphilis oder Hepatitis B. Öl- und fett­haltige Gleit­mittel, spitze Fingernägel und Schmuck können das Gummi angreifen. Weniger bekannt ist Femidom. Das Kondom für die Frau wird in und außer­halb der Scheide platziert. Es ist schwieriger anzu­wenden und nicht so sicher wie die Variante für den Mann.

Pearl-Index: 2 bis 15 (Kondom), 5 bis 25 (Femidom). Nur sicher, wenn es richtig angewendet wird. Es empfiehlt sich, vorher zu üben.

Für wen: Alle mit neuen oder wechselnden Part­nern, die sich auch vor sexuell über­trag­baren Krankheiten schützen wollen. Das Kondom kommt auch infrage, wenn Frauen keine Hormone einnehmen oder zusätzlich verhüten möchten, etwa bei vergessener Pille.

Diaphragma

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Membran aus Latex oder Silikon mit verdicktem Rand. Frauen führen es vor dem Sex tief in die Scheide ein. Dort fungiert es als Gebär­mutter-Barriere für die Spermien. Die ­Zuver­lässig­keit hängt von der Erfahrung der Frau ab, teils auch von einer ­exakten Anpassung durch eine Fach­kraft. Contragel grün, ein rezeptfreies Gel, das die Beweglich­keit der Spermien einschränkt und den Sitz des Diaphragmas zusätzlich abdichtet, bewerten unsere Arznei­mittel­experten als geeignet.

Pearl-Index: 6 bis 16 – mit rezept­freiem Diaphragma-Gel.

Für wen: Frauen, die hormonfrei und nur bei Bedarf verhüten möchten.

Natürliche Verhütung

Sympto­thermale Methode

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Das ist die aufwendigste, aber sicherste natürliche Verhütung. Die Frau muss dafür Körperzeichen wie Temperatur und Zervixschleim genau beob­achten: Morgens misst sie vor dem Aufstehen ihre Körpertemperatur. Diese steigt kurz vor oder nach dem Eisprung leicht an. Zusätzlich beob­achtet sie ihren Zervix­schleim, der im Gebärmutterhals gebildet wird und an der Scheiden­öffnung spür­bar ist. Menge und Beschaffenheit des Schleims verändern sich im Zyklus­verlauf. Temperatur- und Schleim­ver­änderungen zeigen das Ende der frucht­baren Phase an.

Pearl Index: 0,3 bis 3. Die Methode erfordert Zuver­lässig­keit, Wissen und Erfahrung.

Für wen: Frauen, die nicht hormonell verhüten möchten, und bereit sind, ihren Körper aufmerk­sam zu beob­achten.

Zyklus-Apps: Nur drei Apps sind gut

Hilf­reich bei der Verhütung können zusätzlich auch Zyklus-Apps fürs Smartphone sein. Im Test der Stiftung Warentest (12/2017) schnitten jedoch nur 3 von 23 Zyklus-Apps gut ab.

Kalender­methode

Diese Methode ohne Körperbeob­achtung, auch Knaus-Ogino-Methode genannt, gilt als sehr unsicher. Es wird versucht, auf Basis der vergangenen Zyklen rein rechnerisch die frucht­bare Zeit zu ermitteln. Doch selbst ein regel­mäßiger Zyklus unterliegt immer wieder Schwankungen.

Pearl Index: 4–25.

Für wen: Zu unsicher.

Coitus interruptus

Kurz vor dem Samen­erguss zieht der Mann den Penis aus der Scheide. Das schaffen Männer mitunter nicht recht­zeitig. Und da auch immer unbe­merkt Sperma in die Scheide gelangen kann, ist die Schwanger­schafts­rate hoch.

Pearl Index: 4–27.

Für wen: Zu unsicher.

Vor- und Nachteile mit dem Arzt besprechen

Die Frage nach der passenden Verhütung ist sehr individuell. Frauen sollten die Vor- und Nachteile von Mitteln und Methoden mit ihrer Gynäkologin besprechen. Alle Wirkungs­weisen, Neben­wirkungen und ausführ­lichen Bewertungen der medikamentösen Verhütungs­mittel können Sie in unserer Medikamentendatenbank nach­lesen. Informationen zu Verhütungs­methoden finden Sie auch auf familienplanung.de, einem Onlineportal der Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Dieses Special ist am 21. November 2017 auf test.de erschienen. Es wurde am 24. März 2021 aktualisiert.

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Biel2019 am 15.05.2021 um 21:45 Uhr
Portiokappe als weitere Barrieremethode!

Es fehlt noch die Portiokappe!
Sie funktioniert ähnlich wie ein Diaphragma, hat aber den Vorteil, daß man sie länger an ihrem Platz lassen kann – bis zwei Tage. Damit ist sie absolut Wochenend-tauglich, für Reisen oder Wochenendbeziehungen z. B., oder wenn keine gute Waschgelegenheit vorhanden ist.
Dafür erfordert die Handhabung etwas Übung. Frau kann sich das z. B. im Frauengesundheitszentrum oder bei pro familia zeigen lassen. Dort wird auch die passende Größe bestimmt. Das Gleiche gilt für das Diaphragma.
Die Portiokappe saugt sich fest und braucht weniger Milch- oder Zitronensäure-Gel als ein Diaphragma.
Vorteile weiters: Keine Hormone, Anwendung nur nach Bedarf oder vorsorglich, und ich hab sie sogar schon als Menstruationstasse verwendet.
Kostenlose Broschüren gibt's im Internet bei www.profamila.de: "Barrieremethoden für die Frau" und beim www.ffgz.de : "Sicher und einfach verhüten ohne Nebenwirkungen mit Diaphragma und Portiokappe".

OrSz80 am 07.04.2021 um 10:51 Uhr
Verhütungsmethoden für den Mann

Sie erwähnen kurz das Kondom als Verhütungsmethode, bei der der Mann die Verwantwortung trägt (ja, es tragen nat. beide die Verantwortung).
Schade, dass Sie nicht kurz auf den Forschungsstand zu weiteren Alternativen für den Mann eingehen. Z. B. die "Pille für den Mann".
Hier wären durchaus kritische Worte möglich. Nach meinem Wissensstand ist es nämlich nicht so, dass hormonelle Kontrazeptiva für Männer technisch nicht möglich sind. Vielmehr klagten die Männer in den Studien über Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, depresive Verstimmungen etc. oder wollten nicht täglich zu selben Zeit Tabletten einnehmen oder wollten nicht regelmäßig eine Spritze erhalten ...

Red-Roses am 29.11.2019 um 11:03 Uhr
NER nach Rötzer ebenfalls sehr sicher

Bei den natürlichen Methoden wird nur die sympto-thermale Methode der Arbeitsgruppe NFP erwähnt. Leider fehlt, dass die sympto-thermale Methode, die von Prof. Dr. Rötzer entwickelt wurde, eine ähnliche Zuverlässigkeit hat (Pearl-Index 0,2 bis 0,9). Siehe Studien etc. die auf https://de.wikipedia.org/wiki/Symptothermale_Methode zu finden sind.

AnnGra am 23.11.2017 um 12:12 Uhr
... natürliche Verhütung ...

... OvulaRing als Verhütung von VivosensMedical fehlt ... eine App ist hier nicht zwingend notwendig nur ein klein wenig Disziplin und der Zugang ins Internet!

Thorsten.Maverick am 22.11.2017 um 13:20 Uhr
Femidom fehlt

Es gibt auch Kondome für die Frau: Femidom. Ist ganz praktisch, wenn der Partner Erektionsprobleme hat. Der Penis muß nicht knüppelhart sein, damit man das anwenden kann.
Die Hormonpräparate beeinflussen auch die Partnerwahl der Frau. Wenn sie diese absetzt, kann es zu Überraschungen kommen, weil der Partner auf einmal nicht mehr attraktiv ist.