Vergleichs­portale für Strom und Gas Auch bei steigenden Preisen den Durch­blick behalten

Vergleichs­portale für Strom und Gas - Auch bei steigenden Preisen den Durch­blick behalten
Güns­tige Tarife suchen. Im Test schnitt kein Vergleichs­portal für Strom und Gas sehr gut ab. Unser Test zeigt, welche Kundinnen und Kunden nutzen sollten. © Frederik Jurk / Sepia

Nur Vergleichs­portale listen aktuelle Preise für Strom- und Gast­arife. Die Stiftung Warentest hat acht untersucht und zeigt, wie Sie mit ihnen güns­tige Tarife finden.

Vergleichs­portale für Strom und Gas Testergebnisse für 8 Ver­gleichs­portale

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Inhalt
Liste der 8 getesteten Produkte
Ver­gleichs­portale
  • Check24.de
  • Energieverbraucherportal.de
  • Finanztip.de
  • Mut-zum-wechseln.de
  • Preisvergleich.de
  • Stromauskunft.de
  • Stromvergleich.de
  • Verivox.de

Sorgen wegen der Preissteigerungen

Viele Kundinnen und Kunden sorgen sich, weil die Strom- und Gaspreise rasant steigen. Allein bis ­August sind die Einfuhr­preise für Erdgas verglichen mit August 2020 um 134 Prozent gestiegen, ermittelte das Bundes­amt für ­Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle. Und auch die Strom­preise steigen. Viele Haushalte haben schon eine Preis­erhöhung für Strom oder Gas erhalten.

Der Wechsel in einen güns­tigeren Tarif ist oft eine gute Lösung. Unser Test von acht Vergleichs­portalen zeigt, dass sie für einen Preis­vergleich erste Wahl sind. Denn nur bei den Portalen finden Haushalte verläss­lich aktuelle Preise und Tarifbedingungen. Wer also Wert auf den güns­tigsten Preis legt, oder nach einer Preis­erhöhung einfach nach­schauen möchte, ob es güns­tigere Tarife für sein Post­leitzahlen­gebiet gibt, ist hier richtig.

Unser Rat

Geeignet für...
Sie sollten Vergleichs­portale nur verwenden, wenn Sie vorhaben, jähr­lich den Strom- oder Gasversorger zu wechseln, um die maximal Ersparnis raus­zuholen. Wollen Sie sich nicht regel­mäßig selbst kümmern, beauftragen Sie einen Wechsel­service - auch Wechsel­dienst genannt. Er optimiert jähr­lich Ihren Vertrag. Wie Sie mit solchen Wechsel­diensten viel Geld sparen, zeigt unser Wechselservice Test für Strom und Gas.
Testsieger.
Kein Vergleichs­rechner erfüllt alle Unter­suchungs­kriterien. Check24 und Verivox haben mit der Gesamt­note Befriedigend am besten abge­schnitten. Beim Prüf­punkt „Vor­einstel­lungen“ haben fünf Portale mindestens ein Gut erhalten. Diese ­Rechner haben die Filter verbraucherfreundlich voreinge­stellt.
Tarif­suche.
Wie Sie die Vergleichs­portale am besten nutzen, lesen Sie in unserer Anleitung In vier Schritten zum Vertrag. Kein Rechner erfüllt alle unsere Unter­suchungs­kriterien. Nutzen Sie deswegen zwei oder drei Rechner und vergleichen Sie die Ergeb­nisse.
Monatlicher Abschlag.
Verwechseln Sie den monatlichen Abschlag nicht mit dem Durch­schnitts­preis pro Monat. Weil die Boni hier bereits einge­rechnet sind, ist er nied­riger als der monatliche Abschlag. Nur Strom­vergleich stellt den voraus­sicht­lichen monatlichen Abschlag oben in der Ergeb­nisliste dar. Verivox nennt ihn gar nicht und bei Check24 finden Sie ihn nur, wenn Sie ein kleines graues Info­zeichen bei der Preis­anzeige ankli­cken.
Aktuelles
. Weitere Informationen zu den gestiegenen Energiepreisen, Stromanbieter wechseln oder Gasanbieter wechseln finden Sie in unseren Spezials.

Wie verbraucherfreundlich die Portale sind

Doch wie verbraucherfreundlich sind Vergleichs­rechner? Bieten sie alle wichtigen Suchfilter? Stellen sie ihre Ergeb­nisse trans­parent genug dar? Um das heraus­zufinden, haben wir uns zunächst 46 Vergleichs­portale für Strom- und Gast­arife genauer angesehen. Die meisten sind Part­nerseiten der Markt­führer Check24 oder Verivox und haben ­deren Rechner auf ihren Internet­seiten implementiert. Acht Portale kamen in unseren Test (So haben wir getestet).

Unser Fazit: Es mangelt vor allem an wichtigen Tarif­informationen und Trans­parenz. Auch viele Daten­schutz­erklärungen hatten Defizite. Das beste Qualitäts­urteil war ein ­Befriedigend für Verivox und Check24.

Durch­schnitt­licher Monats­preis kann verwirren

Wer einen güns­tigen Tarif sucht, möchte wissen, wie hoch sein monatlicher Abschlag voraus­sicht­lich sein wird. Doch das zeigt Verivox über­haupt nicht und Check24 erst, nachdem man ein weiteres Fenster öffnet. Beide sortieren die Ergeb­nisliste nach dem monatlichen Durch­schnitts­preis. Das ist der Preis minus aller Neukundenboni. Diese werden jedoch oft erst am Ende der Erst­vertrags­lauf­zeit in der Jahres­rechnung berück­sichtigt. Den monatlichen Zahl­betrag senken sie nicht.

Beispiel: Differenz von 30 Euro monatlich

Wie groß die Differenz zwischen monat­lichem Durch­schnitts­preis und monatlichem Abschlag sein kann, zeigt dieses Beispiel: Ein Berliner Haushalt mit einem jähr­lichen Strom­verbrauch von 3 500 Kilowatt­stunden sieht am 19. Oktober 2021 bei Verivox einen Tarif mit einem „Durch­schnitts­preis pro Monat“ von 101 Euro. Der voraus­sicht­liche monatliche Abschlag beträgt aber 131 Euro.

Nur wer sich bei Verivox die Mühe macht, den Gesamt­preis ohne Bonus durch zwölf zu teilen, erfährt, wie viel er voraus­sicht­lich monatlich zahlen wird. Check24 nennt immerhin den monatlichen Abschlag, sofern der Kunde ein kleines graues Info­zeichen anklickt. Für diese Darstellung gab es keine volle Punkt­zahl. Trans­parenter wäre, den voraus­sicht­lichen monatlichen Abschlag prominent in der Ergeb­nisliste auszuweisen. Dieses Problem war vor allem im Unter­suchungs­zeitraum relevant. Derzeit sind Tarife mit Bonus seltener und es gibt nur noch selten eine Abweichung zwischen monatlichem Durch­schnitts­preis und dem voraus­sicht­lichen Abschlag pro Monat.

Drei weitere Kritik­punkte

Weitere Kritik­punkte in unserem Test sind:

  • „Null-Platzierung“: Über dem güns­tigsten Tarif steht bei Verivox, Preis­vergleich und Check24 die sogenannte „Null-Platzierung“. Das sind vom Rechner empfohlene oder ­beworbene Tarife, die meist teurer sind als der Erst­platzierte.
  • Filter: Bei fast allen Portalen sind die Filter nicht auf einen Blick sicht­bar, sondern nur, wenn man Klicks setzt. Bei einigen Portalen fehlen außerdem wichtige Filter.
  • Umgang mit Kunden­daten: Wir erwarten von einem guten Vergleichs­portal, dass es keine Mängel in der Daten­schutz­erklärung gibt. Es fehlten aber beispiels­weise Angaben zur Speicherdauer personenbezogener Daten, oder die Angaben zur Verarbeitung der Kunden­daten waren nicht ausreichend.

Vergleichs­portale sind nicht neutral

Bis auf das Energieverbraucherportal, das nur informiert, erhalten Vergleichs­rechner pro vermitteltem Vertrag eine Provision vom Energieversorger. Deshalb erscheinen nach Eingabe von Post­leitzahl und Verbrauch bei fast allen Portalen zunächst nur Angebote, bei deren Vermitt­lung eine Provision fließt.

Vergleichs­portale für Strom und Gas Testergebnisse für 8 Ver­gleichs­portale

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Mindestens fünf Portale mit „guten“ Voreinstel­lungen

Außerdem haben die Portale weitere Filter voreinge­stellt. Sie sorgen dafür, dass nur ­Tarife mit bestimmten Bedingungen wie eine maximale Lauf­zeit oder eine Preis­garantie ange­zeigt werden. Diese Einstel­lungen haben wir auf ihre Verbraucherfreundlich­keit geprüft. Vier Portale schnitten bei „Voreinstel­lungen“ immerhin gut ab, Finanztip sogar sehr gut. Mindestens die folgenden fünf Tarifkriterien waren hier voreinge­stellt: eine zwölfmonatige Vertrags­lauf­zeit, der Ausschluss von Paket­tarifen, eine sechs­wöchige Kündigungs­frist, eine Preis­garantie, die mindestens so lang ist wie die Erst­vertrags­lauf­zeit und eine Deckelung des Neukundenbonus auf höchs­tens 15 Prozent.

Individuelle Ersparnis ermitteln

Bei Check24 und Finanztip können Kunden ihre individuelle Ersparnis ermitteln, indem sie ihren ­aktuellen Preis dort eingeben. Finanztip fragt dies gleich bei der Einstiegs­suche ab. Check24 versteckt diese wichtige Funk­tion ein wenig. Kundinnen und Kunden müssen bei Check24, nachdem sie die Suche gestartet haben, den blauen Stift oben über den Sucher­gebnissen ankli­cken. Dann geht ein Fenster auf, in das sie ihren individuellen Preis eingeben können. Diese Funk­tion bei Finanztip oder Check24 eignet sich gut, um bei einer Preis­erhöhung zu prüfen, ob es güns­tigere Tarife gibt.

Preis­niveau nicht bewertet

Die Stiftung Warentest bewertet nicht das Preis­niveau eines Portals. Denn auch Tarifbedingungen und Service spielen eine Rolle. Einige Portale listen etwa bestimmte güns­tige Strom- und Gaslieferanten (Discounter) nicht, die durch kundenunfreundliches Verhalten aufgefallen sind. Daher kann ihr Preis­niveau etwas höher sein. Finanztip wirbt etwa mit dem Ausschluss von Problemanbietern. Strom­auskunft verspricht mit der Voreinstellung „Deutsch­lands beste Strom­anbieter“ sogar, „ausschließ­lich faire, seriöse und sichere Strom­anbieter“ zu empfehlen.

Mit einem Klick zum besseren Markt­über­blick

Sechs Portale bieten gleich in der Stan­dard­ergeb­nisliste oder mit einem Klick einen besseren Markt­über­blick mit Tarifen, die sie zwar darstellen, die aber nicht über sie abschließ­bar sind. Oft sind diese güns­tiger als der erste Tarif, den das Portal vermittelt.

Beispiel.
Wer bei Verivox den Strom­tarif­vergleich für die Kölner Post­leitzahl 50667 startet und einen Verbrauch von 3 500 Kilowatt­stunden eingibt, sieht auf Platz eins den Tarif „Jes Strom 12“ von der Jes AG. Er kostet 1 105 Euro. Der Tarif hat keine Boni (Stand 25. Oktober 2021). Ändert man die voreinge­stellten Filter und klickt das Häkchen „direkte Wechsel­möglich­keit“ weg, sieht man sieben Tarife, die güns­tiger sind. In der Ergeb­nisliste haben sie nur den hellen Button „Info“. Die Differenz zwischen Platz eins und „Jes Strom 12“ liegt bei rund 60 Euro. Die Angaben für ­diese Tarife sind bei den Portalen allerdings nicht immer tages­aktuell.

Tarif online beim Versorger abschließen

Diese Tarife sind nur auf der Internetseite des Versorgers abschließ­bar. Wer sich für einen solchen Tarif entscheidet, sollte vor Vertrags­abschluss den Grund­preis und den Kilowatt­stunden­preis, der im Portal ange­zeigt wird, mit den Preisen auf der Internetseite vergleichen.

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