Der Vergleichs­rechner Verivox muss Kunden besser informieren, so urteilte das Land­gericht Heidel­berg.

Verivox muss beim Vergleich von Privathaft­pflicht­versicherungen deutlicher darauf hinweisen, dass die Sucher­gebnisse nur auf einer einge­schränkten Markt­auswahl beruhen. Zu diesem Ergebnis kommt das Land­gericht Heidel­berg (Az. 6 O 7/19, nicht rechts­kräftig), nachdem der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) Klage einge­recht hatte.

Verivox zeigt nur Angebote zahlender Anbieter

Hintergrund: Verivox listet nur Angebote von Haft­pflicht­versicherungen, bei denen das Unternehmen eine Provision verdient, wenn Nutzer über Verivox einen Vertrag abschließen. Die Verbraucherschützer kritisieren, dass Nutzer kaum erkennen können, dass zahlreiche Angebote fehlen und sie nur eine einge­schränkte Markt­auswahl vorfinden.

Hinweise laut Auffassung des Gerichts zu unauffäl­lig

Nutzer sehen zwar bei der Eingabe der Such­kriterien zwei unscheinbare Links, mit dem Namen „Teilnehmende Gesell­schaften“ und „Verbraucher­informationen“. Doch diese Hinweise waren unauffäl­lig links außen am unteren Bild­rand platziert und für Verbraucher kaum erkenn­bar. Mit dieser Gestaltung verstößt Verivox, nach Auffassung des Gerichts, gegen das Versicherungs­vertrags­gesetz (VVG). Der Vergleichs­rechner müsse in seiner Position als Versicherungs­vermittler vor Abschluss des Vertrags ausdrück­lich über die einge­schränkte Angebots­auswahl informieren. Das Gericht bean­standete weiter, dass Verivox „... nicht mitteilt, auf welcher Markt- und Informations­grund­lage sie ihre Leistung erbringt.“

Weniger als die Hälfte des Marktes, auch große Anbieter fehlen

Nach Daten der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin), die der vzbv recherchiert hat, bildeten die am Vergleich teilnehmenden Versicherer nur 48 Prozent des Marktes ab. Auch namhafte Konzerne fehlen, wie etwa die Aachen Münchener, die Allianz oder die Huk-Coburg Versicherung. Jana Brock­feld, Rechts­referentin beim vzbv, ergänzt: „Deckt der Vergleich nicht einmal die Hälfte des Marktes ab, sind Kunden vor Vertrags­abschluss klar und deutlich über diese wesentliche Einschränkung zu informieren.“

Urteil noch nicht rechts­kräftig

Das Urteil vom 6. März ist nicht rechts­kräftig. Wolfgang Schütz, Geschäfts­führer der Verivox Versicherungs­vergleich GmbH sagt: „Wir sind über­zeugt, dass wir als Versicherungs­makler alle Beratungs­anforderungen voll­ständig erfüllen. Der Nutzer findet immer ein Vergleichs­ergebnis, das nach Preis und Leistung erst­klassige Tarife enthält.“ Seiner Meinung nach sei der Hinweis auf die Markt­abdeckung deutlich sicht­bar. Verivox ist gegen das Urteil in Berufung gegangen.

Klage gegen Check24 ist noch nicht entschieden

Der vzvb hat gegen den Verivox-Konkurrenten Check24 ebenfalls Klage beim Land­gericht Frank­furt am Main einge­reicht (Az. 2–03 O 347/19). Ziel ist es, dass auch Check24 deutlicher auf die einge­schränkte Markt­auswahl hinweist. Das Urteil in dieser Sache steht noch aus.

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