„Provisionen häufig bei 50 Prozent“

Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt im Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv).

Verbraucherschützerin Dorothea Mohn fordert, dass Rest­schuld­versicherungen nicht über den Kredit finanziert werden dürfen und die Kosten der Versicherung in den Effektivzins einge­rechnet werden.

Versicherungs­bedingungen passen oft nicht zum Verbraucher

Warum kritisiert der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) in einem Positions­papier Rest­schuld­versicherungen als über­teuerte Produkte mit einem lückenhaften Versicherungs­schutz?

Die Provisionen sind sehr hoch. Dies belegt auch die jüngste Unter­suchung der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) zur Rest­schuld­versicherung in diesem Jahr. Die Provisionen liegen sehr häufig bei 50 Prozent der Versicherungs­prämie oder sogar darüber. Das Geld fließt an die Banken und ist eine zusätzliche Einnahme­quelle beim Verkauf von Krediten.

Der Versicherungs­schutz ist häufig sehr stark einge­schränkt, sodass die Versicherung nur selten zahlt. Beispiels­weise wird bei der Absicherung der Arbeits­losig­keit der Leistungs­zeitraum begrenzt und teil­weise an den Anspruch auf Arbeits­losengeld gekoppelt.

Zum Teil passen die Versicherungs­bedingungen schon zum Zeit­punkt des Abschlusses nicht zum Verbraucher. Beispiels­weise ist die Zahlung an eine Voll­zeit­beschäftigung gekoppelt, der Versicherte war bei Vertrags­abschluss aber schon in Teil­zeit.

Höhe der Provision begrenzen

Wie könnte eine verbraucherfreundliche Lösung aussehen?

Teile der Bundes­regierung haben einen Provisions­deckel vorgeschlagen, den wir unterstützen. Andere Teile der Regierung blockieren diese Deckelung.

Es wäre wichtig, dass die Kosten der Rest­schuld­versicherung immer in den effektiven Jahres­zins einge­rechnet werden. Verbraucher müssen das Ausmaß der Kosten erkennen können.

Die Prämie für die Versicherung sollte den Kredit nicht erhöhen dürfen und deshalb nicht über den Kredit finanziert werden. Daneben sollte die Prämien nicht in einer Summe, sondern monatlich über die gesamte Vertrags­lauf­zeit verteilt zu zahlen sein.

Hilf­reich wäre, den Verkauf des Kredits und der Versicherung zeitlich zu entkoppeln, wie es in anderen Ländern der Europäischen Union schon gemacht wird.

Fehlende Trans­parenz

Was kritisieren Sie am „Welcome-Letter“, mit dem Banken die Kreditnehmer mit Kredit­versicherung ein zweites Mal über ihr Widerrufs­recht informieren?

Wie die Bezeichnung schon es schon andeutet, zielt das Schreiben nicht auf die Verbraucher­aufklärung ab. Einige Unternehmen nutzen es vielmehr als Werbe­mittel, statt ausschließ­lich auf das Widerrufs­recht hinzuweisen. Häufig fehlt der Hinweis, dass der Widerruf der Rest­schuld­versicherung keine Auswirkung auf den Kredit­vertrag hat.

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