Wo die Rechts­schutz­versicherung hilft

Rechts­schutz­versicherungen im Vergleich: Die Leistungs­unterschiede sind enorm. Empfehlens­werte Angebote bieten Rechts­shutz in möglichst vielen Lebens­lagen und arbeiten nicht mit nachteilhaften Klauseln im Klein­gedruckten.

Die Werbung der Rechts­schutz­versicherer suggeriert mit Begriffen wie „360°“-Rechts­schutz oder „Rundum-Schutz“ eine Sicherheit, die es nicht gibt. Keine Rechts­schutz­versicherung zahlt in allen Streitfällen. Die folgenden Beispiele erläutern, welchen Mindest­rechts­schutz Arbeitnehmer und Beamte von nahezu jeder Rechts­schutz­police für die Lebens­bereiche Privat, Beruf und Verkehr erwarten können. Unser Vergleich von 62 Rechts­schutz­versicherungen zeigt: Viele Policen bieten aber deutlich mehr. Einige wichtige Leistungs­unterschiede sind in der Testtabelle erläutert.

Rechts­schutz rund um Verträge

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung

Ärger mit Hand­werker über mangelhafte Arbeit.

Streit mit Reise­ver­anstalter über Mängel im Urlaubs­hotel oder mit Air­line um Entschädigung für Verspätung oder Flugannullierung.

Hilfe, wenn Berufs­unfähigkeits­versicherung oder die private Kranken­versicherung nicht zahlen will.

Streit mit Verkäufer einer mangelhaften Eigentums­wohnung (Selbst­nutzung).

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung nicht

Einfordern von Gewinn­zusagen (etwa von dubiosen Kaffee­fahrten­anbietern).

Ärger nach Kauf oder Verkauf von Bauland, Planung und Errichtung von Bauvorhaben oder Finanzierung von Hausbau.

Streit um Kapital­anlagen und Kredite. Wichtig: Unser Rechts­schutz-Vergleich zeigt, dass einige Tarife doch Rechts­schutz für Kapital­anleger gewähren. Einer der Testsieger zum Beispiel zahlt bei Rechts­ärger im Zusammen­hang mit dem Kauf und Verkauf von Aktien und Investments­fonds Rechts­schutz bis zur Anlagesumme von 100 000 Euro.

Rechts­schutz rund um den Beruf

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung

Ärger um Einstufung in Besoldungs­gruppe.

Hilfe, wenn Arbeit­geber Urlaub nicht gewährt, Lohn nicht zahlt oder unfaires Arbeits­zeugnis ausstellt.

Hilfe, wenn gegen Beamte oder Soldaten ein Disziplinar­verfahren läuft.

Hilfe, wenn Kündigung droht und Arbeitnehmer Aufhebungs­vertrag angeboten wird sowie bei Abmahnung oder Kündigung.

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung nicht

Ärger aus einer Arbeit als Selbst­ständiger.

Bei Kündigung wegen vorsätzlicher Straftat, etwa Diebstahl von Firmen­eigentum oder Spesen­betrug. Wichtig: Einige Rechts­schutz­versicherer gewähren in solchen Fällen erst einmal Rechts­schutz, damit sich der Betroffene einen Anwalt für den Kündigungs­schutz­prozess nehmen kann. Denn in diesem Stadium des Streits steht die Straftat ja meist noch gar nicht fest. Der Arbeitnehmer bestreitet sie in der Regel. Allerdings verbinden die Rechts­schutz­versicherer ihre Deckungs­zusage dann dem Vorbehalt, die bezahlten Anwalts- und Gerichts­kosten vom Arbeitnehmer zurück­zufordern, sobald eine Straftat fest­gestellt sein sollte. Sieht der Rechts­schutz­versicherer eine Straftat verwirk­licht und verklagt er seinen Kunden, trägt er im Rück­zahlungs­prozess die Darlegungs- und Beweislast für das Vorliegen der Straftat.

Rechts­schutz im Bereich Steuern

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung

Streit mit Finanz­amt vor Gericht um Anerkennung von Werbungs­kosten oder Sonder­ausgaben.

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung nicht

Ärger um die steuerliche Bewertung von Grund­stücken und Gebäuden.

Streit um Erschließungs­abgaben.

Bei vorgericht­lichem Einspruch zum Beispiel gegen Nicht­anerkennung von Werbungs­kosten/Sonder­ausgaben. Wichtig: Viele der im Test mit Gut oder Befriedigend bewerteten Rechts­schutz­versicherungen bezahlen anwalt­liche Hilfe bereits doch ab dem vorgericht­lichen Einspruchs­verfahren.

Rechts­schutz rund um den Straßenverkehr

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung

Streit mit Verkäufer über bei Verkauf verschwiegenen Mangel am Auto (Unfall­wagen).

Streit um Entzug der Fahr­erlaubnis.

Fahrten­buch­auflage oder psycho­logischen Test (MPU) verhindern.

Hilfe, um Anspruch auf Schaden­ersatz/Schmerzens­geld gegen­über Unfall­ver­ursacher durch­zusetzen.

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung nicht

Bei Knöll­chen wegen Falsch­parkens.

Wenn Kunde Schaden­ersatz­ansprüche von Unfall­opfer abwehren will. Die Abwehr von Schaden­ersatz­ansprüchen über­nimmt die Haft­pflicht­versicherung des Unfall­ver­ursachers.

Rechts­schutz im Bereich Soziales

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung

Hilfe bei gericht­lichem Streit um Kur auf Kosten der gesetzlichen Kranken- oder Renten­versicherung.

Hilfe bei gericht­lichem Streit um eine bessere Pfle­gestufe.

Bei Prozess um Anerkennung einer Erwerbs­minderung oder eines Arbeits­unfalls

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung nicht

Bei Ärger rund ums Bafög. Wichtig: Einige der Rechts­schutz­versicherungen, die im Test mit Gut oder Befriedigend abge­schnitten haben, bieten allgemeinen Verwaltungs-Rechts­schutz, der auch Streit rund ums Bafög abdeckt (Bafög gehört zwar eigentlich zum Sozialrecht, Streitig­keiten werden nach Paragraf 54 des Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz aber vor den Verwaltungs­gerichten ausgetragen).

Im vorgericht­lichen Wider­spruchs­verfahren, wenn etwa eine Kur von der Kasse abge­lehnt wird. Wichtig: Viele der Rechts­schutz­versicherungen im Test weichen an dieser Stelle positiv ab und zahlen doch schon ab dem vorgericht­lichen Wider­spruchs­verfahren anwalt­liche Hilfe für den Streit mit der Sozialbehörde.

Rechts­schutz für Schaden­ersatz­forderungen

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung

Hilfe beim Einfordern von Schaden­ersatz. Etwa, wenn der Rechts­schutz­kunde vom Hund gebissen oder wenn sein Eigentum beschädigt wird.

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung nicht

Abwehr von Schaden­ersatz­ansprüchen. Also kein Rechts­schutz nach Abmahnung wegen illegalem Download von Musik oder Filmen (Ärger rund um das Urheberrecht). Und kein Rechts­schutz, wenn Hunde­besitzer sich gegen Ansprüche von Personen wehren wollen, die vom Hund gebissen wurden (Tierhalter bekommen Recht­schutz zur Abwehr von Schaden­ersatz­ansprüchen von einer Tierhalterhaft­pflichtung).

Rechts­schutz, Familie und Erbe

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung

Einmalige Beratung bei akuten Fragen zu Unterhalt, Versorgungs­ausgleich, Sorgerecht oder Annahme einer Erbschaft.

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung nicht

Die anwalt­liche Hilfe, die über die Erst­beratung hinaus­geht wie Schrift­verkehr oder gericht­liche Vertretung in allen Fragen des Familien- und Erbrechts. Wichtig: Zum Beispiel über­nehmen viel der Rechts­schutz-Policen, die im Test mit der Note Gut abge­schnitten haben, über die Erst­beratung hinaus Anwalts­kosten von immerhin bis zu 1000 Euro bei Fragen rund um Erbschaft und Scheidung.

Rechts­schutz rund um das Strafrecht

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung

Streit um Verkehrs­delikt (z. B. Unfall­flucht, Alkohol am Steuer).

Vorwurf einer Ordnungs­widrigkeit (Fahren ohne Gurt, Lärmbelästigung).

Verteidigung wegen des Vorwurfs, ein Vergehen fahr­lässig begangen zu haben (z. B. leicht­fertige Steuer­verkürzung, einfache Körperverletzung). Wird dem Versicherungs­nehmer ein vorsätzliches Vergehen vorgeworfen, hat er zunächst keinen Rechts­schutz. Er bekommt ihn aber rück­wirkend, wenn das Gericht nur wegen eines fahr­lässig begangenen Vergehens verurteilt (z. B. leicht­fertige Steuer­verkürzung), ihn frei­spricht oder das Verfahren einstellt.

Hier zahlt die Rechts­schutz­versicherung nicht

Straf­verfahren bei reinen „Vorsatz­delikten“ wie Diebstahl, Betrug, Beleidigung und Nötigung.

Verbrechen wie Mord und Raub.

Diese Straf­verfahren sind nicht rechts­schutz­versichert, selbst wenn sich der Vorwurf der Staats­anwalt­schaft später als unbe­rechtigt heraus­stellt oder das Gericht den Angeklagten frei­spricht. Ein Frei­gesprochener bekommt notwendige Auslagen wie Verteidiger­kosten von der Staats­kasse erstattet (Paragraf 467 Strafprozeßordnung).

Verteidigung gegen Vorwurf eines fahr­lässig begangenen Vergehens, wenn am Ende durch Strafbefehl oder Urteil rechts­kräftig fest­stellt wird, dass die Straftat nicht fahr­lässig, sondern vorsätzlich begangen worden war. Hier hat der Versicherte nach Aufnahme der Ermitt­lungen zunächst Rechts­schutz, verliert ihn aber, sobald die Ermitt­lungs­behörden den Vorwurf auf eine vorsätzliche Tatbegehung umstellen. Beispiel: Dem Versicherungs­nehmer wird eine fahr­lässige Körperverletzung vorgeworfen. Nach einer belastenden Zeugen­aussage stellt die Staats­anwalt­schaft den Vorwurf auf vorsätzliche Körperverletzung um. Ab diesem Zeit­punkt entfällt der Rechts­schutz.

Rechts­schutz, Miete und Eigentum

Der Rechts­schutz für Mieter und Eigentümer von Wohnungen und Häusern ist in der Regel nicht im Rechts­schutz­paket für die Lebens­bereiche Privat, Beruf und Verkehr enthalten. Er kann aber dazugekauft werden.

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TestVergleich Rechts­schutz­versicherungStand der Daten: 01.01.2020
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