Rechts­schutz­versicherung im Test Test

Eine Rechts­schutz­versicherung ermöglicht dem Versicherten, mit finanz­starken Gegnern auch vor Gericht auf Augen­höhe streiten zu können. Finanztest hat 56 Familien-Rechts­schutz­versicherungen für die Lebens­bereiche Privat, Beruf und Verkehr untersucht. 14 Tarife bekamen die Note gut. Viele neue Angebote sind teurer und schlechter als in unserem letzten Test. Der güns­tigste gute Tarif kostet 209 Euro pro Jahr – bei 300 Euro Selbst­behalt. Tarife für Singles und Rentner sind meist güns­tiger als Familien­tarife.

Rechts­schutz­policen – Preis­unterschiede bis zum Vierfachen

Rechts­schutz zu bekommen, ist seit unserem letzten Test vor drei Jahren teuer geworden. War 2014 ein Rechts­schutz-Paket für Familien noch für einen Jahres­beitrag von durch­schnitt­lich 274 Euro zu haben, kostet der gleiche Schutz heute im Schnitt schon 306 Euro pro Jahr. Der Preis­anstieg hängt einer­seits mit den 2013 gestiegenen Anwalts- und Gerichts­kosten zusammen. Hinzu kommt, dass Rechts­schutz­versicherer in den zurück­liegenden Jahren viele teure Klagen von Kunden finanzieren mussten, die ihren Immobilienkredit widerrufen hatten. Dass es aber auch weiterhin günstig und gut geht, zeigt unsere Unter­suchung: Ein guter Tarif mit 300 Euro Selbst­beteiligung im Schadens­fall ist schon für etwas über 200 Euro zu haben. Die teuersten Tarife kosten das Vierfache!

Übrigens: Wir haben auf Verkehrs­rechts­schutz­policen getestet zum Vergleich Verkehrsrechtsschutzversicherung.

56 Angebote im Test – in 138 Angebots­varianten

Wenn Verbraucher eine Rechts­schutz­versicherung abschließen, ist es ratsam, eine Selbst­beteiligung zu vereinbaren. Wir empfehlen eine Selbst­beteiligung von 150 Euro. Wer gar keine Selbst­beteiligung vereinbart, zahlt nämlich spür­bar mehr Jahres­beitrag – oft beträgt der Aufschlag über 100 Euro. Wer beim Jahres­beitrag sparen will, kann oft auch eine Selbst­beteiligung von 250 Euro oder 300 Euro wählen. Dadurch wird die Versicherung güns­tiger. Unsere inter­aktive Test­tabelle lässt sich nach den drei Selbst­beteiligungs-Varianten 0 Euro, 150 Euro und 250 bzw. 300 Euro filtern. 56 Rechts­schutz­versicherungen haben wir untersucht. Können Kunden eine Rechts­schutz­versicherung zum Selbst­behalt von 150 Euro und auch zum Selbst­behalt von 300 Euro abschließen, werten wir das als zwei Preis­varianten eines Angebots. Insgesamt beinhaltet unser Test 138 solcher Angebots­varianten.

Zwölf Policen sind nur ausreichend, drei sogar mangelhaft

56 Rechts­schutz­versicherungen haben wir unter die Lupe genommen. Nur jedes vierte von uns untersuchtes Angebot verdient die Note gut. Die große Masse ist nur befriedigend. Zwölf Policen sind nur ausreichend und drei sogar mangelhaft. Entscheidend für die Qualität einer Rechts­schutz­versicherung ist, ob sie, wenn es in wichtigen Lebens­situationen zum Rechts­streit kommt, im Ernst­fall die Anwalts- und Gerichts­kosten über­nimmt. Unser Unter­artikel zum Mindestrechtsschutz zeigt, welche Leistungen alle Versicherer anbieten. Für eine gute Testnote mussten sie aber deutlich mehr offerieren.

Rechts­schutz im Familien- und Erbrecht

Gute Rechts­schutz­versicherungen bieten in wichtigen Lebens­bereichen mehr als nur einen Minimal­schutz. Zum Beispiel zahlen einige Versicherer bis zu 2 500 Euro für einen Anwalt, der bei Familien- oder Erbrechts­streit außerge­richt­lich hilft. Viele schlechtere Angebote zahlen in solchen Fällen maximal 250 Euro für eine einzige anwalt­liche Beratung.

Hilfe bei Wider­spruch gegen Behörden­entscheidung

Viele Angebote, die im Test nur befriedigend oder ausreichend abge­schnitten haben, gewähren Rechts­schutz bei Behörden­ärger erst dann, wenn die Angelegenheit vor Gericht geht. Vor einem Prozess muss der Betroffene aber oft Wider­spruch einlegen, zum Beispiel bei der Krankenkasse gegen die Ablehnung einer beantragten Kur, oder beim Finanz­amt gegen einen ungüns­tigen Steuer­bescheid. Wer das auf eigene Faust tut, kann vieles falsch machen. Das kann die Erfolgs­chancen einer anschließenden Klage erheblich mindern. Es ist deshalb sehr hilf­reich, früh­zeitig einen Anwalt einschalten zu können. Gute Tarife über­nehmen die Anwalts­kosten im vorgericht­lichen Wider­spruchs­verfahren.

Nicht von Zusatz­leistungen blenden lassen

In ihrer Werbung heben Rechts­schutz­versicherer gern Service­leistungen wie eine Hotline für schnellen telefo­nischen Rechts­rat hervor oder eine Kosten­über­nahme für eine außerge­richt­liche Streitbeilegung durch einen Mediator. Davon sollte sich aber niemand bei der Wahl seines Anbieters blenden lassen. Solche Leistungen können zwar hilf­reich sein, gehören aber nicht zum Kern einer Rechts­schutz­versicherung. Die untersuchten Versicherungen bieten Rechts­schutz für Nicht­selbst­ständige, das sind vor allem Angestellte und Beamte.

Einige Anbieter haben Rechts­schutz massiv verschlechtert

Ein Vergleich unserer Test­ergeb­nisse von 2014 und 2017 zeigt: Einige große Namen haben ihre Rechts­schutz­versicherungen so verschlechtert, dass sie zum Beispiel von gut auf befriedigend abge­rutscht sind. Ein Grund: Im Klein­gedruckten haben sie den Versicherungs­schutz grund­sätzlich einge­schränkt, indem sie den Versicherungs­fall neu definiert haben. Damit soll offen­bar eine verbraucherfreundliche Recht­sprechung des Bundes­gerichts, die die Rechts­schutz­versicherer viel Geld gekostet hat, ausgehebelt werden. Diese Änderungen in den Versicherungs­bedingungen sind für Laien schwer zu erkennen. Sie können dazu führen, dass Rechts­schutz­versicherer die Kosten­über­nahme für Streitig­keiten mit dem Hinweis auf lang zurück­liegende Ereig­nisse verweigern können. Das halten wir für eine massive Verschlechterung des Rechts­schutzes.

Gute Anbieter definieren Versicherungs­fall verbraucherfreundlich

Weil auch die Verbraucher­beschwerden über die Rechts­schutz­versicherung in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen haben, sind wir bei der Bewertung der Angebote 2017 strenger gewesen als noch 2014. Die gute Nach­richt lautet aber: Alle mit gut bewerteten Rechts­schutz­versicherungen arbeiten aus unserer Sicht mit einer verbraucherfreundlichen Definition des Versicherungs­falls.

Rechts­schutz­versicherungen für Senioren

Unter die Lupe genommen haben wir auch Rechts­schutz­versicherungen für Senioren. Weil Rentner keinen Berufs­rechts­schutz mehr benötigen, beinhalten diese Pakete vor allem Privat- und Verkehrs­rechts­schutz, auf Wunsch auch Mieter- oder Eigentümer­rechts­schutz. Durch den fehlenden Baustein Beruf sind Senioren­tarife im Schnitt 13 Prozent billiger als der entsprechende Familien­tarif.

Das bietet der Finanztest-Artikel

Unsere Test­tabellen zeigen 56 Rechts­schutz-Pakete für Familien und 14 gute Rechts­schutz­versicherungen für Senioren.

Wir erklären,

  • für wen sich ein Wechsel der Versicherung lohnt und wer eher seine alte Police behalten sollte,
  • warum Rechts­schutz­policen teurer geworden sind – und trotzdem schlechter,
  • was gute Verträge auszeichnet,
  • was die neue Definition des Versicherungs­falls im Einzel­fall bedeutet,
  • welche Versicherer besonders häufig Klagen von VW-Auto­besitzern ablehnen.

Hinweis: In der Print-Ausgabe von Finanztest veröffent­lichen wir die Test­ergeb­nisse zu den Rechts­schutz­versicherungen, die einen Tarif mit 150 Euro Selbst­behalt anbieten. Auf test.de veröffent­lichen wir alle von uns untersuchten Tarife: ohne Selbst­behalt, mit 150 Euro, mit 250 bzw. 300 Euro Selbst­behalt. Dadurch sind online zusätzlich zwei Tarife dabei, die nicht in der Variante mit 150 Euro Selbst­behalt erhältlich sind.

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TestRechts­schutz­versicherung im TestStand der Daten: 01.05.2017
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