Vergleich Heiz­systeme Test

Energie sparen ist in – auch beim Heizen. Doch für welches System entscheiden: Öl, Gas oder Holz­pellets? test.de hat die drei Kandidaten unter die Lupe genommen. Ergebnis: Nied­rige Investitions­kosten, hohe Effizienz und geringer Platz­bedarf sprechen für Gas­heiz­kessel. Holz­pellet­kessel punkten dagegen bei Brenn­stoff­kosten und Klima­schutz.

Die Kandidaten

Häuslebauer und Heizungs­modernisierer stehen früher oder später vor der gleichen Frage: Welches Heiz­system ist das richtige? Immerhin geht es um hohe Investitionen und Folge­kosten, die noch Jahr­zehnte später be- oder entlasten. test.de hat deshalb in einer Modell­rechnung drei Heizsyteme miteinander verglichen. Als Basis für den Vergleich dienten die letzten Tests. Die Kandidaten: 9 Gasbrenn­wert­kessel (test 07/2010), 10 Holz­pelletkessel (test 07/2009) und 10 Ölbrenn­wert­kessel (test 05/2008).

Gaskessel sind preis­werter

Die aktuell getesteten Gasbrenn­wert­kessel inklusive Warm­wasser­speicher schlagen mit 4 500 bis 5 800 Euro zu Buche. Nur gering­fügig teurer waren die in 2008 untersuchten Ölbrenn­wert­kessel. Ihr damaliger Listen­preis: 5 590 bis 7 000 Euro. In der Anschaffung etwa doppelt so teuer sind dagegen die Holz­pelletkessel. 2009 betrug der Listen­preis der getesteten Geräte zwischen 10 800 und 12 600 Euro. Doch damit nicht genug. Je nach System entstehen weitere Kosten für Brenn­stoff­lager und Warm­wasser­speicher (Öl und Pellets) sowie Förderschnecke (Pellets). Zu guter Letzt ist und bleibt der Preis Verhand­lungs­sache. Installateure geben oft saftige Rabatte. Es lohnt sich daher immer gleich mehrere Angebote von verschiedenen Händ­lern einzuholen.

Pellets brauchen öfters Schorn­steinfeger

In der Kategorie Effizienz punkten die Gas- und Ölbrenn­wert­kessel – dank moderner Brennwerttechnik. Allen Systemen gemein ist die jähr­liche Wartung und der Besuch des Schorn­steinfegers. Dabei schneiden Pellet­anlagen am schlechtesten ab. Grund: größter jähr­licher Wartungs­aufwand und häufigste Besuche des Schorn­steinfegers, wie die Tabelle Platz, Wartung, Schornsteinfeger zeigt.

Unterstüt­zung für die Pellets

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Doch die zylindrischen Press­linge geben sich noch nicht geschlagen. Denn für Pellethei­zungen gibt es staatliche Zuschüsse. Seit dem 12. Juli nimmt das Bundes­amt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle (Bafa) wieder Anträge entgegen. Das lohnt sich. Beispiel: In ein bestehendes Gebäude baut eine Familie eine Pellethei­zung mit einem großen Warm­wasser­speicher (Pufferspeicher mit mindestens 30 l/kW). Dafür bekommt sie 2 500 Euro Zuschuss. Ist das Haus sehr gut gedämmt und kommt ein zusätzlicher Filter in den Schorn­stein, dann erhöht sich die Förderung sogar auf bis zu 4 750 Euro.

Gas braucht weniger Platz

Ist der Platz gering, dann sind Gassysteme die bessere Wahl. Ihr Vorteil: Das Gas wird direkt per Leitung ins Haus geliefert. Ein Vorrats­lager ist nicht notwendig. Anders die Kandidaten Öl und Pellets. Beide brauchen Platz für das Brenn­stoff­lager. Bei den Pellets empfiehlt sich zusätzlich ein besonders großer Warm­wasser­speicher. Hintergrund: Pellets verursachen relativ viel Fein­staub. Je häufiger die Anlage startet, um so höher ist die Fein­staubbelastung. Der Pufferspeicher wirkt dem entgegen.

Rohstoffe sind teuer

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Inner­halb von 10 Jahren hat sich der Preis für Öl und Gas fast verdoppelt.

Inner­halb von 10 Jahren hat sich der Preis für Öl und Gas fast verdoppelt.

So richtig in Schwung kommen die Pellet­systeme erst in der Betriebs­phase. Denn ob sich die neue Heizung auch lang­fristig rechnet, hängt entscheidend vom Energieträger ab. In der Vergangenheit waren die Holz­pellets meist preis­werter als Öl und Gas. Ihr Vorteil: Sie bestehen aus Holz – einem heimischen Rohstoff. In den letzten drei Jahren kosteten die Press­linge im Schnitt etwa 4 Cent pro Kilowatt­stunde. Öl und Gas waren mit 5 bis 8 Cent deutlich teurer.

20 Jahre Dauer­betrieb

Bleiben die Pellets auch lang­fristig billiger, zahlt sich das aus: Je länger die Pellet­anlage läuft und je höher der Wärmebedarf ist, desto mehr rechnet sich die Anfangs­investition. In der Tabelle Heizsysteme basieren die lang­fristigen Energiekosten auf den mitt­leren Rohstoff­preisen der Jahre 2007 bis 2009. Ergebnis: Holz­pelletkessel sparen gegen­über ihren Öl- und Gaskollegen im Schnitt 393 beziehungs­weise 477 Euro pro Jahr. Nach einer Betriebs­zeit von 20 Jahren summiert sich die Einsparung auf durch­schnitt­lich 7 860 oder 9 550 Euro.

Pellets sind fast CO2-neutral

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Pellets haben noch einen weiteren Trumpf: Sie belasten das Klima weniger. Im Gegen­satz zu Öl und Gas verbrennen sie nahezu klima­neutral. Deutlichstes Zeichen ist der nied­rigere Primär­energie­verbrauch. Zwar entweicht auch bei der Verbrennung der Pellets reichlich CO2 aus dem Schorn­stein, aber eben nur die Menge, welche die Bäume der Atmosphäre zuvor entnommen haben. Wachsen die Bäume wieder nach, schließt sich der Kreis. Einziges Manko: Die CO2-Freiset­zung durch Herstellung und Trans­port der Pellets. Diese Emissionen fallen aber auch bei Öl und Gas an – plus das durch die Verbrennung freigesetzte CO2. Am Ende belasten Öl- und Gaskessel das Klima jähr­lich mit etwa 6 bis 7 Tonnen CO2, emit­tieren dafür aber weniger oder keinen Fein­staub.

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