FAQ Privathaft­pflicht: Von Aufsicht bis Umzug

Welcher Tarif ist für mich der richtige? Die Tücke steckt im Detail. Antworten auf wichtige Fragen rund um die Haft­pflicht.

Jede Privathaft­pflicht­police ist besser als keine. Doch meist gibt es ein Angebot, das noch besseren Schutz bietet oder billiger ist. Fragen rund um die Tarif­auswahl.

Warum ist es wichtig, dass auch Haft­pflicht­ansprüche unter­einander versichert sind?

Ihre Fehler im Haushalt treffen am ehesten Ihren Partner und Ihre Kinder. Privathaft­pflicht­versicherer zahlen aber normaler­weise nicht, wenn sich Partner oder Kinder verletzen, weil Sie eine Steck­dose falsch ange­schlossen haben oder eine von Ihnen vergessene Kerze einen Brand auslöst. Es fehlt dann das Geld, um Folgen jenseits der von der Kranken­versicherung gedeckten Behand­lungs­kosten auszugleichen. Versicherer mit der Deckung für Haft­pflicht­ansprüche unter­einander zahlen zumindest für Verletzungen Schaden­ersatz. Sach- und Vermögens­schäden bleiben aber fast immer ausgeschlossen.

Achtung: Für Schaden­ersatz­ansprüche zwischen Ehegatten und zwischen Eltern und Kindern gelten Einschränkungen. Sie haften nicht für jede Fahr­lässig­keit, sondern nur, wenn sie die Sorgfalt außer Acht lassen, mit der sie ihre eigenen Angelegenheiten regeln. Zumindest die Haftung wegen grober Fahr­lässig­keit – also bei Verstoß gegen grund­legende Regeln, die jedem einleuchten – bleibt aber stets.

Dennoch: Der Partner eines Menschen mit bekannt riskantem Verhalten erhält je nach Umständen keinen Schaden­ersatz. Dann greift auch die Privathaft­pflicht­police nicht.

Wieso zahlen inzwischen alle Haft­pflicht­versicherer für Schäden bei Gefäl­ligkeiten?

Für Hilfe unter Freunden und Nach­barn urteilen die Gerichte stets: Es ist von einer still­schweigenden Beschränkung der Haftung auf Vorsatz und grobe Fahr­lässig­keit auszugehen. Helfer müssen nur zahlen, wenn sie gegen Sorgfalts­pflichten verstoßen, die jeder kennt und beachtet. Der Bundes­gerichts­hof hat aber im Jahr 2016 entschieden: Wenn der Helfer eine Privathaft­pflicht­versicherung hat, dann ist nicht von einer solchen still­schweigend vereinbarten Einschränkung seiner Haftung auszugehen (Az. VI ZR 467/15). Er haftet für jedes Verschulden. Seine Privathaft­pflicht muss zahlen, auch wenn der Versicherungs­vertrag zu Gefäl­ligkeiten keine Regelung enthält. Unsere Tabelle zum Privathaft­pflicht­vergleich hat deshalb anders als früher nicht mehr die Spalte „Gefäl­ligkeits­hand­lungen“.

Wir beaufsichtigen oft unsere Enkel. Zahlt unsere Haft­pflicht für Schäden durch die Enkel?

Manchmal gehören Enkel zum Kreis der versicherten Personen und die Privathaft­pflicht­versicherung zahlt, wenn sie die Deckungs­erweiterung „delikt­unfähige Personen“ hat. Sonst zahlt sie nur, wenn Sie nicht richtig aufpassen, Ihnen also eine sogenannte Aufsichts­pflicht­verletzung zur Last fällt. Allerdings zahlt der Versicherer der Eltern, wenn diese einen Vertrag mit „delikt­unfähigen Personen“ haben.

Trifft Sie als Groß­eltern kein Verschulden und haben die Eltern keine Privathaft­pflicht­police mit Schutz vor Schäden durch delikt­unfähige Kinder, dann können von Ihren Enkeln geschädigte Menschen leer ausgehen.

Warum ist der Schutz vor dem Regress von Sozial­versicherungs­trägern gar kein Thema mehr?

Wichtig war diese Klausel für nicht verheiratete Paare. Wenn die gesetzliche Kranken­versicherung für die Folgen eines Unfalls gezahlt hat, kann sie beim Verursacher Regress nehmen. So konnten Partner ohne Trau­schein indirekt doch noch für Verletzungen des Part­ners heran­gezogen werden.

Der Bundes­gerichts­hof hat aber inzwischen geur­teilt: Auch für Partner ohne Trau­schein, die in häuslicher Gemeinschaft leben, erhalten die Sozial­versicherungs­träger keinen Regress (Az. VI ZR 274/12) vom Verantwort­lichen. Bei Ehegatten, einge­tragenen Part­nern und Angehörigen war das schon bisher ausgeschlossen.

Wir haben einen kleinen Hund bekommen. Brauchen wir eine Extra-Haft­pflicht­versicherung?

In aller Regel: Ja. Sie sollten zusätzlich eine Hundehaft­pflicht­versicherung abschließen. In vielen Bundes­ländern ist das ohnehin Pflicht. Selbst wo eine Tierhalterhaft­pflicht­police freiwil­lig ist, empfehlen wir sie. Hunde können sehr teure Schäden verursachen.

Keinen Extra­schutz brauchen Sie, wenn Sie nur gelegentlich auf einen fremden Hund aufpassen. Das ist in allen Privathaft­pflicht­verträgen drin, die wir mit Sehr gut oder Gut bewertet haben.

Wir stehen kurz vor der Scheidung. Ich brauche also einen eigenen Privathaft­pflicht­vertrag. Die Kinder sind bei meiner Exfrau und nur selten bei mir. Ist es sinn­voll, sie auch bei mir zu versichern?

Nein. Es reicht aus, wenn die Kinder über die Privathaft­pflicht­versicherung Ihrer Frau versichert sind. Bis zur Scheidung reicht Ihr alter Familien­vertrag noch für alle aus.

lch habe mich von meinem Ehemann getrennt und lebe mit einem neuen Partner zusammen. Brauche ich eine neue Privathaft­pflicht­versicherung?

Nein, Sie brauchen keinen eigenen neuen Vertrag. Bis zur Scheidung sind Sie über den alten Familien­vertrag abge­sichert.

Wenn Ihr neuer Partner keinen Privathaft­pflicht­schutz hat, sollte er sich allerdings unbe­dingt sofort versichern. Solange Sie verheiratet sind, kann Ihr neuer Partner nicht über Sie mitversichert werden.

Ich arbeite als Kranken­pflegerin in einem privaten Kranken­haus. Kann ich mich gegen die finanziellen Folgen von Fehlern versichern?

Nein, wir kennen keinen Privathaft­pflicht­versicherer, der das anbietet. Es ist auch nicht nötig. Für Schäden, die Sie anrichten, haftet fast immer der Arbeit­geber. Er kann Sie nur bei grober Fahr­lässig­keit und begrenzt in Regress nehmen. Einzel­heiten können Sie unter Arbeitnehmerhaftung nach­lesen. Sie brauchen keinen Berufs­haft­pflicht­schutz.

Wenn Sie selbst­ständig tätig sind, hilft nur eine besondere Berufs­haft­pflicht­versicherung. Nur eine neben­berufliche Tätig­keit zum Beispiel als Tages­mutter ist in mancher Privathaft­pflicht­police mitversichert.

Ich bin Lehrer und fast jedes Jahr auf Klassen­fahrt. Kann ich mich gegen das Haftungs­risiko absichern?

Ja, das geht, erfordert aber einen Zusatz­vertrag. Sie sollten eine Dienst­haft­pflicht­versicherung abschließen. Beamte und Angestellte von Behörden haften – anders als Arbeitnehmer – oft persönlich und müssen unter Umständen auch hohe Schäden voll­ständig ausgleichen.

Warum zahlt der Haft­pflicht­versicherer des Schädigers mir weniger, als die beschädigte Sache neu gekostet hat?

Laut Bürgerlichem Gesetz­buch hat der Schädiger den Zustand herzu­stellen, wie er ohne seinen Fehler bestünde. Geht eine gebrauchte Sache kaputt, muss er so viel Geld zahlen, dass Sie sich eine gleich­wertige Sache beschaffen können. Deshalb zahlt der Versicherer Ihnen regel­mäßig nur den Zeit­wert, damit Sie sich ein gebrauchtes Gerät kaufen können.

Viele Versicherer werben mit einer „Neuwert­entschädigung“. Doch die ist begrenzt auf Höchst­beträge zwischen oft 500 und 3 000 Euro. Nur vereinzelt ist mehr drin. Außerdem darf der beschädigte Gegen­stand meist höchs­tens ein Jahr alt sein. Wir denken: Die Neuwert­entschädigung bringt selten etwas und dann nur wenig. Sie ist mehr Marketing als sinn­volle Deckungs­erweiterung.

Ich habe gelesen: Manche Privathaft­pflicht­versicherer zahlen sogar dann, wenn ich selbst Opfer einer Straftat werde. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Das ist eine Erweiterung der Forderungs­ausfall­deckung. Mancher Versicherer zahlt auch dann, wenn der Versicherer des Schädigers dies nicht tun würde, weil dieser absicht­lich handelte.

Es bleibt sonst aber bei den Voraus­setzungen für die Forderungs­ausfall­deckung (Glossar). Vor allem müssen Sie alle Möglich­keiten ausgeschöpft haben, um vom Täter selbst Schaden­ersatz zu bekommen. Ausnahme: Mancher Versicherer bietet etwa unter dem Stich­wort Opfer­hilfe oder Opfer­schutz bis 50 000 Euro Entschädigung bei Straftaten, ohne dass der Täter ermittelt werden konnte.

Es gibt doch Haft­pflicht­policen mit Best­leistungs­garantie. Da muss ich mich um die Finanztest-Urteile nicht mehr kümmern, oder?

Doch, Sie sollten den für Sie besten Vertrag mithilfe der Finanztest-Ergeb­nisse wählen. Sogenannte Best­leistungs­garan­tien, nach denen ein Versicherer verspricht, so viel zu zahlen wie der leistungs­stärkste Konkurrent, sind nämlich kaum kalkulier­bar. Sie gelten längst nicht für alle denk­baren Privathaft­pflich­trisiken, sondern kommen stets mit einer langen Liste von Ausschlüssen daher.

Außerdem müssen Kunden die Versicherungs­bedingungen vorlegen, aus denen sich die besseren Leistungen eines anderen Anbieters ergeben, wenn sie mehr wollen, als im eigenen Versicherungs­vertrag als Entschädigung vorgesehen ist.

Zusätzliche Komplikation: Maßgeblich ist der Zeit­punkt der Entstehung des Schadens. Zu diesem Zeit­punkt müssen die Vergleichbedingungen gegolten haben.

Was die Best­leistungs­garantie wert ist, halten wir damit für unkalkulier­bar. Wir empfehlen dringend, eine Versicherung abzu­schließen, die ohne Best­leistungs­garantie leistungs­stark ist. Verträge mit Best­leistungs­garantie bekommen im Finanztest-Vergleich keine Plus­punkte.

Mein Versicherungs­vertreter will mir einen Vertrag mit Update-Auto­matik schmack­haft machen. Kann ich mir damit in Zukunft die regel­mäßige Prüfung meiner Privathaft­pflicht­police sparen?

Nein, das können Sie nicht. Zum einen kommen bei solchen Update-Auto­matiken nur verbesserte Vertrags­bedingungen desselben Anbieters zum Zuge und das Update ist ausgeschlossen, wenn gleich­zeitig der Beitrag steigen würde.

Zum anderen wird es manchmal schon nach wenigen Änderungen der Haft­pflicht­bedingungen schwierig zu ermitteln, welche Versicherungs­bedingung jetzt gilt.

Wie bei Best­leistungs­garan­tien finden wir deshalb: Eine Update-Auto­matik kann zwar nicht schaden. Ob und was sie allerdings nutzen wird, ist völlig unkalkulier­bar. Wir geben deshalb auch für Update-Auto­matiken keine Plus­punkte.

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