Gewässerschaden-Haft­pflicht­versicherung im Vergleich Empfehlens­werte Policen für Öltank­besitzer

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Gewässerschaden-Haft­pflicht­versicherung im Vergleich - Empfehlens­werte Policen für Öltank­besitzer

© Doro Spiro

Wenn Heizöl ausläuft, haften Öltank­besitzer, auch wenn sie keine Schuld trifft. Da ist eine Versicherung nötig.

Gewässerschaden-Haft­pflicht­versicherung im Vergleich Testergebnisse für 43 Gewässerschaden-Haft­pflicht­ver­sicherung 09/2019

Ein typischer Fall von Hand­werk­erpfusch: Die Heizungs­firma hatte die Öltanks ordnungs­gemäß einge­baut und ange­schlossen – mit einer Schelle, die den Tank­stutzen des neuen Hauses mit der Zuleitung in die Tanks verband. Doch einem der vielen Arbeiter auf der Baustelle war diese Schelle wohl im Weg, jedenfalls nahm er sie ab und vergaß, sie später wieder dran­zuschrauben.

Bei der ersten Heiz­öllieferung nahm die Katastrophe ihren Lauf. Im Tank baute sich Druck auf, wegen der fehlenden Schelle rutschte der Stutzen von der Leitung, etwa 800 Liter Öl liefen aus. Die Schäden beliefen sich auf knapp 30 000 Euro. Spezialfirmen mussten kontaminiertes Erdreich abtragen und als Sondermüll auf einer Deponie entsorgen. Spezialisten reinigten anschließend die Gesteins­schichten unter­halb des Hauses.

Unser Rat

Bedarf. Haben Sie einen Heiz­öltank? Dann brauchen Sie Haft­pflicht­schutz für den Fall, dass Öl ausläuft.

Vertrag. Wenn Sie eine Privathaft­pflicht­versicherung haben, schauen Sie nach, ob Öltanks dort mitversichert sind. Falls nicht, bleibt Ihnen die Wahl, den Versicherer zu wechseln und eine Privathaft­pflicht mit dem Einschluss „Öltanks“ abzu­schließen oder eine separate Gewässerschaden-Haft­pflicht­police.

Preis. Die güns­tigste Gewässerschaden-Haft­pflicht­versicherung für ober­irdische Tanks bis 3 000 Liter bietet die SV Sparkassen Versicherung für 23 Euro pro Jahr. Bei unter­irdischen Tanks bis 3 000 Liter ist sie mit 31 Euro ebenfalls am güns­tigsten.

Kein Schuldiger? Eigentümer haftet

Bezahlen musste all das der Haus­eigentümer. Dabei traf ihn über­haupt keine Schuld. Doch es war nicht mehr heraus­zufinden, welcher Hand­werker die Schelle abge­schraubt hatte.

Weil kein Verursacher ausgemacht werden konnte, richtete sich die Haftung nach den Regeln des Wasser­haus­halts­gesetzes: Grund­stücks­eigentümer müssen für Schäden einstehen – auch ohne Verschulden und in unbe­grenzter Höhe. Juristen nennen das die Gefähr­dungs­haftung. Wer einen Heiz­öltank einbaut, schafft damit ein Risiko für die Umwelt. Wenn sich diese Gefahr verwirk­licht, muss er dafür einstehen.

In dem Fall konnte der frisch geba­ckene Haus­besitzer auf seine Versicherung vertrauen. Sie über­nahm den Schaden.

Wer Öltanks hat, braucht unbe­dingt eine Versicherung gegen Gewässerschäden. Die Zahl der Unfälle hält sich zwar in Grenzen: Im Jahr 2017 – eine neuere Statistik liegt noch nicht vor – zählte das Statistische Bundes­amt 183 Unfälle mit „Heiz­ölver­braucher­anlagen“. Aber die Schäden belaufen sich oft auf fünf- oder gar sechs­stel­lige Summen.

Oft reichen schon wenige Liter. In Tübingen war nur ein kleiner Tank mit 1 000 Litern undicht. Lediglich 30 Liter Öl liefen aus. Aber die Bodenplatte des Hauses hatte Setzungs­risse. Die Behörde befürchtete, Öl könne durch­gesickert sein ins Erdreich unter dem Haus. Deshalb wurde die Bodenplatte aufgestemmt und die Erde darunter bis auf eine Tiefe von knapp einem halben Meter ausgehoben: 8 000 Euro Kosten.

Oft reicht eine Privathaft­pflicht

Viele Tank­besitzer brauchen aber gar keine separate Police, um sich gegen dieses Risiko abzu­sichern. Es ist in vielen Privathaft­pflicht­policen ohnehin mitversichert, aber nicht in allen. Ein Blick ins Klein­gedruckte oder ein Anruf beim Versicherer bringen Klarheit.

Achtung Einige Privathaft­pflicht­tarife versichern Öltanks nur in Grenzen, zum Beispiel nur solche bis höchs­tens 5 000 Liter. Das reicht meist. Voraus­setzung ist häufig, dass der Kunde selbst im Haus wohnt.

In anderen Tarifen wird verlangt, dass der Tank ober­irdisch ist, also beispiels­weise in einem Anbau oder im Keller steht – auch Keller gelten bei der Heiz­öllagerung als ober­irdisch. Als unter­irdisch hingegen gilt ein in die Erde einge­grabener Tank.

Vermieter, die für ihr Objekt eine Haus- und Grund­besitzer-Haft­pflicht­versicherung abge­schlossen haben, sind oft über diese Police geschützt. Es empfiehlt sich, im Vertrag nach­zusehen.

Schutz erweitern oder wechseln

Wer einen Vertrag hat, der keine Haftungs­über­nahme vorsieht, sollte den Privathaft­pflicht­versicherer bitten, dieses Risiko in den Deckungs­umfang aufzunehmen. Ansonsten bleibt nur die Wahl, bei einem anderen Anbieter eine Privathaft­pflicht­police abzu­schließen, die dies mitversichert, oder sich für eine separate Gewässerschaden-Haft­pflicht­versicherung zu entscheiden.

Ab 23 Euro pro Jahr

Der Schutz durch solche Policen ist nicht teuer, wie die Tabelle Gewässerschaden-Haftpflichtversicherung zeigt. Eine Versicherung für einen ober­irdischen 3 000-Liter-Tank bietet die SV Sparkassen Versicherung schon für 23 Euro pro Jahr. Für unter­irdische Tanks mit maximal 3 000 Litern bietet sie mit 31 Euro pro Jahr ebenfalls den güns­tigsten Tarif.

Bei ober­irdischen Tanks ab 10 000 Litern kostet die güns­tigste Police 30 Euro bei der BGV Badische, für unter­irdische Tanks 50 Euro bei der Zurich. Die Tabelle zeigt enorme Preisspannen. Teure Verträge können das Dreifache kosten.

Bei den Leistungen gibt es kaum gewichtige Unterschiede zwischen den Angeboten. Die Versicherung über­nimmt die Ansprüche der Geschädigten auf Schaden­ersatz. Zu den versicherten Rettungs­kosten gehören in der Regel die Aufwendungen für das Ausbaggern und Abfahren des verseuchten Erdreichs.

Drei Millionen Euro reichen

Unterschiede gibt es vor allem bei der Versicherungs­summe. In vielen Tarifen sind maximal Schäden bis 3 Millionen Euro gedeckt, in anderen maximal 15 Millionen Euro. Condor, Ergo, R+V und Zurich gehen sogar bis 50 Millionen Euro. Wir meinen, 3 Millionen Euro für Sach- und Personenschäden sind in der Regel ausreichend, damit ist genug Geld für Schadens­fälle da.

In jedem Fall sollten Besitzer ihren Heiz­öltank regel­mäßig prüfen und warten. Denn sie sind dafür zuständig, dass die Tanks in vorschrifts­mäßigem Zustand sind.

Im Jahr 2017 wurden die bis dahin gültigen Landes­ver­ordnungen durch die bundes­weite „Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wasser­gefähr­denden Stoffen“ ersetzt. Demnach müssen amtlich anerkannte Sach­verständige unter­irdische Tanks alle fünf Jahre prüfen, in Schutz­gebieten sogar alle zwei­einhalb Jahre.

Bei ober­irdischen Tanks ab 10 000 Litern gilt ein Prüf­intervall von fünf Jahren. Für kleinere Tanks gilt die Prüf­pflicht nur, wenn das Haus in einem Schutz­gebiet liegt. Tank­besitzer sollten diese Intervalle einhalten, um ihren Versicherungs­schutz nicht zu gefährden. Auch alle anderen Tank­besitzer sollten selber regel­mäßig nach­sehen – spätestens bevor der Tank­wagen kommt.

Mängel kommen gerade bei älteren Anlagen durch­aus vor, zum Beispiel wenn ein Tank spröde und undicht wird. Auch Rohr­brüche, kleine Risse in den Leitungen oder verstopfte Entlüftungen kommen vor. Sind Probleme erkenn­bar, muss der Besitzer sie sofort sachgerecht reparieren lassen. Sonst wird der Tank zur tickenden Zeitbombe.

Tipp: Unser Test Privathaftpflichtversicherung zeigt, welche Policen Heiz­öltanks mitversichern. Ein neuer Test Privathaft­pflicht­versicherung erscheint in unserer Oktober-Ausgabe.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 27.04.2021 um 08:53 Uhr
Eigenschaden

@Salgar: In der Regel und vor allem ist die Haftpflichtversicherung für die Schäden gedacht, die der Versicherte einem Dritten zufügt. Den Aspekt der Eigenschäden haben wir insofern nicht untersucht. (PH)

salgar am 07.04.2021 um 14:14 Uhr
Eigenschaden

Meine Versicherung begrenzt die Leistung bei Eigenschaden auf 10.000€. Ist dies üblich, oder sollte ich mir eine bessere Versicherung suchen? Wurde dieses Kriterium auch bei der Bewertung der hier getesteten Versicherungen untersucht?

Profilbild test.de-Redakteur_Herrmann am 06.01.2021 um 08:59 Uhr
Re: Abfluss i. Kellerfussboden

Direkt kann ich die Frage nicht beantworten. Wichtig ist: Der Einbau der Heizöltanks muss allen Regeln entsprechen. Welche genau gelten, hängt sowohl von den Tanks als auch ihrem Standort ab. Sie haben keinen Versicherungsschutz, wenn sie bewusst gegen die Vorschriften oder Anordnungen verstoßen (A1-7.19 der GDV-Musterbedingungen für Gewässerschadenhaftpflichtversicherungen).

NeuhNet am 05.01.2021 um 19:37 Uhr
Abfluss i. Kellerfussboden

Hallo,
können Sie mir evtl. mitteilen, ob ein Abfluss im Kellerfussboden Einfluss auf den Versicherunsabschluss hat (Öltank steht im Keller) und ob der Eingang zum Ölkeller mit einer ca. kniehohen Mauer versperrt werden muss, wie ich es bereits mehrfach gesehen habe.
Wir haben zwei 1000 l-Edelstahltanks.
Vielen Dank!

heinz1942 am 22.06.2020 um 06:14 Uhr
Heizöltankversicherung

Muß man eine periodische Tankreinigung beim abschließen einer Heizöltankversicherung in Kauf nehmen obwohl alle 5 Jahre eine TÜV- Überprüfung erfolgt ?