Vergiftungsunfälle von Kindern Meldung

Medikamente, Haushaltsreiniger oder Alkohol – für Kleinkinder sind das oft nur bunte Fläschchen und Tuben, deren Inhalt sie neugierig mit dem Mund erkunden. Deutschlandweit kommt es so jedes Jahr zu rund 19 000 Vergiftungsunfällen bei Kindern. test.de erklärt, wie Eltern mit einigen Vorkehrungen im eigenen Haushalt auf Nummer sicher gehen können.

Vom Lampenöl bis zur Knopfzelle

Von Vergiftungsunfällen sind häufig Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren betroffen. Sie können noch nicht Lebensmittel von anderen Gegenständen unterscheiden, nehmen vieles in den Mund und schlucken es herunter. Am häufigsten kommt es zu Unfällen mit Haushalts- und Reinigungsmitteln, Medikamenten und giftigen Pflanzen. Aber auch Lampenöle, Grillanzünder, Alkohol, Tabak oder Knopfzellen schlucken die Kleinen, ohne sich etwas dabei zu denken. Ein Problem-Klassiker sind auch säurehaltige Entkalker, die im Wasserkocher vergessen werden und mit denen anschließend der Kaffee oder die Säuglingsnahrung angerührt wird. Was für viele Erwachsene kein Problem ist, kann bei Säuglingen den Säure-Basen-Haushalt negativ beeinflussen: Sie sollten in solchen Fällen zur Sicherheit für einige Stunden im Krankenhaus überwacht werden.

Viele Anfragen bei Giftnotrufzentralen

Dass Vergiftungen bei Kindern keine Seltenheit sind, zeigen die Zahlen der in Deutschland regional organisierten Giftnotrufzentralen: Dem Giftnotruf Berlin zufolge beziehen sich etwa 70 Prozent aller Telefonanfragen auf Zwischenfälle bei Kindern. Die meisten Fälle erweisen sich nur als Verdachtsfälle oder leichte Vergiftungen. Deutschlandweit mussten 2010 aber immerhin rund 7 000 Kinder wegen Vergiftungen stationär behandelt werden, 20 Fälle gingen sogar tödlich aus.

Mehr Aufklärung für Familien

Anlässlich des Kindersicherheitstages am 10. Juni setzt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder für mehr Aufklärung in den Familien ein. Besonders hoch sei das Risiko für Unfälle etwa, wenn die Kinder kurzsichtig, hyperaktiv oder sehr nervös sind. Unfälle häuften sich zudem in Familien mit geringem Einkommen und niedrigem Bildungsstand, wenn die Eltern sehr jung sind oder aber in den Familien viel Alkohol und Drogen konsumiert werden. Vor allem Familien mit Migrationshintergrund müssten besser in der jeweiligen Muttersprache aufgeklärt werden.

So können Eltern vorsorgen

Da die meisten Unfälle in den eigenen vier Wänden stattfinden, können Eltern selbst vorbeugen. Sinnvolle Maßnahmen sind unter anderem:

  • Gefahren erkennen. Versetzen Sie sich in die Körpergröße Ihrer Kinder und laufen so durch die Wohnung: Gefahrenquellen lassen sich so einfach identifizieren.
  • Sicher verstauen. Verstauen Sie Medikamente und Haushaltschemikalien in hohen Schränken – weit weg von Kinderhänden. Besonders giftig sind Rohrreiniger und Desinfektionsmittel. Verzichten Sie im Haushalt auch auf unnötige Gefahrenquellen wie Lampen- und Duftöle.
  • Kindersicherungen. Versehen Sie Schränke, die sich in Kinderhöhe befinden, mit speziellen Kindersicherungen.
  • Nichts umfüllen. Füllen Sie niemals Chemikalien und Reinigungsmittel in Getränkeflaschen oder Gläser um – die Verwechslungsgefahr ist zu groß.
  • Zigaretten. Entfernen Sie herumliegende Zigaretten.
  • Giftige Pflanzen. Prüfen Sie, ob Ihre Pflanzen giftige Bestandteile haben. Giftig sind etwa Oleander, Efeu, Goldregen und einige Rhododendronarten.

Das Vorgehen im Notfall

Haben Kinder dennoch etwas Giftiges verschluckt, sollten Eltern sie nicht zum Erbrechen bringen, sondern lediglich Mund und Speiseröhre mit Leitungswasser oder Tee ausspülen. Anschließend sollten Eltern den Giftnotruf der eigenen Region anrufen. In den Städten Berlin, Bonn, Freiburg, Göttingen, Homburg, Mainz und München sind die Notrufe rund um die Uhr erreichbar unter der der Telefonnummer 19 240 (mit der jeweiligen Ortsvorwahl). Daneben gibt es Giftnotrufdienste in Erfurt und Nürnberg. Wichtig: Erläutern Sie bei einem Anruf ganz genau, welche Substanzen in welcher Menge das Kind zu sich genommen hat.

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