Vergiftung bei der Badpflege Meldung

Zwei neu entwickelte Badpflege-Sprays zur Versiegelung glatter Oberflächen haben unmittelbar nach dem Verkaufsstart bei dem Discounter Penny zu einer ganzen Reihe Vergiftungen geführt. Bereits kurz nach Geschäftsöffnung am Montag liefen bei den zehn deutschen Giftinformationszentralen (GIZ) alarmierende Meldungen ein. Zahlreiche Benutzer der Sprays klagten über Atemnot und schwere Hustenanfälle. In einigen Fällen bildeten sich sogar Lungenödeme. Betroffen sind „Magic Nano Bad- und WC-Versiegeler“ (7,99 Euro) und „Magic Nano Glas- und Keramikversiegeler“ (6,99 Euro). Die genaue Ursache ist unklar. Der Anbieter will alle Sicherheitsbestimmungen eingehalten haben. Penny hat die beiden Sprays inzwischen aus dem Angebot genommen. Wer eins der Sprays gekauft hat, sollte es nicht verwenden, sondern zurück zu Penny bringen.

Berichte über 43 Fälle

Inzwischen liegen bei den Giftinformationszentralen in Deutschland Berichte über 39 Vergiftungsfälle vor. Vier weitere Betroffene meldeten sich mit mehr oder weniger starken Symptomen beim Anbieter. In der Schweiz vergiftete sich ein Käufer an einem ähnlichen Spray, das bei www.megavitalshop.com unter der Bezeichnung „Finy (Nano) Nr. 1 Versiegler“ zu haben war. Immer noch werden neue Fälle bekannt. In mindestens sechs Fällen bildete sich ein so genanntes toxisches Lungenödem. Soweit bekannt geht es Benutzern des gefährlichen Sprays inzwischen besser. Nach jeweils 12 bis 18 Stunden ließen die Beschwerden den Berichten der GIZ Nord zu Folge nach. Nach Berichten einiger Betroffener hielten Atembeschwerden allerdings noch erheblich länger an.

Ursache im Dunkeln

Unklar ist, was an den Produkten zu den Vergiftungserscheinungen führte. Anbieter der „Magic Nano“-Sprays ist die Kleinmann GmbH aus Sonnenbühl in Baden-Württemberg. „Die Produkte entsprechen den nationalen Sicherheitsstandards“, versicherte das Unternehmen in einer Presseerklärung. Lieferant der Flüssigkeit, die für den Versiegelungseffekt sorgen soll, ist die Nanopool GmbH aus dem Saarland. Als Pumpspray sei die „Magic Nano“-Technologie seit längerem im Einsatz, ohne dass es Probleme gegeben habe. Für sämtliche Komponenten des Produkts lägen Zertifikate vor.

Korrosionsschutz unter Verdacht

Von welchem Unternehmen das Aerosol für die Spraydose hergestellt und abgefüllt worden ist, will die Kleinmann GmbH bisher nicht sagen. Als Treibmittel ist die Chemikalie DME im Einsatz. Sie ist nach Angaben von Dr. Herbert Desel, Leiter der Giftzentrale Nord, auch seit längerem bekannt und etwa in verschiedenen Haarsprays im Einsatz. Auch insoweit seien bisher keine Vergiftungen gemeldet worden. Bei der Herstellung zu den Sprays im Penny-Angebot sind außer Treibmittel offenbar noch weitere Chemikalien zugesetzt worden. Nach Angaben des Anbieters sind darunter Korrosionsschutz-Zusätze. Welche Chemikalien dabei genau verwendet wurden, konnte Bernd Zimmermann, Sprecher der Kleinmann GmbH, nicht sagen. Das mit der Sprayherstellung beauftragte Unternehmen habe darüber bislang noch keine Auskunft erteilt.

Diskussion um Nanotechnologie

Bislang kenne auch die GIZ-Nord die exakte Rezeptur der beiden gefährlichen Sprays noch nicht, erklärte Behördenleiter Desel. Beide Sprays erzeugen nach Anbieterangaben auf nanotechnologischer Grundlage eine Versiegelung, die Flächen unempfindlich für Verschmutzungen machen soll. Gerade gestern tagten einige Wissenschaftler im Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, um unter anderem über mögliche Gefahren von Produkten mit so genannter Nanotechnologie zu diskutieren. Fazit insoweit: Beim Einsatz von Nanotechnologie in Bedarfsgegenständen sind noch eine ganze Reihe von Fragen offen.

Knapp 4 000 Dosen verkauft

Nach Angaben von Penny verkaufte das Unternehmen von Montag früh bis zum Stopp des Verkaufs am Dienstag insgesamt knapp 4 000 Dosen der beiden Sprays. Wie viele Dosen davon noch in Umlauf sind, lasse sich derzeit noch nicht sagen; die Rückmeldungen aus den Fillialen seien noch nicht vollständig, hieß es beim Discounter. Mit Aushängen in den Filialen will das Unternehmen Käufer der Spray informieren. Die Kleinmann GmbH hat eine Kurzinformation ins Internet gestellt und beanwortet Fragen zu den betroffenen Produkten unter 0 71 28/92 92–80. Über den jeweils aktuellen Stand informiert außerdem die GIZ Nord.

Vorsicht in geschlossenen Räumen

Inzwischen hat sich auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eingeschaltet. Die Behörde arbeite mit Hochdruck an der Aufklärung der Vergiftungsfälle. Die Experten dort empfehlen generell, Sprays mit feuchtigkeitsabweisenden Nanopartikeln nur im Freien zu verwenden. Da die konkrete Ursache für die aktuellen Vergiftungsfälle noch nicht geklärt sei, lasse sich nicht ausschließen, dass weitere Produkte Atembeschwerden auslösen. Betroffene sollten sich sofort an einen Arzt oder an eine der Giftinformationszentralen wenden und die Dose mit dem womöglich gefährlichen Spray für toxikologische Untersuchungen bereit halten.

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