Vergabe der Pflegestufe Meldung

Behinderte und kranke Kinder werden künftig leichter eine Pflegestufe bekommen. Das gilt auch für Patienten, die an Demenz erkrankt sind. Die neuen Richtlinien für die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), die Pflegebedürftigkeit prüfen, gelten seit diesem Monat. Verordnet der Arzt medizinisch bedingte Pflegehandgriffe zusätzlich zur häuslichen Grundpflege - wie das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen, kann der Patient künftig auswählen, ob die Pflegekasse oder die Krankenkasse die Kosten übernimmt.Vorsicht: Bei dieser Auswahl muss der Gepflegte genau aufpassen, sonst könnte die höhere Pflegestufe in Gefahr sein.

Hilfebedarf von Kindern wird neu ermittelt

Viele Eltern haben bisher vergebens darum gekämpft, für ihr krankes oder behindertes Kind Geld von der Pflegekasse zu erhalten. Diese zahlt in der Regel erst, wenn mindestens Pflegestufe I vergeben ist. Um diese Pflegestufe zu erhalten, kommt ein Gutachter des MDK ins Haus und überprüft was etwa der Junge im Vergleich zu gesunden Kindern an Zusatzbetreuung braucht.

Neuer Antrag bei der Pflegekasse nötig

Nach dem bisherigen Verfahren ist es häufiger passiert, dass für ein pflegebedürftiges Kind ein geringerer Zeitbedarf für Tragen, Anziehen und Waschen ermittelt wurde, als für gesunde im selben Alter. Die Gutachter richten sich bei ihrer Einschätzung nunmehr nach einer neuen Vergleichstabelle, die alltägliche Tätigkeiten der Eltern minutengenau differenziert. Damit ist eine realistischere Einschätzung des Pflegeaufwands auch für Kinder möglich.

Tipp: Wenn Sie bisher für Ihr krankes Kind keine Leistungen von der Pflegekasse erhalten haben, stellen Sie dort einen neuen Antrag. Erst dann wird der MDK tätig. Die gesetzliche Pflegeversicherung ist Ihrer Krankenkasse angeschlossen. Auch an deren Servicestellen können Sie sich Rat holen.

Zwischen Pflege- und Krankenkasse wählen

Der MDK-Gutachter weisst ab jetzt die Zeiten gesondert aus, die für medizinisch begründete Pflege und für häusliche Grundpflege wie Duschen und Füttern gebraucht werden. Hintergrund: Der Gepflegte kann sich aussuchen, ob die Kosten für die Krankenpflege von der Kranken- oder von der Pflegekasse erbracht werden sollen. Bisher hatten viele Krankenkassen auch die medizinische Pflege (Behandlungspflege) von ihrer Pflegekasse bezahlen lassen.

Pflegekasse legt bei Mehrbedarf keinen Euro drauf

Allerdings ist das Budget aus der Pflegekasse, gekoppelt an die jeweilige Pflegestufe, für jeden Betroffenen beschränkt. In der Praxis heißt das zum Beispiel: Muss dem Pflegebedürftigen zusätzlich eine Kanüle gelegt werden, wird er vielleicht einmal weniger gebadet, wenn er das nicht selbst bezahlt.

Tipp: Wägen Sie genau ab, ob Sie die Krankenpflege zu Hause von der Kranken- oder Pflegekasse bezahlen lassen. Schöpft der Gepflegte sein Pflegekassenbudget bisher schon aus und bekommt zusätzliche Krankenpflege, dann sollte er die Krankenkasse mit der Kostenübernahme beauftragen. Wer allerdings noch keine Pflegestufe hat oder eine höhere haben will, sollte die Kosten für die medizinische Pflege der Pflegekasse zuordnen. Denn die Minuten, die täglich etwa für das Kanüle-Legen anfallen, addiert die Kasse den benötigten Stunden für die Grundpflege hinzu. Im Zweifel entscheidet eine Minute darüber, ob der Patient die Pflegestufe I erhält oder von einer in eine nächst höhere eingestuft wird.

Gesamtsituation Demenzkranker rückt in den Blick

Auch für Demenzkranke, die ihre Beschwerden vor dem Gutachter meist zu überspielen suchen, wird eine neue Nachweismethode angewandt. Dabei soll der Gutachter mehr die psychische Gesamtsituation der Erkrankten berücksichtigen. Die Aussagen von betreuenden Angehörigen erhalten größere Bedeutung. Bisher war vor allem das Gespräch mit dem Kranken ausschlaggebend.

Tipp: Dokumentieren Sie alle Handgriffe für die Betreuung und wie viel Zeit sie dafür benötigen. Schreiben Sie auch Tätigkeiten auf, die scheinbar untypisch sind. Wenn Sie dies in einem Pflegetagebuch über eine ganze Woche festhalten, dann können Sie dem Gutachter den gesamten Aufwand vorlegen.

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