Verbraucherschutz Meldung

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg findet die Werbung für eine Antifaltencreme mit der Bezeichnung "Firming Action Lifting Extreme Creme" nicht irreführend (Az: C-Z 20/98). Die Richter sollten prüfen, ob die Bezeichnung "Lifting" Verbraucherinnen eine langanhaltende Wirkung ­ ähnlich einem chirurgischen Lifting ­ suggeriere. Doch sie fanden, eine Produktbezeichnung sei erst dann irreführend, wenn ein "durchschnittlich informierter, aufmerksamer und verständiger Durchschnittsverbraucher" zu einer irrigen Annahme verleitet wird. Im Klartext: Der Verbraucher, der einer Creme die Wirkung eines chirurgischen Eingriffs unterstellt, kann nicht zum Maßstab genommen werden.

Die europäischen Richter verlangen damit vom Verbraucher mehr Intelligenz im Umgang mit Werbung als bisher in Deutschland üblich. Deutsche Gerichte sahen in der Vergangenheit Bezeichnungen zum Teil schon dann als irreführend an, wenn mehr als 6 Prozent der Verbraucher mit einer Produktbezeichnung eine Eigenschaft verbanden, die das Produkt nicht besitzt. "Idiotenquote" nennen Juristen abwertend jenen Prozentsatz der Verbraucher, die einen Begriff missverstehen.

Über die Antifaltencreme muss das Landgericht Köln entscheiden. Die Kölner hatten den Fall dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt, sie sind aber nicht an die Entscheidung der Luxemburger Richter gebunden.

Trotz der werbefreundlichen europäischen Entscheidung glaubt Volker Nickel vom Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft nicht, dass die Werbetexter jetzt die Samthandschuhe abstreifen können. Es werde noch Jahre dauern, bis sich die Luxemburger Definition in der deutschen Rechtsprechung durchsetzen werde.

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