Das Bundes­kartell­amt nimmt Nutzerbe­wertungen im Internet unter die Lupe. Es gebe Hinweise, dass diese „nicht selten gefälscht oder manipuliert sind“, so die Behörde. Neben dem Preis seien solche Bewertungen für viele Verbraucher das wichtigste Entscheidungs­kriterium. Das gelte für den Kauf von Produkten ebenso wie für die Wahl eines Zahn­arztes, Restaurants oder Hand­werkers. Hinweise auf manipulierte Bewertungen bei Amazon & Co gibt es seit Langem.

Geschenk gegen gute Bewertung

Das Bundes­kartell­amt will jetzt heraus­finden, welche Bewertungs­systeme für Manipulation besonders anfäl­lig sind und inwieweit es zu Verstößen gegen Verbraucherrechte komme. Problematisch sei das Ganze insbesondere dann, wenn Computer die Bewertungen generierten oder die Nutzer für positive Einträge Gegen­leistungen erhielten, ohne dass dies trans­parent gemacht werde, so die Behörde. Mitarbeiter unserer britischen Part­ner­organisation Which fanden in einer Unter­suchung heraus, dass Anbieter in speziellen Facebook-Gruppen Belohnungen für positive Nutzerbe­wertungen beim Onlinehändler Amazon ausloben (siehe Meldung Gefakte Amazon-Rezensionen Firmen bezahlen Kunden für gute Noten).

Studie: Sterne-Bewertungen wenig aussagekräftig

Wissenschaftler der Tech­nischen Universität Dort­mund haben in einer Unter­suchung Bewertungen für mehr als 1 300 Elektronik­produkte wie Smartphones, Kopfhörer und Toaster verglichen, die zwischen 2014 und 2017 von der Stiftung Warentest geprüft wurden und bei Amazon Rezensionen erhielten. Die Macher der Studie stellten fest, dass das Mittel­maß in vielen Sterne-Bewertungen unterre­präsentiert ist und kommen zu dem Schluss, dass sich Sterne-Bewertungen von Amazon nicht gut eignen, um die Qualität eines Produkts einzuschätzen (siehe Special Kundenbewertungen vs. Testurteile Wie aussagekräftig sind Amazons Sterne?).

Befug­nisse des Kartell­amts sind begrenzt

In den kommenden Monaten will das Bundes­kartell­amt Betreiber einschlägiger Portale befragen und darauf­hin einen Bericht veröffent­lichen. Aufgedeckte Rechts­verstöße abzu­stellen liegt allerdings nicht in der Macht der Behörde. Dazu hat sie nicht die Befugnis.

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