Verbraucherrecht Regal oder Kasse – welcher Preis gilt?

04.01.2017
Verbraucherrecht - Regal oder Kasse – welcher Preis gilt?
Kontrollieren. Nicht jeder ange­zeigte Preis stimmt. © Fotolia / sergeyryzhov

Fast jedem Kunden ist das schon passiert: Ein vermeintliches Sonder­angebot erweist sich in der Realität doch nicht als Schnäpp­chen. An der Kasse ist die Ware teurer als der Preis, der am Supermarkt­regal angegeben war. Welcher Preis gilt nun? Wie Händler und Dienst­leister über Preise informieren müssen, regelt die Preis­angaben­ver­ordnung. Leider halten sich nicht alle daran.

Der Preis am Produkt zählt

Steht am Regal oder im Schau­fenster ein nied­rigerer Preis als beim Einscannen an der Kasse, werden Kunden schon mal sauer. Ein Recht, die Ware güns­tiger einzufordern, haben sie aber nicht. Juristisch verbindlich ist der Preis, den ein Produkt direkt trägt. Das Problem: Preis­etiketten gibt es kaum noch, der Preis ist im Strichcode versteckt. Dennoch gilt der Preis, den die Kasse ausliest. Kunden können sich nicht darauf berufen, dass am Supermarkt­regal ein nied­rigerer Preis steht. Sie können aber die teurere Ware ablehnen, wenn sie den höheren Preis nicht bezahlen wollen. Vonseiten der Händler muss kein böser Wille dahinterstecken.

Tipp: Reklamieren Sie eine Preis­abweichung. Oft zeigen sich Händler kulant und erlassen die Differenz, weil sie ihre Kunden nicht verprellen wollen.

Wenn Differenzen oft auffallen

Möglich ist natürlich, dass ein Händler systematisch falsche Preis­angaben macht. Das kann der Fall sein, wenn immer wieder oder über einen längeren Zeitraum hinweg Differenzen zwischen Preisen auf den Schildern im Regal und denen an der Ware auffallen. Wer gezielte Irreführung bemerkt, sollte das beim Ordnungs­amt melden.

Tipp: Welche Regeln beim Thema Reklamation gelten, steht in unserem FAQ Kaufrecht.

Immer inklusive Mehr­wert­steuer

Nicht zulässig ist ein uneindeutiger Preis. Das erfuhr auch ein Spediteur aus Baden, der diesen Satz in seinem Angebot aufführte: „Die angegebenen Preise verstehen sich als Netto-Preis, zuzüglich der derzeit gültigen Mehr­wert­steuer.“ Das Land­gericht Heidel­berg entschied: Diese Vertrags­klausel ist unzu­lässig (Az. O 149/16). Kunden werden sonst über den Endpreis im Unklaren gelassen. Händler müssen grund­sätzlich den Endpreis inklusive Mehr­wert­steuer angeben. Dazu verpflichtet sie die Preis­angaben­ver­ordnung. Nur den Netto­preis zu nennen, ist nicht erlaubt. Einer der Gründe: Wenn der Mehr­wert­steu­ersatz nicht angegeben wird, ist das eine nach­trägliche Preis­erhöhung.

04.01.2017
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