Verbraucherkredite Meldung

Trotz der Finanzkrise werben die Banken vor Weihnachten verstärkt für Ratenkredite. Sie versprechen niedrige Zinsen. Versteckte  Nebenkosten machen viele Angebote jedoch sehr teuer.

Verwirklichen Sie jetzt Ihre Träume“, jubelt easyCredit. Die CreditEurope Bank verspricht 100 Euro „Finderlohn“, wenn jemand einen Kreditkunden wirbt – als gebe es keine Überschuldung bei Privathaushalten. Die Citibank streicht im Internet für ihren Onlinekredit Billigzinsen von 3,99 Prozent so groß heraus, dass mancher auf die Idee kommen könnte, das Geld billig aufzunehmen und anderswo anzulegen: Tagesgeld bringt oft mehr als 5 Prozent.

Superzinsen meist nur Lockangebote

Doch die Superzinsen sind meist nur Lockangebote. Wer im Internet-Kreditrechner der Citibank ein 5 000-Euro-Darlehen mit 42 Monaten Laufzeit eingibt, wird enttäuscht feststellen, dass der Zinssatz zum Beispiel bei 2 500 Euro monatlichem Nettoeinkommen 8,38 Prozent beträgt (Stand: 5. November 2008). Der Grund ist, dass die Zinsen oft „bonitätsabhängig“ sind: Nur Kunden mit festem Arbeitsplatz, gutem Gehalt und keinen weiteren Schulden erhalten den Niedrigzins. Und dann auch oft nur für kurze Laufzeiten.

Andere Kunden hingegen bekommen selbst bei gutem Verdienst und fester Arbeit oft nur teure Angebote. Dabei bleibt unklar, wie die Banken die Bonität, also die Zahlungsfähigkeit, ermitteln. Grundlage ist ein standardisiertes Verfahren, in das verschiedene Daten einfließen können wie etwa die Wohnge­gend. Stehen dort schicke Eigenheime oder Mietskasernen? Wie viele Oberklassewagen sind dort angemeldet? Daraus wird ein sogenannter Score-Wert für jeden Kunden errechnet. Doch welche Kriterien noch einfließen und wie sie gewichtet werden, bleibt ein Geheimnis.

Zusätzlich fragen die Banken bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) nach. Dort sind Daten über die Kreditwürdigkeit von Bankkunden gespeichert. Sobald jemand nach einem Kredit fragt, meldet die Bank dies als „Anfrage Kreditkonditionen“ – auch wenn der Kunde am Ende gar keinen Vertrag abschließt. Doch einige Berater melden keine „Anfrage Konditionen“, sondern eine „Anfrage Kredit“. Dann weiß die Schufa nur, dass der Kunde einen Kredit wollte, aber keinen bekam – warum, bleibt offen. Da mangelnde Bonität der Grund sein könnte, senkt sie vorsichtshalber seinen Score-Wert, und bei der nächsten Kreditanfrage erhält er einen schlechteren Zins.

Tipp: Wenn Sie bei mehreren Banken Preise vergleichen, sollten Sie die Bankmitarbeiter darauf hinweisen, dies nur als „Anfrage Konditionen“ zu melden. Das wirkt sich nicht auf den Score aus. Verbraucher können bei der Schufa auch eine Eigenauskunft anfordern, etwa unter www.meineschufa.de. Falls Ihre Zinsanfrage falsch registriert wurde, kann das korrigiert werden.

Unglaubliche 30 Prozent Zins

Noch ärgerlicher ist, dass viele Banken nur Kredit vergeben, wenn der Kunde eine Restschuldversicherung abschließt. Die soll einspringen, falls er das Geld nicht zurückzahlen kann. Meist handelt es sich um einen Todesfallschutz, der auf Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit erweitert wird. Sinnvoll ist das nur für die Bank. Für den Kunden ist die Police allenfalls bei langfristigen Hypothekendarlehen interessant.

Die Restschuldversicherung (RSV) kann bei Ratenkrediten die Kosten locker ver­doppeln. Bei unseren Tests im letzten Jahr ließ sie den tatsächlichen Effektivzins im schlimmsten Fall von 11 auf 23 Prozent steigen. Den Verbraucherzentralen liegen Fälle vor, wo er auf unglaubliche 30 oder sogar 40 Prozent sprang. Eine „neue Form des Kreditwu­chers“ nennt dies der Verbraucherzentrale Bundesverband.

In jedem zweiten Fall vergibt die Bank den Kredit nur, wenn der Kunde auch die RSV kauft, haben die Verbraucherzentralen festgestellt. Unsere Tests kamen zu ähnli­chen Ergebnissen. Manche Bank übte unmissverständlich Druck aus. Wer ablehnte, bekam kein Darlehen oder sollte höhere Zinsen zahlen. Dabei darf die Bank die Versi­cherung nur zur Bedingung machen, wenn sie deren Kosten in den Effektivzins einrechnet. Doch das geschieht in der Praxis so gut wie nie. Die Bundesre­gierung will unseri­ösen Lockvogelangeboten nun aber einen Riegel vorschieben. Anfang November beschloss sie einen Gesetzentwurf zum Ver­braucherkreditrecht. Die Werbung für Kredite dürfe nicht nur einen niedrigen Zins herausstellen, sondern müsse auch die weiteren Kosten angeben. Das Gesetz soll am 31. Oktober 2009 in Kraft treten.

Tipp: Unterschreiben Sie einen Ratenkreditvertrag nur, wenn die Bank den Kredit auch ohne Restschuldversicherung vergibt.

Noch besser als ein Ratenkredit ist aber, erst zu sparen und später zu kaufen.

Beispiel: Bei einer 5 000-Euro-Schrankwand, die es mit 2 Prozent Skonto für 4 900 Euro gibt, müsste ein Barzahler vier Jahre lang monatlich 96 Euro zu 3 Prozent Zins sparen. Dagegen erhält ein Kreditkäufer kein Skonto, sondern muss Zinsen zahlen. Bei 6 Prozent Effektivzins muss er die gleiche Monatsrate fünf Jahre lang abzwacken – ein Jahr länger. Während der Sparer insge­samt 4 608 Euro aufbringt, zahlt der Kreditkunde mit Zinsen 1  170 Euro mehr.

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