Vanille Special

Hand­verlesen. Arbeite­rinnen sortieren die beim Fermentieren dunkelbraun gewordenen Schoten nach Länge und Qualität.

Vanille ist eines der teuersten Gewürze der Welt und für Bauern in Mada­gaskar Fluch und Segen zugleich. 80 Prozent der welt­weiten Vanille-Produktion stammen von der Insel im Indischen Ozean. Doch Natur­katastrophen, Spekulanten und eine große Nach­frage treiben den Preis nach oben – das bringt Probleme für die Qualität der Vanille und das Leben der Vanille-Bauern.

Vanille wird auf Mada­gaskar von Hand bestäubt

Vanille Special

Hand­bestäubt. Mit einem Holz­stäbchen bestäuben Arbeiter jede Blüte einzeln – bis zu 1 500 pro Tag.

Nur wenige Stunden sind die Blüten der Vanille-Orchidee geöffnet. Made­gassische Vanillebauern bestäuben sie dann per Hand. Auf die Kletter­pflanze spezialisierte natürliche Bestäuber wie Bienen gibt es nicht auf Mada­gaskar. Dennoch stammen rund 80 Prozent der Vanille auf dem Welt­markt von der Insel im Indischen Ozean. Dort wird das Gewürz seit etwa 150 Jahren auf diese mühevolle Art erzeugt.

Vanille in den Unter­suchungen der Stiftung Warentest

Die meisten Vanille­eisanbieter geizen nicht mit dem edlen Gewürz, aber manche Produkte enthalten nur sehr wenig davon. Das ergab der jüngste Vanilleeis-Test der Stiftung Warentest (8/2019). Beim großen Vanille-Check von Milch­produkten, Gebäck & Co (3/2016) hatte sich gezeigt, dass viele Produkte nicht nach Vanille schme­cken oder Aroma­stoffe enthalten, die Vanille­geschmack nach­ahmen.

Starke Preis­schwankungen, Diebstahl und tödliche Streits

Wenn die Schoten reifen, kommt die Angst: dass alles umsonst war, dass Kriminelle die wert­vollen Früchte stehlen. „Die Bauern verlassen drei Monate vor der Ernte ihre Plan­tagen nicht mehr, um sie zu bewachen“, berichtet Ulrich Helberg, Berater für nach­haltige Land­wirt­schaft. Er war zuletzt 2018 in Mada­gaskar. Immer wieder komme es bei Diebstahls­versuchen gar zu Streitereien mit Todes­folgen – vor allem, wenn der Preis für die „Königin der Gewürze“ – wie derzeit – sehr hoch ist. Er schwankt stark, die Einkommen sind wenig stabil.

Was den Vanille­preis nach oben treibt

Vor etwa zehn Jahren noch lag der Vanille­preis nur bei rund 30 US-Dollar, 2017 schnellte er auf mehr als 600 Dollar hoch. Haupt­grund: Ein Wirbel­sturm zerstörte Anbauflächen und einen großen Teil der Ernte. Auch Zwischenhändler beein­flussen den Preis, indem sie Ware zurück­halten. Dazu kommt eine gestiegene Nach­frage. „Nur 10 Prozent des welt­weiten Bedarfs kann gedeckt werden“, schätzt Thorsten Grün, Qualitäts­manager vom Vanille-Importeur Aust & Hachmann. Vanille wächst zwar auch in Ländern wie Indonesien, Indien, Papua-Neuguinea, Uganda oder Mexiko, aber die dort produzierten Mengen sind relativ gering. Der kommerzielle Anbau in nieder­ländischen Gewächs­häusern scheiterte.

Qualität leidet unter zu früher Ernte

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Hand­geerntet. Der richtige Ernte­zeit­punkt ist wichtig für den Vanillin­gehalt.

Viele Bäue­rinnen und Bauern ernten ihre Vanille zu früh – aus Angst vor Diebstahl, oder weil sie schneller daran verdienen wollen. Die Folge: Mit den Jahren sank der Gehalt an Vanillin, dem Hauptaroma­stoff der Vanille. Früher enthielten Schoten 1,6 bis 2,4 Prozent Vanillin, heute nur noch 0,6 bis 1,6 Prozent, so Importeur Thorsten Grün.

Vanill­eindustrie engagiert sich

Einige Firmen, die Vanille aus Mada­gaskar kaufen und verarbeiten, engagieren sich, um die Qualität zu sichern und die Lebens­bedingungen der Kleinbauern zu verbessern – etwa Aromen­hersteller Symrise und Nahrungs­mittel­konzern Unilever gemein­sam mit der Deutschen Gesell­schaft für Interna­tionale Zusammen­arbeit (GIZ). Bauern erhalten laut GIZ unter anderem Schu­lungen, wie sie den Anbau verbessern, die Produktivität steigern und Erträge mit anderen Produkten erzielen können. Zudem bekommen ihre Familien eine Kranken­versicherung.

Ohne lokale Anstrengungen geht es nicht

Von solchen Projekten profitiert aber nur ein Teil der etwa 70 000 Kleinbauern im Nord­osten Mada­gaskars. „Der gesamte Vanillesektor lässt sich nur verbessern, wenn auch lokale Auto­ritäten und die Regierung Mada­gaskars sich mehr dafür einsetzen“, sagt Ulrich Helberg.

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