Tipps und Muster­brief

Viele Auto­banken, darunter die VW-Bank und ihre Zweigstellen für Seat, Skoda und Audi, haben Kreditnehmer nicht korrekt über das Widerrufs­recht informiert. Die Folge: Die eigentlich nur zweiwöchige Frist für den Widerruf beginnt nicht zu laufen. Kreditnehmer können auch vor Jahren abge­schlossene Verträge noch widerrufen. Sie können dann das finanzierte Auto zurück­geben. test.de gibt Tipps für den Auto­kredit­widerruf.

  • Betroffene Verträge. Fehler fanden Rechts­anwälte in ab 11. Juni 2010 geschlossenen Verträgen verschiedener Auto­banken (siehe Liste unten unter „Anwalts­prüfung“). Diese Verträge können Sie auch heute noch widerrufen. Lohnend ist der Widerruf, wenn Auto­kauf und Kredit- oder Leasing­vertrag aus einer Hand kamen und so wie oft der Auto­händler den Vertrag zur Finanzierung des Wagens vermittelt hat. Detailliert stellt die Anwaltskanzlei Kraus Ghendler Ruvinskij typische Fehler in Autokreditverträgen dar. Einen Eindruck davon, was für Fehler in Leasing-Verträgen geschehen sind, vermittelt ein Blogbeitrag der Interessengemeinschaft Widerruf zum Thema. Die Volks­wagen Leasing GmbH hat laut einem weiteren Bericht der Interessengemeinschaft inzwischen in mindestens einem Fall außerge­richt­lich einen güns­tigen Vergleich im Streit um den Widerruf einen Leasing­vertrags akzeptiert.
  • Kunden­vorteil. Wenn Sie solche mit einem Auto­kauf verbundenen Kredit- oder Leasing­verträge widerrufen, müssen Sie anschließend Ihr Auto zurück­geben. Im Gegen­zug erhalten Sie sowohl die Anzahlung als auch die Kredit- oder Leasingraten zurück. Nur die – meist nicht sonderlich hohen – Kreditzinsen darf die Bank behalten. Gut und leicht bedien­bare Online-Berechnungen der Folgen des Auto­kredit­widerrufs bieten Hahn Rechtsanwälte, Kraus Ghendler Rechtsanwälte und Rechtsanwälte Aslanidis, Kress & Häcker-Hollmann. Die Kanzlei bietet außerdem kostenlose Telefonkonferenzen, Webinare und Info-Veranstaltungen zum Auto­kredit­widerruf an. Hahn Rechtsanwälte informieren mit einer Reihe von Veranstaltungen im ganzen Bundes­gebiet über das Thema.
  • Ältere Kredit­verträge. Zumindest bei bis 12. Juni 2014 abge­schlossenen Kredit­verträgen müssen Sie außerdem eine Nutzungs­entschädigung für die mit dem Auto gefahrenen Kilo­meter zahlen. Die Berechnungs­formel ist einfach: „Gefahrene Kilo­meter / typische Gesamt­lauf­leistung (meist 250 000 Kilo­meter, bei kleineren Wagen zuweilen 200 000, bei großen 300 000) X Kauf­preis. In der Regel lohnt sich der Widerruf bei Autos, die noch nicht viele Kilo­meter gefahren sind. Hat ein Auto schon einen großen Teil seiner typischen Gesamt­lauf­leistung hinter sich, ist es je nach Alter und Zustand des Wagens zuweilen güns­tiger, ihn zu behalten. Wenn Sie für Ihr Auto als Gebraucht­wagen mehr Geld als den Kauf­preis abzüglich Nutzungs­entschädigung bekommen, macht der Widerruf keinen Sinn.
  • Jüngere Kredit­verträge. Bei vom 13. Juni 2014 an abge­schlossenen Kredit­verträgen müssen Sie jedenfalls nach Ansicht von Verbraucherschützern und Rechts­anwälten wie Dr. Christof Lehnen keine Nutzungs­entschädigung zahlen. Das ist aber noch umstritten. Die Land­gerichte, die sich bisher mit dem Widerruf von Auto­kredit­verträgen befasst haben, urteilten: Nur wenn die Widerrufs­belehrung als solches fehlt, entfällt die Pflicht, für die mit dem Auto gefahrenen Kilo­meter zu zahlen. Rechts­anwalt Alexander Döll, Experte fürs Verbraucherrecht in der Juristischen Zentrale des ADAC, hält die Entscheidungen in diesem Punkt für falsch. Aus den aktuellen gesetzlichen Rege­lungen lasse ich die Pflicht zum Nutzungs­wert­ersatz nicht ableiten, schreibt er in der Fach­zeit­schrift Deutsches Auto­recht (Heft 2/2018, S. 66).
  • Text Muster­schreiben. Schreiben Sie an die in Ihrem Vertrag angegebene Adresse der Bank:
    „Hier­mit widerrufe ich die auf den Abschluss des Kredit­vertrags mit der Nr. ____ gerichtete Willens­erklärung. Dazu bin ich trotz der seit Vertrags­schluss vergangenen Zeit berechtigt, weil Sie mich nicht entsprechend der gesetzlichen Vorgaben über den Vertrag und mein Widerrufs­recht informiert haben. Ich erwarte, dass Sie mir inner­halb von zwei Wochen ab Zugang dieses Schreibens bei Ihnen den Widerruf und die Rück­abwick­lung des Vertrags und des finanzierten Kauf­vertrags bestätigen. Bleibt die Bestätigung aus oder verweigern Sie den Widerruf, werde ich ohne weitere Ankündigung recht­liche Schritte einleiten. Sollten nach Zugang dieses Schreibens bei Ihnen noch Zahlungen von mir an Sie erfolgen, haben Sie diese als ungerecht­fertigte Bereicherung heraus­zugeben; ich behalte mir vor, die Erstattung zu fordern.“
  • Versand Muster­schreiben. Verschi­cken Sie das Schreiben per Einschreiben mit Rück­schein. Bewahren Sie den unterzeichneten Rück­schein gut auf.
  • Mögliche Bankenre­aktion. Zuweilen melden sich Mitarbeiter der Bank nach einem Widerruf telefo­nisch. Sie können sich in so einem Fall etwaige Vorschläge ruhig anhören. Sie sollten sich aber auf keine Diskussion darüber einlassen, ob der Widerruf sinn­voll ist und was er Ihnen konkret bringt. Erklären Sie nicht, warum Sie den Vertrag widerrufen haben. Sie müssen dafür keinen Grund nennen. Der Widerruf ist Ihr gutes Recht. Verweisen Sie auf Ihr Widerruf­schreiben und bekräftigen Sie die Forderung auf Bestätigung des Widerrufs.
  • Anwalts­prüfung. Bleibt die Bestätigung des Widerrufs aus, sollten Sie Ihren Fall von einem Rechts­anwalt prüfen lassen, der Erfahrungen mit dem Widerruf von Auto­kredit­verträgen der betreffenden Bank hat. Hier eine Liste von Rechts­anwälten, die test.de gegen­über versichert haben, Mandate zu Verträgen der jeweiligen Bank erfolg­reich bearbeitet zu haben:
  • Rechts­schutz­versicherung. Wenn Sie eine Verkehrs­rechts­schutz­versicherung haben oder recht­zeitig vor dem Widerruf abschließen, muss diese für die Kosten des Rechts­streits zahlen, sofern ein Kredit­widerruf nicht ausdrück­lich ausgeschlossen ist. Bei den meisten klassischen Rechts­schutz­versicherern gibt es solche Ausschlüsse bereits. Beispiel für eine solche Ausschluss­klausel: „Es besteht kein Rechts­schutz, wenn (...) der Versicherungs­nehmer ein Recht (z. B. Widerruf) ausübt (...) und sich als Voraus­setzung dafür auf die Mangelhaftig­keit der (...) Belehrung (...) beruft (...).“ Spezial­anbieter, die – wie etwa der ADAC – nur Verkehrs­rechts­schutz anbieten, müssen die Kosten für Kredit­widerrufs­streitig­keiten oft über­nehmen. Fragen Sie im Zweifel beim Anwalt nach, ob Ihre Versicherung zahlen muss. Beachten Sie: Nach Abschluss von Rechts­schutz­versicherungs­verträgen gilt oft eine dreimonatige Warte­zeit.

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