VW-Aktie im Tief Meldung

Der Abgas­skandal hat VW-Aktionäre um rund 28 Milliarden Euro ärmer gemacht. Wer in die Auto­branche investiert, braucht grund­sätzlich starke Nerven. Heftige Kurs­schwankungen sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Finanztest-Tabelle zeigt die Wert­entwick­lung ausgewählter Auto­aktien inner­halb des letzten Jahres. Unsere Experten erklären die Besonderheiten der Auto­mobilbranche – und warum bei der „Schnäpp­chen­jagd“ an der Börse Vorsicht geboten ist.

Volks­wagen fährt Achterbahn

Mit Aktien des Volks­wagen-Konzerns konnten Anleger in den vergangenen Jahren ein Vermögen verdienen – oder verlieren. Im Jahr 2008 hatten Spekulanten die Stamm­aktie des Unter­nehmens inner­halb weniger Wochen so stark nach oben getrieben, dass VW kurz­zeitig das teuerste Börsen­unternehmen der Welt war. Nun ging es in die andere Richtung. Die im Dax notierten Vorzugs­aktien verloren inner­halb von zwei Tagen rund 40 Prozent, seit Jahres­beginn mehr als 55 Prozent ihres Wertes.

Zweifel am Wachs­tums­kurs

Der Skandal um manipulierte Abgas­werte bei VW-Diesel­autos kommt zu einem denk­bar ungüns­tigen Zeit­punkt. Der VW-Konzern ist stark vom Export abhängig und verdankt seine Verkaufs­erfolge in den vergangenen Jahren zu einem Gutteil den starken Wachs­tums­raten in China. Da die chinesische Wirt­schaft an Dynamik verliert, keimen Zweifel am weiteren Wachs­tum der deutschen Auto­bauer und besonders von Volks­wagen.

Tiefer Absturz in der Finanz­krise

Die Auto­mobilbranche steht und fällt mit der allgemeinen Wirt­schafts­lage. In Krisen­zeiten brechen ihre Umsätze mitunter heftig ein. Einen extremen Absturz erlebten die deutschen Auto­bauer im Zuge der Finanz­krise 2008/2009. Mit den Verkaufs­zahlen gingen auch die Aktien­kurse in den Keller. So fiel die BMW-Aktie unter 20 Euro. Im Früh­jahr 2015 war sie dann mehr als sechs­mal soviel wert.

Gemischtes Bild auf Jahres­sicht

Die aktuellen Kurs­verluste quer durch die gesamte Branche sind für Aktionäre schmerzlich. Auf Jahres­sicht stehen die meisten deutschen Auto­aktien aber dank der vorherigen Rallye gar nicht schlecht da. Ausnahme (neben VW): die ebenfalls zum VW-Konzern gehörende Porsche-Aktie. Sehr unterschiedlich trifft es die Zulieferfirmen. Der Reifen­hersteller Continental gehört auf Jahres­sicht zu den zehn erfolg­reichsten Dax-Titeln. Das im SDax notierte Unternehmen Grammer, das unter anderem Kopf­stützen und Mittel­konsolen herstellt, verlor dagegen knapp 40 Prozent seines Markt­wertes. Ausländische Hersteller wie Toyota oder Fiat sind von den Turbulenzen ohnehin kaum betroffen.

Vorsicht bei der „Schnäpp­chen­jagd“

Manche Anleger lieb­äugeln mit dem Kauf von VW- oder anderen Auto­aktien, weil diese „jetzt billig“ seien. Wir raten zur Vorsicht. Ob eine Aktie ihren aktuellen Preis wert ist, hängt vom Geschäfts­erfolg in der Zukunft ab. Der lässt sich vor allem bei Volks­wagen über­haupt nicht einschätzen. Dem Konzern drohen Umsatz­einbußen und immense Kosten für die Umrüstung von Fahr­zeugen und durch Schaden­ersatz­klagen.

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