VPN-Dienste Preis-Wirr­warr bei NordVPN

VPN-Dienste - Preis-Wirr­warr bei NordVPN
© NordVPN

Ein Dienst, drei Probleme: Beim Anbieter NordVPN schwanken die Preise bedenk­lich. Mitunter wird die Mehr­wert­steuer nicht ange­zeigt. Und iPhone-Nutzer sollen mehr zahlen.

Verstoß gegen die Preis­angaben­ver­ordnung

Alles begann mit dem Hinweis eines Lesers: In unserem Test von VPN-Diensten hatten wir als monatlichen Preis für ein NordVPN-Jahres­abo 3,93 Euro angegeben. Ein Leser schrieb uns, dass es tatsäch­lich 4,68 Euro seien. Und er hatte Recht: Zwar zeigte die Website von NordVPN während unserer Preis-Recherche 3,93 Euro an. Doch uns war nicht aufgefallen, dass die Seite im ersten Schritt stets Preise ohne Mehr­wert­steuer angibt – eine unübliche und verwirrende Praxis.

Erst direkt vor dem Kauf kommt die Mehr­wert­steuer hinzu: Dann sind es 4,68 Euro. Wir haben die Preis­angabe in Tabelle und Testbericht inzwischen korrigiert.

Dass NordVPN die Mehr­wert­steuer anfangs nicht einberechnet, ist nach Einschät­zung unseres juristischen Gutachters ein Rechts­verstoß: Laut Preis­angaben­ver­ordnung müssen Unternehmen gegen­über Verbrauchern den Brutto-Preis anzeigen, also inklusive Mehr­wert­steuer.

Starke Preis-Schwankungen

Noch irritierender waren die starken Preis-Schwankungen, die wir beim Nach-Check beob­achteten: Mal zeigte die Website 56,17 Euro für das Jahres-Abo an. Mal waren es 65,69 Euro. Und ein andermal 75,21 Euro (alle Preise inklusive Mehr­wert­steuer). Auch die Preis­angaben für das Zwei-Jahres-Abo fluktuierten recht wild: Wir fanden Preisdifferenzen von bis zu 27 Euro!

So finden Sie den güns­tigsten Preis bei NordVPN

Sie können zwei Dinge tun, um sicher­zustellen, dass Sie das güns­tigste Angebot finden.

Immer auf der Website buchen.
NordVPN verlangt in seinen mobilen Apps höhere Preise als auf der Website. Schließen Sie Abos daher stets auf der Website ab. Selbst­verständlich können Sie nach der Buchung über die Website auch die mobilen Apps von NordVPN verwenden.
Website mehr­fach aufrufen.
Rufen Sie die Website vor dem Abo-Abschluss parallel in mehreren Browsern auf – gerne auch mal im Inkognito-Modus. Vergleichen Sie die Preise und wählen Sie das güns­tigste Angebot. Bei unseren Recherchen im Juni 2021 waren folgende Angebote am güns­tigsten (jeweils inklusive Mehr­wert­steuer):
1 Monat:
11,38 Euro
1 Jahr: 56,17 Euro (4,68 Euro pro Monat)
2 Jahre: 84,73 Euro (3,53 Euro pro Monat)

Preis­anzeige nach Zufalls­prinzip

Eine Nach­frage bei NordVPN brachte Klarheit, warum die Preise häufig schwanken: Die Preis­anzeige auf der Website funk­tioniert mitunter nach dem Zufalls­prinzip. „Im genannten Zeitraum haben wir Produkt­angebots-Tests mit unterschiedlichen Preis-Varia­tionen durch­geführt“, schrieb uns der Anbieter. „Bei solchen Tests wird ein Teil der welt­weiten Seiten­aufrufe nach Zufalls­prinzip auf verschiedene Test­szenarien verteilt, bis eine statistische Signifikanz erreicht ist.“ Bei Redak­tions­schluss traten solche Preis-Schwankungen auf der Website weiterhin auf.

Gleicher Preis für alle? Fehl­anzeige!

Bei diesen Fluktuationen handelt es sich zwar vermutlich nicht um eine gezielte Preis­diskriminierung bestimmter Nutzer­gruppen. Doch diese Art der Preis­gestaltung ist für Verbraucher sehr intrans­parent: Kunden werden nicht informiert, dass sie möglicher­weise ein anderes Angebot erhalten, wenn sie die Website mit einem anderen Gerät oder Browser – oder schlichtweg zwei Minuten später – erneut aufrufen. Sie erfahren auch nicht, dass andere Seiten­besucher womöglich andere Preise sehen.

Abo per App teurer als via Website

Zwei klare Fälle von Preis­diskriminierung fanden wir bei unseren Recherchen im Juni 2021 schließ­lich auch noch: Erstens sind Abos oft teurer, wenn man sie in der mobilen App abschließt statt auf der Website. Und zweitens werden iPhone-Nutzer von der App deutlich stärker zur Kasse gebeten als Besitzer von Android-Handys.

Fall 1: Website vs. App. Auf der Website kostet ein Ein-Monats-Abo inklusive Mehr­wert­steuer 11,38 Euro, in der Android-App sind es 12,99 Euro (die iOS-App bietet kein Monats­abo an).
Ein 2-Jahres-Abo kostet auf der Website zwischen 84,73 Euro und 111,73 Euro. In den Apps fallen für zwei Jahre 128,98 Euro (Android) oder 159,98 Euro an (iOS). Wer den Kauf in der iOS-App und nicht wie Website abschließt, zahlt also bis zu 75 Euro mehr!

Fall 2: iOS vs. Android. Ein zwei Jahre laufendes Abo ist in der iOS-App (159,98 Euro) satte 31 Euro teurer als in der Android-App (128,98 Euro).

Bis zu 89 Prozent Aufpreis

Auf Nach­frage der Stiftung Warentest erklärte NordVPN die Preisdifferenzen zwischen Web und App unter anderem mit „von den App-Store-Betreibern einge­forderten Gebühren“. Auf den ersten Blick ist das schlüssig, schließ­lich muss NordVPN bei in-App-Käufen Gebühren an Google oder Apple abführen, die bei einem Kauf auf der Website nicht anfallen.

Allerdings liegen diese Provisionen üblicher­weise bei 30 Prozent des Kauf­preises, im zweiten Jahr bei 15 Prozent. Im obigen Fall 1 zahlen Apple-Nutzer aber für ein Abo mit zweijäh­riger Lauf­zeit rund 89 Prozent mehr bei Buchung über die App. Das lässt sich nicht mit App-Store-Gebühren recht­fertigen. Das Gleiche gilt für die 31 Euro Zusatz­kosten, die anfallen, wenn jemand per iOS-App statt via Android-App einkauft. Die von Apple und Google einge­forderten Gebühren unterscheiden sich kaum und können solche massiven Preisdifferenzen zwischen den Systemen nicht erklären.

Starke Technik, intrans­parente Preis­politik

Preise bewertet die Stiftung Warentest üblicher­weise nicht. An unserer qualitativen Bewertung halten wir daher fest: NordVPN ist das beste Produkt in unserem VPN-Test. Die Preis­gestaltung des Anbieters ist unseres Erachtens allerdings intrans­parent, verbraucherunfreundlich und in Teilen sogar diskriminierend und nicht rechts­konform.

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6 Kommentare Diskutieren Sie mit

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GuessWhat am 10.10.2021 um 21:33 Uhr
Vertrauen

Auch ich nutze bereits seit sehr vielen Jahren für alle meine Internet Zugänge VPN. Okay, für fast alle. FireTV läuft ohne VPN. Von den anderen Kommentatoren hier wurde mehrfach angesprochen, dass sie sich nicht sicher sein können, ob der Anbieter auch seine Versprechen einhält. Insbesondere gilt das beim Versprechen keine Daten zu loggen. Die Antwort auf eine solche Frage ist relativ einfach. Man kann sich nicht sicher sein! Da kein Kunde Einblick in die eingesetzte Technik nehmen kann, ist die Wahl eines VPN Anbieters immer eine Vertrauenssache. Als Kunde muss ich darauf vertrauen, dass der Anbieter das tut, was er vorgibt zu tun. Das ist allerdings zugegebenermaßen jetzt nichts Besonderes, sondern gilt bei den meisten vertraglichen Beziehungen. Der Preis kann in manchen fällen aber tatsächlich ein Indikator sein. Ein angeblich kostenloses VPN muss auf andere Art und Weise Geld verdienen. Die Gefahr, dass dies mit den Daten der Kunden basiert, ist sehr hoch.

postheo am 14.08.2021 um 18:15 Uhr
keine mwst

Die bei NordVPN angezeigten Preise stimmen soweit man ausserhalb der EU seinen Wohnsitz hat. gibt man als Wohnsitz zB Dye an, schwups kommt die Mwst drauf.

TimwieStruppi am 28.06.2021 um 14:17 Uhr
Nord VPN wirklich sicher? Teil 2

Bezüglich: Nicht nur NordVPN sonderen auch andere VPN Anbieter.
Wenn VPN so teilweise "aggressiv" Werbung machen und über Werbepartner preisnachlässe geben, dann könnte es doch sein, dass gerade wenn man einen VPN nutzt, genau das passiert was man eigentlich vermeiden will. Die Daten werden analysiert und an Werbepartner weitergeleitet.
Wer garantiert einem, dass der Traffik von den VPN Anbietern sicherlich nicht analysiert wird?
Eventuell würde man vielleicht sogar weniger analysier werden, wenn man einfach nur per Telekom surfen würde?

TimwieStruppi am 28.06.2021 um 14:13 Uhr
Nord VPN wirklich sicher?

Nicht nur NordVPN sonderen auch andere VPN Anbieter machen für meine persönlichen Begriffe zu viel und zu agressiv Werbung und die Preise sind auch sehr volatil.
Seriös wirklt da kaum ein Anbieter, der so viel Werbung macht.
Oftmals gibt es Vergünstigungen, wenn man über den Link bucht.
Diese Links stammen oftmals von Berichten auf Webseiten, in denen der jeweilige Anbieter gut getestet wurde.
Nirgend konnte ich aber bisher sicher lesen, wer hinter den Anbietern steckt.
Man nehme mal an, die Nachrichtendienste würde eine Firma gründen und sich somit tarnen. Dann würden sie ein Produkt anbieten, das nicht auf Vorrat speichert.
Loggen tut es wirklich auch nicht. Aber der Traffik wird gleich ausgewertet oder jeder der sich mit einem VPN verbindet, kommt dann dirkt auf eine Art "Watchlist".
Wer garantiert einem denn, dass VPN Anbieter wirklich sicher sind und das wirklich eine private Firma dahintersteckt? Das wurde glaube ich auch noch nie so explizit getestet.

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.06.2021 um 17:06 Uhr
Mehrwertsteuer

@ziehel: Es tut uns leid, dass wir Ihren Hinweis erst etwas verspätet bestätigen können. Es ist aber presserechtlich (und presse-ethisch) vorgeschrieben, dass wir dem Anbieter die Möglichkeit einräumen müssen, sich zu der Angelegenheit zu äußern, ehe wir die Informationen veröffentlichen - daher die Verzögerung. Ob und wie schnell Anbieter auf Presseanfragen reagieren, liegt leider nicht in unserer Hand. (Bu)