Urteil gegen EBay-Verkäufer Meldung

Auch bei Abbruch einer Internet-Auktion muss der Verkäufer liefern. Den Zuschlag bekommt der bei Abbruch der Auktion Meistbietende. Das hat das Oberlandesgericht Oldenburg entschieden. Es verurteilte den Anbieter eines fünf Jahre alten Fiat Multipla ELX 100 16V, an den Möchtegern-Käufer rund 2 500 Euro Schadenersatz wegen Nichterfüllung zu zahlen. Angebote bei Ebay und anderen Anbietern von Online-Auktionen sind verbindlich und unwiderruflich, urteilten die Oberlandesrichter in Oldenburg. Nur in seltenen Fällen kann ein Verkäufer sein Angebot im Nachhinein anfechten. test.de sagt, was Verkäufer bei Online-Auktionen wissen müssen und was Ersteigerer verlangen können.

Angebot mit Fehlern

Das klang nach Chance auf ein Schnäppchen: ein Familienauto vom Typ Fiat Multipla ELX 100 16V, Erstzulassung März 1999, scheckheft-gepflegt und tipp-topp in Schuss. Das Interesse der Ebay-Gemeinde war groß. Dennoch kamen die Gebote anfangs zögerlich. Drei Tage vor Ende der Auktion im Mai 2004 stand der Wagen bei 4 500,50 Euro. Der Verkäufer zog daraufhin sein Angebot zurück. Seine Erklärung: Er habe jetzt erst Mängel bemerkt. Das Getriebe verliere Öl, und der Auspuff sei durchgerostet. Außerdem habe er vergessen, in der Artikelbeschreibung einen nicht fachgerecht reparierten Unfallschaden zu erwähnen. Der Meistbieter jedoch bestand auf Lieferung. Als sich der Anbieter weigerte, verlangte er Schadenersatz und zog vor Gericht.

Kein Recht auf Rücknahme

In erster Instanz vor dem Landgericht siegte der Verkäufer. Ein Vertrag komme nur mit dem Bieter zustande, der das bei Ablauf der Auktion beste Angebot abgegeben habe, urteilten die Richter dort. Danach kann jedes Angebot zurückgezogen werden, so lange die Auktion noch läuft. Doch der Bieter legte Berufung ein. Das Oberlandesgericht Oldenburg gab ihm recht und änderte das Landgerichtsurteil ab. Das Angebot war verbindlich, urteilten die Oberlandesrichter. Der Verkäufer habe nicht das Recht, sein Angebot nach Belieben wieder zurückzuziehen.

Selber bieten ist verboten

Auch keine Lösung: Der Verkäufer bietet selbst mit, um sozusagen indirekt die Versteigerung zu stoppen. Das verstößt nicht nur gegen die Geschäftsbedingungen der Internet-Auktionshäuser, sondern erfüllt nach Ansicht vieler Juristen den Tatbestand des Betrugs. Wer erwischt wird, zahlt nicht nur Schadenersatz und bekommt Hausverbot beim betroffenen Internetversteigerer, sondern kann auch vor dem Strafrichter landen. Ebenso ist selbstverständlich verboten, Freunde zum Schein mitbieten zu lassen.

Anfechtung im Einzelfall

Nur in Ausnahmefällen kann der Anbieter eine Auktion bei einem grundlegenden Irrtum über verkehrswesentliche Eigenschaften noch stoppen. Anerkannte Beispiele: Das Ölbild vom Speicher entpuppt sich als Werk von Rembrandt oder der als Modeschmuck angebotene Ohrring ist tatsächlich mit echten Steinen besetzt. Kleinere Irrtümer berechtigen nicht zur Anfechtung. Der Verkäufer muss liefern. Wenn er sich weigert, kann der Höchstbieter auf Lieferung Klagen oder unter bestimmten Umständen Schadenersatz wegen Nichterfüllung fordern. Der Verkäufer muss dem Käufer dann die Differenz zwischen Gebot und Wert ersetzen. Ergebnis im Streit, den das Oberlandesgericht Oldenburg zu entscheiden hatte: Dem Gebot von 4 400,50 Euro stand ein Wert von 7 000 Euro gegenüber. Also muss der Verkäufer 2 499,50 Euro an den Bieter zahlen. Hinzu kommen noch Gerichtskosten, Rechtsanwaltsgebühren und Zinsen.

Tipps: Was Käufer und Verkäufer wissen müssen

Oberlandesgericht Oldenburg, Urteil vom 28. Juli 2005
Aktenzeichen: 8 U 93/05

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