Urlaub in den Bergen - Diese Regeln gelten für Wanderer

Berg­wandern. Auf Fels oder Geröll kann man den Weg auch mal verlassen.

Viele verbinden mit Bergen ein Gefühl der Freiheit. Doch neben Naturgesetzen gelten dort auch menschen­gemachte Regeln. Ein Über­blick.

Im Corona-Jahr zog es deutlich mehr Menschen in die Berge als sonst, beob­achtete der Deutsche Alpen­ver­ein. Auch in diesem Sommer werden sich vermutlich viele noch gegen eine Reise in weit entfernte Länder entscheiden und Urlaub in Deutsch­land oder bei den Nach­barn machen.

Wen es in die Berge zieht, der muss auch dort oben mit coronabe­dingten Einschränkungen rechnen, etwa auf den Terrassen und in den Hütten. Wir haben zusammen­gestellt, was beim Ausflug sonst noch zu beachten ist.

Wege möglichst nicht verlassen

Wandern, Mountainbiking, Trailrunning – viele Aktivitäten spielen sich auf Wanderwegen ab. Radfahrer müssen auf Wegen bleiben. Fußgänger dürfen in Deutsch­land, Österreich und der Schweiz auch abseits im Gelände gehen. Im Bayerischen Naturschutzgesetz heißt es zum Beispiel: „Alle Teile der freien Natur, insbesondere Wald, Berg­weide, Fels, Ödungen ..., können von jedermann unentgeltlich betreten werden.“ Ski- und Schlittenfahren gehört dazu.

Aber: Aufgrund örtlicher Regeln und in Natur­schutz­gebieten herr­schen Einschränkungen, auf die oft Schilder hinweisen. Thomas Bucher, Presse­sprecher des Deutschen Alpen­ver­eins (DAV), appelliert an die Berg­besucher, generell auf den Wegen zu bleiben. „Das ist naturschonender. Durch neue Trampelpfade erodieren die Böden schneller.“ Fels, Geröll oder Gletscher alpiner Hoch­lagen hingegen könnten abseits der Wege – falls es welche gibt – betreten werden. Dies schade dem Boden nicht.

Das Klettern ist an Felsen grund­sätzlich erlaubt. Es gibt jedoch regionale und meist saisonale Einschränkungen, wenn Vögel in den steilen Wänden nisten. Wo welche Einschränkungen gelten, zeigt eine Webseite des Deutschen Alpenvereins.

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Mit Einschränkungen. Radfahren ist nur auf bestimmten Wegen erlaubt.

Mit dem Mountain­bike nur auf Wegen

Wer mit dem Rad unterwegs ist, darf außer­halb ausgewiesener Bereiche nicht quer­feld­ein fahren. Je nach Bundes­land gelten unterschiedliche Regeln. In Baden-Württem­berg müssen Wald­wege zum Beispiel mindestens 2 Meter breit sein oder es muss eine Ausnahme bestehen. In Bayern ist nur von „geeigneten Wegen“ die Rede. Die untere Natur­schutz­behörde beim Land­rats­amt gibt Auskunft.

Kein Vorrecht für Vereins­mitglieder

Wer eine mehr­tägige Wanderung oder Berg­tour in den Alpen plant, sollte in einer der zahlreichen Alpen­ver­eins­hütten über­nachten. Die Schlafplätze sind jedoch begehrt und durch Corona-Abstands­regeln knapper als sonst. Man muss vorab einen Platz reser­vieren. Bevor­zugten Anspruch haben nur Kranke, Verletzte und Rettungs­mann­schaften. Im Notfall werde aber niemand weggeschickt, sagt DAV-Presse­sprecher Bucher.

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Hoch oben. Das Watzmann­haus im National­park Berchtesgaden bietet normaler­weise 200 Über­nachtungs­plätze – während der Corona-Pandemie sind es nur 100.

Corona-Regeln wie im Tal

Die Alpen­ver­eins­hütten und Seilbahnen in Deutsch­land, Österreich und der Schweiz sind zurzeit geöffnet. Es gelten die gleichen Corona-Regeln wie im Tal. Die Kapazitäten fallen daher geringer aus als sonst. Je nach aktueller Inzidenz muss unter Umständen ein tages­aktueller negativer Coronatest, voll­ständiger Impf­schutz oder Genesenen­status vorliegen. Die Website reopen.europa.eu informiert über aktuelle Einreise­bestimmungen und tourismus-wegweiser.de über Rege­lungen in Deutsch­land.

Zelten nur mit Erlaubnis

Wer angesichts ausgebuchter Hütten über­legt zu zelten, könnte ein unschönes Erwachen haben. Außer­halb von Camping­plätzen ist Zelten in Deutsch­land, Österreich, Italien und der Schweiz meist verboten, sofern der Grund­besitzer keine Erlaubnis erteilt hat.

Laut Bayerischem Forst­ministerium kann vorsätzliches Wild­zelten im Wald bis zu 1 000 Euro kosten. Anders in einigen österrei­chischen Bundes­ländern wie Vorarlberg oder Salzburg: Da sieht das Camping­platz­gesetz das Wild­zelten vor, sofern die Gemeinde kein Verbot erteilt hat.

Biwakieren im Notfall möglich

Das Biwakieren dagegen, also eine Über­nachtung ohne Zelt, ist im Notfall erlaubt. Wenn man beispiels­weise wegen schlechten Wetters nicht mehr weitergehen könne, bleibe nichts anderes übrig, sagt Alpen­ver­eins­sprecher Bucher. Wer geplant biwakieren möchte, sollte sich über die örtlichen Regeln erkundigen. Einige Regionen erlauben oder dulden es ober­halb der Baum­grenze. Immer sollte Rück­sicht auf die Natur genommen und kein Müll hinterlassen werden.

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Beinahe Wildnis. Trekking­plätze kommen dem Gefühl vom Über­nachten in freier Natur sehr nah.

Trekking­plätze in den Mittel­gebirgen

Was in den Alpen meist nicht erlaubt ist, geht in deutschen Mittel­gebirgen wie der Eifel. Dort gibt es, teil­weise in National­parks, vermehrt Trekking­plätze. Sie sind nur zu Fuß erreich­bar und sparta­nisch ausgestattet. Da kommt ein Gefühl von Wildnis auf. Reser­vieren ist Pflicht.

Mehrere Tausend Euro für die Rettung

Jedem kann es passieren, in eine Notsituation zu kommen. „Das Klischee schlecht vorbereiteter und sich über­schätzender Gipfel­stürmer kommt seltener vor als angenommen“, sagt der Presse­sprecher der Berg­wacht Bayern, Roland Ampen­berger.

Immer wieder verunglü­cken Berg­wanderer, auch geübte rutschen aus oder werden von einem Gewitter über­rascht. Wenn die Berg­wacht ausrückt, koste das zwischen 280 und 1 125 Euro. Bei einem Hubschrauber­einsatz berechne der Betreiber jede Flugminute zusätzlich mit 50 bis 90 Euro. So können bei einem Unfall im Gebirge schnell mehrere Tausend Euro für die Rettung oder Bergung zusammen­kommen.

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Bergung per Hubschrauber. Eine Versicherung kann vor unerwarteten Kosten bewahren.

Wer für die Kosten aufkommt, hängt von der Art des Einsatzes ab. Ist eine Rettung medizi­nisch notwendig, bezahlt sie in Deutsch­land die gesetzliche oder private Kranken­versicherung. Im EU-Ausland ist deren Leistungs­umfang oft geringer, weshalb eine Auslandskrankenversicherung sinn­voll ist.

Liegt keine gravierende Verletzung vor, sondern ist nur schwer zugäng­liches Gelände zu über­winden, spricht man von einer Bergung. Wenn jemand vermisst und deshalb gesucht wird und anschließend wohl­auf gefunden wird, spricht man von einem Suchein­satz. Die meisten privaten Unfallversicherungen zahlen Bergungs-, Rettungs- und Sucheinsätze welt­weit. Mitglieder des Deutschen Alpen­ver­eins sind in solchen Situationen durch den „Alpinen Sicher­heits­service“ versichert. Auch einige Auslands­kranken­versicherungen über­nehmen Bergungs­kosten.

Geschützte Pflanzen nicht pflü­cken

Pflanzen wie das Alpen-Edelweiß oder der Stängellose Enzian sind besonders geschützt. Es ist laut Bundesnaturschutzgesetz verboten, sie zu pflü­cken oder zu beschädigen. Was in den Bergen so schön am Wegesrand wächst, sollte also dort bleiben. So können sich auch noch weitere Menschen an dem Anblick erfreuen.

Keine Leinen­pflicht für Hunde

Vier­beinige Begleiter müssen in den Alpen oder Mittel­gebirgen nicht zwingend an die Leine, außer in einigen Natur­schutz­gebieten. Sie müssen aber gehorchen und dürfen Wildtiere nicht stören. Über­quert man mit einem Hund eine Landes­grenze inner­halb der Europäischen Union, ist der EU-Heimtier­ausweis mit Impf­nach­weis gegen Toll­wut mitzuführen. Dann steht der Frei­zeit in den Bergen nichts mehr entgegen.

Tipp: Was Hundehalter sonst noch so wissen sollten, steht in unseren FAQ Hund: Steuern, Recht, Formalitäten.

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