Interview: Mit Kanonen auf Spatzen

Urheberrecht - Teuren Abmahn-Ärger vermeiden

Die Abmahn­industrie muss gestoppt werden, weil die Rechts­verfolgung außer Verhältnis ist, sagt Lina Ehrig, Referentin für Urheberrecht beim Verbraucherzentrale Bundes­verband.

Wer wird vom Urheberrecht geschützt und warum?

Urheberrecht heißt: Es gibt einen Menschen, der etwas künst­lerisch geschaffen hat. Für sein Werk genießt er zu Recht Schutz. Er soll der Nutznießer seiner Leistung sein. Das bedeutet, dass es ihm möglich sein muss, mit seiner Kunst Geld zu verdienen.

Wie können aus diesem berechtigten Schutz Nachteile für die Verbraucher entstehen?

Der Urheber muss nach seiner Einwilligung gefragt werden, wenn man sein Werk – also zum Beispiel Musik, Filme oder Bilder – nutzen will. Von diesem Grund­satz gibt es nur wenige Ausnahmen. Zu wenige, wenn man sich die Möglich­keiten des digitalen Zeit­alters anschaut: Das Nutzen und Teilen von Inhalten gehört im Mitmach-Web 2.0 zum Alltag und ist dank der Digitalisierung kinder­leicht. Viele Nutzer wissen aber gar nicht, dass sie durch ihr Verhalten andere schädigen. Es fehlt das Unrechts­bewusst­sein.

Was hat sich noch geändert im digitalen Zeit­alter?

Urheber­rechts­verstöße hat es auch schon vorher gegeben. Etwa wenn jemand gebrannte CDs auf dem Schulhof verkauft hat. Eine Urheber­rechts­verletzung war aber nie so einfach wie jetzt: Ein Klick genügt. Außerdem werden im Internet die Rechts­verstöße offen­kundig und für alle sicht­bar und lassen sich deshalb leichter von den Rechte­in­habern verfolgen. Es ist eine regelrechte Abmahn­industrie entstanden, die gestoppt werden muss. Die Rechts­verfolgung und die Kosten für Abmahnungen sind voll­kommen außer Verhältnis. Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Was sollte der Nutzer im Internet beachten, um keine Urheberrechte zu verletzen?

Er sollte alle Inhalte nur mit Einwilligung des Rechte­in­habers nutzen. Vorsicht gilt bei Tauschbörsen! Gerade bei aktuellen Filmen und Musik ist ein Download selten erlaubt.

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