Naturgefahren versichern

Stark­regen wird in Zukunft immer häufiger auftreten. Zusätzlich zur Wohn­gebäude- und Hausrat­versicherung ist deshalb eine Elementarschaden­police – auch Naturgefahren­versicherung genannt – sinn­voll. Damit können sich Versicherte gegen die finanziellen Folgen von Naturgefahren wie Über­schwemmung nach einem Stark­regen oder einer Fluss­über­tretung absichern.

Was zahlt die Gebäude­versicherung?

Über­schwemmungs­schäden am Haus müssen die Eigentümer in der Regel selbst bezahlen. Die Wohngebäudeversicherung über­nimmt beim klassischen Dreifach­schutz nur Schäden durch Feuer (Brand, Blitz­schlag, Explosion), für Sturm und Hagel sowie für Leitungs­wasser (Rohr­bruch, Frost, Nässeschäden). Versicherte bekommen Über­schwemmungs­schäden etwa durch Stark­regen nur ersetzt, wenn sie zusätzlich eine Elementarschaden­police abge­schlossen haben.

Was zahlt die Elementarschaden­versicherung?

Eine Elementarschaden­versicherung gibt es in Kombination mit einer Gebäude­versicherung. Der Elementar­schutz umfasst in der Regel die finanzielle Absicherung gegen folgende Naturgefahren: Über­schwemmung, Rück­stau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch sowie Schnee­druck, Lawinen und Vulkan­ausbruch. Manche Naturgefahren sind kaum versicher­bar. Für Schäden nach einer Sturm­flut bietet beispiels­weise kaum ein Elementarschaden­versicherer Schutz an. Auch Schäden durch Grund­wasser sind üblicher­weise nur versichert,wenn Grund­wasser an die Erdoberfläche austritt und eine Über­schwemmung verursacht. Sind die Kellerwände infolge eines Grund­wasser­anstiegs feucht, springt der Versicherer in der Regel nicht ein. Außerdem ist in den meisten Bedingungen eine Über­schwemmung definiert als „Über­flutung von Grund und Boden“. Das heißt: Flachdächer, Balkone und Terrassen gehören nicht zu den versicherten Gebäude­teilen.

Versicherungs­abschluss mit Hürden

Für Haus­eigentümer ist der Abschluss einer Elementarschaden­police nicht immer einfach und nicht immer günstig. Es gibt enorme Preis­unterschiede von teil­weise mehreren hundert Euro im Jahr für dieselbe Immobilie, das zeigte der jüngste Test Wohngebäudeversicherung. Die Versicherer haben ein Zonierungs­system für Über­schwemmung, Rück­stau und Stark­regen „ZÜRS Geo“ (Zonierungs­system für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen) entwickelt. Mit dem System können auch Umwelt­risiken einge­schätzt werden. Zürs Geo hilft bei der Beant­wortung der Frage, welches Gebäude in welchem Ausmaß hoch­wasser­gefährdet ist. Je nach Gefähr­dungs­klasse (GK) wird der Beitrag für die Elementarschaden­versicherung kalkuliert. Rund 21 Millionen Adressen sind in das System einge­speist. Jede Adresse ist einer der vier Gefähr­dungs­klassen zuge­ordnet. Nach Zürs Geo 2019 tritt statistisch Hoch­wasser auf:

  • Gefähr­dungs­klasse 1: nach gegen­wärtiger Daten­lage nicht von Hoch­wasser größerer Gewässer betroffen,
  • Gefähr­dungs­klasse 2: Hoch­wasser seltener als einmal in 100 Jahren, insbesondere Flächen, die bei einem so genannten „extremen Hoch­wasser“ ebenfalls über­flutet sein können,
  • Gefähr­dungs­klasse 3: Hoch­wasser einmal in 10 bis 100 Jahren,
  • Gefähr­dungs­klasse 4: Hoch­wasser mindestens einmal in 10 Jahren.

Dabei gilt: Je höher die Gefähr­dungs­klasse, desto teurer der Versicherungs­schutz. Doch die Daten­lage zeigt: Rund 93 Prozent der Häuser liegen in der Gefähr­dungs­klasse 1, darunter auch groß­flächige Gebiete in Berlin, Leipzig, München oder Stutt­gart — sie können relativ einfach gegen Extremwetter versichert werden. Problematischer ist der Schutz für gut 1 Prozent der Immobilien in Gefähr­dungs­klasse 3 oder 4, wie Häuser in der Altstadt in Passau an der Donau oder in Köln am Rhein.

Voll­gelaufene Keller und andere Vorschäden

Eine Hürde für den Versicherungs­abschluss kann ein Vorschaden sein, etwa ein voll­gelaufener Keller in den vergangenen Jahren. Manche Versicherer ­akzeptieren einen Vorschaden in den vergangenen fünf, andere in zehn Jahren. Etliche bieten dann eine Einzel­fall­prüfung an. Oliver Hauner, Leiter Sach- und Tech­nische Versicherung vom Gesamt­verband der Deutschen Versiche­rungs­wirt­schaft (GDV): „In solch einem Fall ist es sinn­voll, das direkte Gespräch mit dem Naturgefahrenspezialisten eines Versicherers zu suchen.“ Hilf­reich ist, wenn Interes­sierte nach­weisen, dass sie nach einem Schaden das Haus besser geschützt haben. Beispiels­weise, weil sie die Abdeckung des Kellerschachts verbessert, Fens­terdichtungen ausgetauscht oder eine Rück­stausicherung einge­baut haben. „Kunden können auch über­legen, ein Angebot mit einem höheren Selbst­behalt von beispiels­weise 5 000 Euro, 10 000 Euro oder mehr anzu­nehmen“, so Hauner. Der Versicherer würde dann im Schadens­fall – abzüglich des vereinbarten Selbst­behalts – für die Kosten einer Sanierung oder den Bau eines gleich­wertigen Hauses aufkommen.

Stark­regen könnte zunehmen

Eine Bewertung, wo bundes­weit das größte Starkregenrisiko droht, ist noch nicht möglich. Olaf Burghoff, Leiter Sach­statistik beim GDV, sagt: „Es gibt noch ­keine deutsch­land­weiten, detaillierten und belast­baren Daten über Starkregenrisiko­regionen.“ Deshalb gilt derzeit: „Stark­regen kann jeden treffen.“ Experten vermuten, dass starkregen­auslösende Wetterlagen zunehmen könnten. „In der Lang­zeit­betrachtung halten sich Jahre mit hohen Schäden und solche mit wenigen Schäden die Balance“, sagt Burghoff. „Doch die Abstände zwischen Jahren mit Wetter­extremen scheinen immer kürzer zu werden.“

Gebäude gegen Rück­stau sichern

Stark­regen bedeutet manchmal Schwerst­arbeit für die Kanalisation. Es kommt vor, dass das öffent­liche Abwasser­system den Nieder­schlag nicht mehr abführt. Von Rück­stau wird gesprochen, wenn Wasser über die Abwasser­rohre wieder in das Haus drückt. Keller und Unterge­schoss samt Inventar können dann mit einer braunen Brühe geflutet sein. Eine Rück­stausicherung schützt das Gebäude. Achtung: Bei fehlender Rück­stausicherung kommen Versicherer üblicher­weise nicht für eine Über­schwemmung infolge eines Rück­staus auf. Längst nicht jedem Haus­besitzer, der Hoch­wasser bisher nicht erlebt hat, ist schon klar, wie wichtig diese Sicherung ist.

Per Klick das Risiko für das Haus heraus­finden

Haus­besitzer können sich per Mausklick auf dem Onlineportal Kompass Naturgefahren haus­nummerngenau kostenlos ­informieren, wie stark ihr Gebäude durch Hoch­wasser und ­andere Naturgefahren gefährdet ist. Für Stark­regen fehlt die Differenzierung noch.­ Erfasst sind bisher fünf Bundes­länder: Nieder­sachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Thüringen. Die Minister­präsidenten der Länder sprechen sich für ein bundes­weites Portal aus.

Wann ist Hausrat gegen Über­schwemmung versichert?

Auch die Hausratversicherung zahlt für Schäden durch Über­schwemmung nach Stark­regen oder Hoch­wasser normaler­weise nicht. Versichert ist Hausrat nur gegen Schäden durch Feuer, Sturm, Hagel, Leitungs­wasser und Einbruch­diebstahl. Nur in der so genannten erweiterten Haus­halts­versicherung der ehemaligen DDR sind Schäden durch Über­schwemmungen auto­matisch im Versicherungs­schutz enthalten. Ansonsten müssen – analog zur Wohn­gebäude­versicherung – zusätzlich zur Hausrat­versicherung Elementarschäden einge­schlossen werden.

Wann sind Autos und Motorräder versichert?

Über­schwemmungs­schäden an Autos und Motorrädern begleicht die Teilkasko. Ausnahme: Der Besitzer war recht­zeitig gewarnt und hat es schuldhaft versäumt, sein Fahr­zeug in Sicherheit zu bringen. Wenn wegen der Über­schwemmung ein Unfall geschieht, gelten die allgemeinen Regeln: Den Schaden hat zu tragen, wer den Unfall verschuldet hat. Für fremde Schäden zahlt die eigene Haft­pflicht­versicherung. Ersatz von Schäden am eigenen Wagen gibt es nur für Inhaber von Voll­kasko-Versicherungen.

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