Pflegegeld in stunden­weise Hilfe umwandeln

Mehr Betreuung abrechnen. Seit 2015 gibt es eine weitere Möglich­keit, wie sich pflegende Angehörige entlasten können. Das ist vor allem sinn­voll, wenn sie keine oder wenig Hilfe durch einen Pflege­dienst nutzen. Die Grund­idee: Sie verzichten auf bis zu 40 Prozent ihres Pflegegeldes. Dafür haben sie Anspruch auf ebenso viel Prozent des höheren Betrags, den ein Pflege­dienst bekäme (Sach­leistung). Diese Summe können sie für Betreuung und Unterstüt­zung durch Helfer ausgeben. Im Fachjargon heißt das „Umwidmen“. Konkret bedeutet das: Bei einer Umwidmung von 40 Prozent stehen je nach Pfle­gestufe zwischen 196 und 853 Euro zur Verfügung.

Leistung beantragen. Die Umwidmung müssen sie bei der Pflegekasse beantragen. Die zieht den Betrag dann vom Pflegegeld ab.

Beispiel: Eine Versicherte mit Pfle­gestufe I und Demenz bekommt einen Betreuungs- und Entlastungs­betrag von 208 Euro und 316 Euro Pflegegeld. Ihr Ehemann pflegt sie. Bisher half ein Helfer 20 Stunden im Monat. Bei einer Aufwands­entschädigung von 10 Euro kostete er 200 Euro pro Monat, abge­deckt durch den Betreuungs- und Entlastungs­betrag. Jetzt braucht der Mann mehr Hilfe und lässt 20 Prozent seines Pflegegeldes umwidmen. Das Paar bekommt so monatlich 63 Euro weniger aufs Konto, hat aber Anspruch auf Hilfe im Wert von 138 Euro (20 Prozent des Sach­leistungs­anspruchs von 689 Euro).

Vor der Umwidmung

Pflegegeld bei Pfle­gestufe I

316 Euro

Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungs­leistung (20 Stunden im Monat)

208 Euro

Ausgezahltes Geld

316 Euro

Hilfe (20 Stunden) im Wert von

208 Euro

      Nach der Umwidmung von 20 Prozent

      Pflegegeld in Pfle­gestufe I abzüglich 20 Prozent

      253 Euro

      Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungs­leistung (20 Stunden im Monat)

      208 Euro

      Anspruch auf 20 Prozent von 689 Euro (Sach­leistungen; 13 Stunden im Monat)

      138 Euro

      Ausgezahltes Geld

      253 Euro

      Hilfe (33 Stunden) im Wert von

      346 Euro

          Direkt abrechnen. Die Helfer rechnen meist direkt mit dem Angehörigen des Pflegebedürftigen ab. In einem Formular der Pflegekasse, dem Leistungs­nach­weis, müssen Tag, Zeit und die Tätig­keit fest­gehalten werden. Der Pflegebedürftige zahlt das Geld an Organisation oder Helfer. Den Leistungs­nach­weis sendet er am Ende des Monats an die Pflegekasse, die das Geld nach Prüfung dem Pflegebedürftigen erstattet. In anderen Fällen rechnen die Träger im Auftrag des Pflegebedürftigen mit der Pflegekasse ab.

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