Unternehmensbeteiligungen Meldung

Die Hiobsbotschaften für Anleger der Göttinger Gruppe nehmen kein Ende. Zuletzt erwies sich die Beteiligung an Tennis Borussia Berlin als Flop.

Die Göttinger Gruppe (GG) besteht aus vielen verschiedenen Unternehmen und vermittelt Anlegern Beteiligungen daran. Mit Slogans wie "Gewinnen und Steuersparen in einem ständig wachsenden Markt" warben die Initiatoren der GG 1996 Fußballfans und Anleger für eine Unternehmensbeteiligung an der Fußballmarketing- und Investitions-Aktiengesellschaft Tennis Borussia Berlin. Doch das Fußballengagement war ein Schuss ins eigene Tor und alles andere als lukrativ.

Die Idee, mit Anlegergeld den Aufstieg der 1. Herren-Mannschaft des Fußballvereins Tennis Borussia Berlin (TeBe) in die Erste Bundesliga zu finanzieren, war ein zu hochtrabendes Unterfangen. Anders als von GG-Chef Erwin Zacharias noch im März 2000 großspurig angekündigt, machte sich TeBe nicht auf den Weg in die Champions League. Vielmehr droht dem Verein der Abstieg in die vierte Liga.

Vorläufiges Ende der misslungenen Fußballpartie war im März der Rücktritt von Erwin Zacharias als TeBe-Präsident. 70 Millionen Mark sollen die Göttinger "Sponsoren" laut Presseberichten bei TeBe in den Sand gesetzt haben. In Zukunft soll es keinen Pfennig mehr aus Göttingen geben.

Obwohl das erklärte Ziel der Beteiligung verfehlt wurde, sollen Anleger jedoch keinen Totalverlust erleiden, verspricht zumindest die GG. Die zwischenzeitlich in die Tennis Borussia Berlin Fußball KGaA umgewandelte Beteiligungsgesellschaft werde in den Konzern eingegliedert und umstrukturiert. Das neue Konzept sehe vor, "weitere Renditepotenziale für unsere Anleger in der Zukunft zu schaffen".

Weitere umstrittene Beteiligungen

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Ob es den Göttingern gelingt, "Renditepotenziale" aufzutun, darf bezweifelt werden. Sie hatten schon für die Beteiligung am Fußball "gute Unternehmensrenditen" angekündigt. Geworden ist daraus allerdings nichts.

Was aus vermeintlichen Potenzialen werden kann, wird auch am Beispiel von anderen Beteiligungen des Unternehmens deutlich. Auch wenn die hinter der Göttinger Gruppe stehenden Initiatoren Erwin Zacharias und Jürgen Rinnewitz es nicht wahr haben wollen: Der Konzern hat wirtschaftliche Probleme. Davon betroffen sind Zehntausende von Anlegern, die ihr Geld zum Beispiel in so genannte Pensionssparpläne und Secu-Rente-Produkte investiert haben, um damit für das Alter vorzusorgen. Sie haben ihr Geld in langfristige, meist zwischen zehn und dreißig Jahre laufende atypisch stille Beteiligungen gesteckt. Für die als "Private Altersvorsorge nach Maß" beworbenen Anlagen wurden ihnen attraktive Steuerersparnisse in den ersten Verlustjahren des Unternehmens und lukrative Renditen für spätere Jahre versprochen.

Was viele Anleger bei Abschluss von Verträgen über Pensionssparpläne und Secu-Rente-Beteiligungen nicht wussten, wird ihnen nun immer klarer. Bei ihrer Anlage handelt es sich nicht ­ wie die Begriffe suggerieren ­ um sichere Sparpläne, sondern um riskante Unternehmensbeteiligungen. Weder Steuerersparnisse noch attraktive Renditen sind bei einer solchen Anlage sicher.

Modifiziertes Schneeballsystem

In dieser Situation verdichten sich seit Monaten die Anhaltspunkte dafür, dass es immer mehr Schwierigkeiten im Konzern gibt. So gab die GG zum Jahresbeginn den Vertrieb ihrer umstrittenen Beteiligungen überraschend auf. Verbraucherschützer, das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen, Finanztest und andere Medien hatten immer wieder die Werthaltigkeit der Anlagen bezweifelt. Der Verdacht, dass ein Teil des Anlegergelds nicht in Objekte, sondern in den eigenen Vertrieb der Unternehmensgruppe investiert wurde, konnten die Göttinger nicht ausräumen.

Im März urteilte das Oberlandesgericht Köln nun nach siebenjährigem Rechtsstreit, dass der Anlegerschutzbrief DFI-Gerlach-Report die atypisch stillen Beteiligungen des Konzerns als modifiziertes Schneeballsystem bezeichnen dürfe (Az. 15 U 58/94). Die Bezeichnung als derartiges System unterstellt, dass die Ausschüttungen an Altanleger teilweise oder ganz mit den Einzahlungen neuer Sparer finanziert werden. Der Schneeball schmilzt, wenn keine neuen Anleger mehr gefunden werden.

Die Göttinger bestreiten dies allerdings vehement. Sie wollen gegen das Urteil Revision einlegen. Zudem geben sie Verbraucherschützern und Medien die Schuld an der krisenhaften Situation. Nicht die Handlungen der GG, sondern die "Rufmordkampagnen" gegen die Beteiligungssparpläne hätten dem Konzern Verluste in mindestens zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe beigebracht, sagte Vorstandssprecher Jürgen Rinnewitz dem Göttinger Tageblatt. Rinnewitz glaubt fest, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts des Anlagebetrugs eingestellt werden.

Dramatischer Kursverlust

Wie die GG eingeschätzt wird, zeigt auch der stetig fallende Kurs der Aktie der Securenta AG. Sie gilt als "Keimzelle" der GG. Ende März notierte das Papier, das die Securenta AG 1996 mit 13 Mark bewertete, im Stuttgarter Telefonhandel nur noch mit 0,33 Mark. Pressesprecherin Almud Harig wiegelt jedoch ab: Der Kurs spiegele lediglich den aktuellen Kursverlauf der Börsen sowie die Auswirkungen der negativen Presseberichterstattung wider. Dass der Kurs der Aktie schon lange vor den Kurseinbrüchen des letzten Jahres stetig nach unten ging, hatte sie wohl vergessen.

Bankhaus Partin geschlossen

Zudem gibt es weitere Indizien für eine Krise des Konzerns: Erst kürzlich schloss das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in Bonn die zur GG gehörende Partin-Bank. Als Grund für die vorläufige Schließung wurde die schlechte wirtschaftliche Lage der Bank angegeben. 30.000 Kunden des Kreditinstituts können seither nicht mehr über ihre Einlagen verfügen. Anleger von Inhaberschuldverschreibungen würden im Insolvenzfall ihr investiertes Geld verlieren.

In dieser Situation kürzte die GG zeitlich befristet die Auszahlungen für ein Anlagemodell. Für etwa 30.000 Anleger mit Sparplänen wurden die vertraglich vorgesehenen gewinnunabhängigen Auszahlungen von 10 Prozent auf 5 Prozent, beziehungsweise von 9 Prozent auf 4,5 Prozent gekürzt. Zur Begründung erklärte GG-Sprecher Rinnewitz, dass man das so eingesparte Geld unter anderem für die Wiedereröffnung der Partin-Bank verwenden wolle.

Die Kürzung sei kein Zeichen für ein ineffektives Anlagemodell, erklärte Pressesprecherin Harig. Mithilfe dieser Maßnahme könne sich die GG "auf neue Marktsituationen einstellen und Zukunftsinvestitionen realisieren". Das käme Anlegern bei Vertragsende zugute. Denn dann würden die verringerten Auszahlungen zu einem höheren Rückzahlungsbetrag führen. Anleger können demnach nur hoffen, dass diese Investitionen ein Treffer werden. Wer an einen Erfolg dieser oder anderer Beteiligungen der GG nicht mehr glaubt, sollte aus seinem Vertrag aussteigen. Wie das geht, steht in einem Merkblatt der Verbraucherzentrale Berlin zur GG, das für 1,50 Mark in der Bayreuther Straße 40, 10787 Berlin, bestellt werden kann.

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