Unternehmensbeteiligungen Meldung

Was Fairrenta für eine ­zündende Idee hält, ist nach Einschätzung von ­Finanztest eine brand­gefährliche ­Beteiligung.

Unternehmensbeteiligungen sind riskant und selten ­rentabel. Dennoch lockt die Fairrenta GmbH mit einer „sorgenfreien Zukunft“ und jährlichen Erträgen von 8 bis 12 Prozent. Das Geld der Anleger will sie in lukrative Immobilien aus Zwangsversteigerungen stecken.

Der schwächelnde Aktienmarkt lässt Anleger nach Alternativen suchen. Da bieten sich Beteiligungen an Unternehmen wie der Fairrenta GmbH in Tübingen an. Die erst im März 2002 gegründete Fairrenta will das Anlegergeld in Immobilien stecken. Diese will sie günstig ersteigern und lukrativ vermarkten. Anlegern soll das jährliche Erträge von 8 bis 12 Prozent bescheren.

Alfred Renner, Geschäftsführer bei Fairrenta, hält das Beteiligungskonzept für eine „zündende Idee“. „Mit Fairrenta gehören Sie automatisch zu den Gewinnern“, heißt es im Prospekt der Tübinger Firma. Doch diese Automatik erschließt sich dem aufmerksamen Prospektleser kaum.

Anders als der Name suggeriert, erscheint das Beteiligungsangebot nicht gerade fair. Die Annahmen, die den Gewinnprognosen der Firma zugrunde liegen, sind nach Ansicht von Finanztest unrealistisch. Weder gehen ertragsstarke Immobilien bei Zwangsversteigerungen für 50 Prozent des geschätzten Verkehrswerts über den Tisch, noch rechnen Makler derzeit mit Mietrenditen von mindestens 10 Prozent (siehe „Wunsch und Wirklichkeit“).

Anleger haften für Verluste

Bei Fairrenta können sich Anleger für 10 bis 40 Jahre mit einer Einmalanlage ab 1 000 Euro oder mit Monatsraten ab 25 Euro beteiligen. Einmalanlegern wird dabei auch eine gewinnunabhängige Entnahme angeboten.

Die Kosten für Provisionen, Konzeption und Prospekt betragen knapp 13 Prozent. Hinzu kommen noch Abschlussgebühren von 5 Prozent für Einmalanleger beziehungsweise 6 Prozent für Ratensparer. Macht zusammen rund 18 Prozent der Anlagesumme.

Anleger, die sich bei Fairrenta beteiligen, werden atypisch stille Gesellschafter. Sie werden Mitunternehmer und sind am Gewinn und Verlust der Gesellschaft beteiligt. Läuft bei den Investitionen etwas schief, haften sie in Höhe ihrer Einlage für Verluste. Geht die Firma Pleite, verlieren sie ihr Geld.

Das steht zwar auch im Prospekt, doch die Werbung für das Beteiligungsangebot spricht von einer „sorgenfreien Zukunft“. Beeindruckend fallen beispielsweise die Zahlen für eine Einmalanlage von 105 000 Euro bei einer Anlagedauer von 15 Jahren aus. Diese soll laut Fairrenta zwischen 8 und mehr als 9 Prozent Rendite abwerfen. Die Ablaufleistung soll zwischen 333 608 Euro und 387 172 Euro betragen.

Für einen Sparplan mit monatlichen Einzahlungen von 106 Euro sollen nach 25 Jahren im schlechtesten Fall 124 409 und im besten Fall 244 464 Euro herauskommen. Dies entspräche einer jährlichen Rendite zwischen 9,6 und sagenhaften 14 Prozent.

Zweifelhafte Geschäftsidee

Um solch sagenhafte Renditen zu erwirtschaften, will Fairrenta bei Anlegern 10 Millionen Euro einsammeln, 40 Prozent in Form von Einmalanlagen und 60 Prozent als Ratensparpläne. Laut Fairrenta-Mitarbeiter Otmar Knoll will die Firma bei Zwangsversteigerungen für 4 Millionen Euro drei bis sechs Wohn- und Geschäftshäuser für etwa 50 Prozent des geschätzten Verkehrswerts in den alten Bundesländern erwerben, um sie dann zu vermieten.

Gerade wirtschaftlich interessante Immobilien werden bei Zwangversteigerungen jedoch meist nur 10 bis 30 Prozent unter dem Verkehrwert abgegeben. Wirklichkeitsfremd liest sich auch diese Vorgabe: „Voraussetzung für den Erwerb ist eine nachgewiesene und tatsächliche Mietrendite von mindestens 10 Prozent.“ Otmar Knoll spricht sogar von „sehr häufig 11 bis 14 Prozent Mietrendite“. Seriöse Makler gehen von 6 bis 7 Prozent aus.

Mietüberschüsse und Bargeldreserven will Fairrenta zu wesentlichen Teilen in ein Wertpapierdepot anlegen, das auf der Wertentwicklung des Börsenindexes Euro Stoxx 50 basiert. Die Firma unterstellt für jedes Jahr einen Vermögenszuwachs von 12 Prozent.

Mit solchen Erträgen aus einem Aktiendepot zu rechnen, ist allerdings riskant und kann leicht schief gehen, wie die vergangenen Jahre zeigen.

„Versicherungsschutz gegen Spekulation und Untreue“ bei Fairrenta – wie im Schaubild auf Seite 11 des Prospekts aufgeführt – gibt es natürlich nicht. Das merken Anleger jedoch nur, wenn sie ein Einlageblatt im Prospekt mit der Überschrift „Der Druckfehlerteufel hat sich eingeschlichen“ lesen. Dort steht, dass es sich bei den Versicherungen lediglich um den üblichen berufsständischen Versicherungsschutz des Mittelverwendungskontrolleurs einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft handelt.

Unseriöse Werbung

Um möglichst viel Geld einzusammeln, veranstaltet Fairrenta seit einigen Wochen so genannte Roadshows. Sie dienen der Werbung und Schulung von Vertriebsmitarbeitern. 

Hinter vorgehaltener Hand weist Schulungsleiter Knoll dort schon mal darauf hin, dass Kapitallebensversicherungen nach Ansicht des Bundes der Versicherten „legaler Betrug“ seien. Fairrenta rechnet damit, dass viele mögliche Kunden solche Versicherungen besitzen, oft sogar mehrere. Dass eine vorzeitige Kündigung einer langjährigen Lebensversicherung meist herbe Verluste bringt, sagt Knoll nicht.

Selbstverständlich warne er eindringlich vor Kündigungen, erklärt Knoll gegenüber Finanztest. Doch in der Schulung empfiehlt er einen mit Fairrenta zusammenarbeitenden Anwalt, der für nur 29 Euro beim Vertragsausstieg behilflich sei. Das frei werdende Geld könne dann in die Fairrenta-Beteiligung fließen.

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